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| 15:39 Uhr

Premiere
Was Schwalbenschänzchen mit grüner Soße zu tun haben

Sieglinde Wünsche (stehend) erklärt, was so gesund an der Frankfurter grünen Soße ist. Erst wird verkostet und dann selbst gekocht.
Sieglinde Wünsche (stehend) erklärt, was so gesund an der Frankfurter grünen Soße ist. Erst wird verkostet und dann selbst gekocht. FOTO: Regina Weiß
Rietschen. Beim ersten Kochevent in der Bauernküche im Erlichthof Rietschen haben alle viel Spaß. Von Regina Weiß

Die Herausforderung steht diesmal vor dem Kochen. Wo bekommt man bei gefühlten drei Grad Celsius Außentemperatur frische Kräuter her? Und nicht nur Petersilie und Schnittlauch. Denn für eine richtige Frankfurter grüne Soße braucht es sieben Kräuter-Zutaten: Neben der erwähnten Petersilie und dem Schnittlauch sind es Kresse, Kerbel, Sauerampfer, Pimpinelle und Borretsch.

Kräuterpädagogin und Gewürzfachfrau Sieglinde Wünsche aus ­Rietschen musste deshalb fürs (Ein-)Sammeln einige Kilometer fahren. Was es nicht bei Marktfrisch in Rothenburg gibt, ist beim Großhandel in Görlitz vorbestellt. Teilweise hat das Grün einen noch längeren Weg zurückgelegt. Es kommt aus Israel oder Italien.

Sei es wie es sei: Die Zutaten sind Gründonnerstag da. Jetzt kann es losgehen. Aber nicht mit dem Schnippeln. Sieglinde Wünsche überrascht alle 17 Teilnehmer. Zuerst wird gegessen. Der Tisch in der neuen Bauernküche am Erlichthof in Rietschen ist liebevoll eingedeckt. Die Pellkartoffeln warten aufs Schälen, die grüne Soße aufs Kosten. Der Einladung folgen alle gern. „Sie schmeckt so, wie ich sie von früher kenne“, lobt Wolfgang Heinz. Der Mann, der jetzt in Görlitz wohnt, stammt aus Hessen und weiß um die kulinarische Köstlichkeit. „Die müssen sie mal zu Spargel probieren“, rät er der RUNDSCHAU-Reporterin. Überhaupt sei die Soße vielfältig einsetzbar, so Sieglinde Wünsche. Sie passt zu Pellkartoffeln, zu hart gekochten (Oster-)Eiern, zu Fisch. Sie kann eingefroren und wieder aufgetaut werden und außerdem ist sie so gesuuuuuund. Derweil alle den Mund voll haben und genießen, kann Sieglinde Wünsche nämlich bestens erklären, was die Kräuter so alles in sich haben an Vitaminen, Eisen, Kalzium und Co. Manches Grün wächst in der freien Natur. Sauerampfer beispielsweise. Um ihn zu erkennen, gibt die Fachfrau einen Tipp. „Das Ende der Blätter sieht aus wie Schwalbenschwänzchen.“ Andere Kräuter verraten sich am Geruch. Wer Kerbel zwischen den Fingern reibt, riecht Anis, bei Pimpinelle denkt man an grüne Gurke oder Melone. Sieglinde Wünsche ist in ihrem Element, wenn sie das erzählt. Schließlich kennt sie sich mit Kräutern schon Jahrzehnte aus. Seit 27 Jahren betreibt sie im Ort einen Partyservice. Dann folgten diverse Weiterbildungen. Seit vergangenem Jahr hat sie die Kräuterwanderungen auf dem Erlichthof übernommen. Und freut sich, dass diese gut laufen. Auch 2018 bleibt sie diesem Metier treu.

Mit dem Kochkurs zur grünen Soße erlebt die neue Bauernküche am Erlichthof eine Premiere, wie Isolde Meister vom Förderverein berichtet. Das neue Haus – es stand ursprünglich mal in Krauschwitz – ist wirklich mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Der Mix aus Nostalgie und Moderne passt bestens. „Wir wollen auch andere zum Kochen anregen“, erzählt Isolde Meister weiter. Der Gemeinschaftsraum eignet sich für 30 Personen. Omas Holzfeuerungsherd bietet zwei Backröhren, der moderne Induktionsherd fünf Kochstellen. Der Förderverein ist sich sicher: Das 100 Jahre alte Haus erlebt als Bauernküche ein neues Leben. Rund 280 000 Euro wurde durch die Gemeinde Rietschen mittels Förderung in den Wiederaufbau investiert.

Donnerstagabend kann man einschätzen: Die Premiere macht Lust auf mehr. Alle sind fleißig beim Schneiden und Zupfen. So auch Doreen Semmler aus Rietschen. Ihre grüne Soße – es ist die erste, die sie selbst macht – wird hoffentlich der Familie am Freitag bestens gemundet haben. Sie ist sozusagen die Beigabe zum Karpfen aus Rietschen. Guten Appetit!

Blick in die hübsch eingerichtete Kochecke.
Blick in die hübsch eingerichtete Kochecke. FOTO: Regina Weiß