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Was oder wer ist Gott?

Wenn mehrere in einer großen Menschenmasse unterwegs oder dichtgedrängt auf einer großen Freiluftveranstaltung sind, ist es ratsam, sich für hinterher einen Treff auszumachen. Denn es kann leicht passieren, dass man sich verliert, so wie es mir und meiner Frau auf dem Kirchentag in Dresden gegangen ist.

Erst auf dem Bahnhof sahen wir uns wieder. Vielleicht sind Sie auch schon mal verloren gegangen. Immer wieder sind wir in unübersichtlichen Situationen. Jetzt ist wieder Kirchentag in Berlin und Potsdam und Wittenberg und mancher wird sich verlieren. Die Losung des Kirchentages lautet: "Du siehst mich". Damit ist Gott gemeint, obwohl viele wissen, dass Gott nicht so sehen kann wie wir. Er hat keine Augen! Er ist kein Mensch. Wenn wir in einer großen Menschenmasse oder sonst im Leben mal verloren gehen, dann ist es herrlich, wenn wir wieder von einem Begleiter mit seinen Augen gesehen werden und dann gefunden werden! Das ist eine Beruhigung, und das Leben ist wieder schön. So ähnlich empfinden es viele Gläubige, wenn sie an Gott denken. Dietrich Bonhoeffer hat im Gefängnis, als er wusste, er kommt nicht wieder raus, gedichtet: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag, Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." Derselbe Bonhoeffer hat im selben Gefängnis geschrieben: Jesus war "für andere da", und so ist Gott das "Dasein für andere", und so sind Gläubige nur Gläubige, wenn sie für andere da sind. Da ist es dann nur für Nachdenkliche wichtig, ob man fragt: Was oder wer ist Gott? Hauptsache, Sie fühlen sich heute geborgen und sind für andere da, damit weder Sie noch andere verloren gehen.