| 02:48 Uhr

Waschen, Fönen, Bürsten – alles für die Schau

Gestatten, ich bin der dreijährige Joy mit meiner Besitzerfamilie Marilyne und Emmanuel Marchin.
Gestatten, ich bin der dreijährige Joy mit meiner Besitzerfamilie Marilyne und Emmanuel Marchin. FOTO: igt1
Halbendorf. Wer am Sonnabendvormittag geglaubt hatte, 105 Hunde würden ihm schon durch ihr lautstarkes Gebell den Weg zur internationalen Neufundländer-Schau am Halbendorfer See weisen, sah sich getäuscht. Nur hin und wieder ist eine kurze Lautäußerung der großen Tiere zu vernehmen, die ihr dichtes, wasserabweisendes Fell noch massiger erscheinen lässt. Ingolf Tschätsch / igt1

Peter Niemann, der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins der Neufundländer Freunde und -Züchter Deutschlands, hat dafür folgende Erklärung: "Neufundländer sind ruhige, ausgeglichene Hunde, die sich nur selten aus der Ruhe bringen lassen. Wenn doch, dann muss schon was Außerordentliches passieren."

Zwölf europäische Nationen sind bei diesem 11. Newfoundland Fed Cup vertreten, sogar aus dem am weitesten entfernten Griechenland. Ausrichter der hochkarätigen Veranstaltung sind laut Niemann im Wechsel Vereine aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Deutschland, dass, so wie jetzt, alle vier Jahre an der Reihe ist. 2013 hatte der Cup erstmalig in Halbendorf Station gemacht. Warum aber gerade hier? "Zum einen soll die Schau in der Regel nicht weiter als 300 Kilometer von den jeweiligen Veranstaltungsländern entfernt stattfinden. Zum anderen muss der Standort hundefreundlich und sauber sein, am Wasser liegen, weil der Neufundländer eine ausgesprochene Wasserrasse ist, die Möglichkeit des Campens muss gegeben und sanitäre Anlagen vorhanden sein. Wir haben recherchiert und sind dabei auf Halbendorf gestoßen. Hier stimmt alles, wunderschön, wir sind sehr zufrieden", sagt der aus Osnabrück stammende Vereinschef, der selbst vier Hunde besitzt.

Hat vor vier Jahren das Wetter die Hundefreunde geärgert, ist heute alles in Butter. Die Sonne strahlt kräftig vom Himmel, überall freundliche, gut gelaunte Teilnehmer und ein Gelände, das an Sauberkeit nicht zu überbieten ist. Auf dem Campingareal ist kaum noch ein leeres Plätzchen zu finden. Der Newfoundland Fed Cup beschert Halbendorf einen kräftigen Aufschwung.

Viel Lob über den Veranstaltungsort kommt auch von den Akteuren selbst. "Super", meint der Franzose Emmanuel Marchin und hebt den Daumen. Zusammen mit seiner Frau Marilyne putzt er gerade den dreijährigen Rüden Joy für die Ausstellung heraus. Waschen, Fönen, Bürsten und Kämmen - es geht zu wie beim Damenfriseur. Die Marchins sind rund 1400 Kilometer im Wohnmobil von ihrer Gemeinde Saint-Martin-sur-Ocre 200 Kilometer südlich von Paris bis nach Halbendorf gefahren. Und das erste Mal hier. Joy startet in der Offenen Klasse. Rechnen sich die Besitzer Chancen aus? Emmanuel zuckt die Schultern. "Weiß nicht, muss ich sehen. Aber in Frankreich ist Joy gut", erzählt er, von einem Landsmann bei der Übersetzung ins Deutsche unterstützt. Als die anderen Vertreter der französischen Fraktion mitbekommen, dass die RUNDSCHAU Marchins und ihren Neufundländer fotografiert, will das gesamte Team aus dem Land der Liebe ein Gruppenbild. Wird gemacht.

Inzwischen hat der Wettbewerb begonnen. Die Hunde werden im Stand und im Laufen bewertet: Konstruktion, Gebäude, Fell, Zähne, Gangwerk. Die norwegische Richterin Sölvi Sjelderup, die gerade die Baby-Klasse - die sechs bis neun Monate alten Rüden machen den Anfang - unter die Lupe nimmt, hat Schwerstarbeit zu leisten. Der polnischen Richterin Anna Kochan geht es genauso. Innerhalb weniger Minuten muss Sjelderup ihre Einschätzung für jeden Hund an Nicole Rieck vom Verein weitergeben, die die Angaben in den Computer eintippt. Als die Auswertung bekannt gegeben wird, herrscht bei Yvonne Martius große Freude. Der Rüde der Züchterin, die in der Nähe von Magdeburg wohnt, hat den zweiten Platz erreicht. "Das ist ein schöner Erfolg. Damit habe ich ein vielversprechendes Tier für die weitere Zucht", so Yvonne Martius.

Christina und Klaus-Peter Schmidt beobachten das emsige Treiben auf dem Platz. Mit den Fahrrädern sind sie aus Weißwasser rüber an den Halbendorfer See gekommen. "Wir hatten selbst einen Neufundländer. Unser Bruno ist leider vor vier Jahren gestorben", erzählt die Weißwasseranerin. Beide bestätigen, dass Neufundländer fantastische Familienhunde sind, die das Bestreben haben, Menschen aus dem Wasser zu retten, wie sie mit ihrem Bruno selbst erlebt haben.

Schmidts sind wie viele andere des Lobes voll über diese Veranstaltung.

Beim Gruppenlauf im Ring werden das äußere Erscheinungsbild und das Gangwerk der Hunde begutachtet.
Beim Gruppenlauf im Ring werden das äußere Erscheinungsbild und das Gangwerk der Hunde begutachtet. FOTO: INGOLF TSCHÄTSCH