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| 16:34 Uhr

Projekttag
Was die Ohrfeige mit Sorbisch zu tun hat

 Manfred Noack entführt die Grundschüler in die Schulzeit vor über 70 Jahren. Das alte Schulzimmer wird dafür genutzt.
Manfred Noack entführt die Grundschüler in die Schulzeit vor über 70 Jahren. Das alte Schulzimmer wird dafür genutzt. FOTO: Regina Weiß
Trebendorf. Fest der sorbischen Sprache bietet Grundschülern in Trebendorf interessante Einblicke. Von Regina Weiß

Die Mädchen und Jungen der dritten Klassen der Grundschule Schleife begeben sich auf dem Schusterhof in Trebendorf auf Zeitreise. Dafür sorgen Manfred Noack und Erich Krauz. Sie nehmen die Schüler mit auf Erinnerungstour in ihre Schulzeit. Dafür haben die Kinder in den alten Schulbänken unterm Dach der Scheune Platz genommen. Schieferkästchen und Griffel bekommen sie dort gezeigt und erklärt. Utensilien aus einer fernen Zeit.

Die volle Aufmerksamkeit hat Manfred Noack, als er erzählt, dass er schon am ersten Schultag – er wurde am Dienstag nach Ostern 1944 eingeschult – eine Ohrfeige bekam. „Und auf die bin ich bis heute stolz“, sagt er mit einem Lachen. Vor 74 Jahren habe er kein Wort deutsch gesprochen. Sorbisch war seine Muttersprache. So mit dem Nachbarn im Unterricht quatschend, teilte Lehrerin Fräulein Wohlrapp die Backpfeife aus. Die Schüler staunen nicht schlecht und werden sich die Geschichte von der Watschen gut merken können. Lässt sich doch durch das watsch gut die Eselsbrücke zur Konjugation der sorbischen Verben herleiten.

Doch das nur nebenbei, die Schüler sind aktiv bei der Sachen und finden das alles toll und cool, wie sie die RUNDSCHAU bei ihrer Stippvisite wissen lassen. „Aller zwei Jahre findet das Fest der sorbischen Sprache an unserer Schule statt“, erklärt Schulleiterin Petra Rübesam. Die Erst- und Zweitklässler erfahren im Stationsbetrieb an der Schule etwas über Musikinstrumente und den Bändertanz. Bei den Viertklässlern dreht sich auf dem Njepilahof in Rohne alles um den Flachs. Und die Drittklässler lernen auf dem Schusterhof das Leben der sorbischen Bauern in früheren Zeiten kennen. Dafür hat Hartwig Balzke die Stehameise vorgefahren und die Sense gedengelt. „Gar nicht so einfach“, muss Bruno eingestehen. Mehrere Male bleibt die Sense im Boden stecken, anstatt die Halme zu kappen. Gemeinsam mit Hartwig Balzke klappt das dann aber perfekt und die Kanninchen können sich über frisches Grün freuen.

Wie früher ein Bauernhaus, also auch das Schrotholzhaus von Hanso Schuster, entstand, das erfahren die Kinder von Holzkünstler Thomas Schwarz. Er hat nicht nur verschiedene Holzarten, sondern auch die Schrotholzsäge mitgebracht. „Und eins und zwei und eins und zwei“, geben die Mitschüler den Takt vor, nachdem Lutijan und Max sägen müssen. Da fliegen die Späne durch den Wind. „War nicht so schwer“, findet Max später, als er die abgesägte Holzscheibe in der Hand hält.

Holz wird auch für den Backofen gebraucht, gerade jetzt wo am Sonntag auf dem Schusterhof wieder gemütlich gefeiert wird. Da muss ordentlich Brennmaterial gestapelt werden und auch die Küche braucht Nachschub. Gemeinsam mit Angelika Balzke, der Vorsitzenden der Domowina-Gruppe, wird reichlich Rharbarber geerntet.

Apropos Küche. Wer arbeitet, der hat natürlich auch Hunger. Kartoffeln und Quark werden wenig später gereicht. Derweil schon zwei Wassereimer Kartoffeln geschält sind, dürfen die Kinder beim Zwiebel- und Schnittlauchschneiden selbst Hand anlegen. Übung macht den Meister. Teilweise ist das Schnittmuster sehr großzügig. Übung tut weiter Not.

„Wir haben eine Kooperation mit dem Schusterhof und sind froh, das hier nutzen zu können. Das würde natürlich ohne die fleißigen Helfer nicht funktionieren. Die haben sich wirklich ein Dankeschön verdient“, sagt Petra Rübesam. Letztlich gehört zum Ausflug auf den Schusterhof auch Bewegung. Die knapp drei Kilometer hin und zurück zur Schule werden am Donnerstag gewandert.

Lutijan (vorn) und Max versuchen sich mit Hilfe von Thomas Schwarz an der Schrotholzsäge. Ihre Mitschüler schauen zu.
Lutijan (vorn) und Max versuchen sich mit Hilfe von Thomas Schwarz an der Schrotholzsäge. Ihre Mitschüler schauen zu. FOTO: Regina Weiß
 Hartwig Balzke gibt Bruno Hilfestellung beim Mähen mit der Sense. Allein ist das gar nicht so einfach.
Hartwig Balzke gibt Bruno Hilfestellung beim Mähen mit der Sense. Allein ist das gar nicht so einfach. FOTO: Regina Weiß