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| 16:58 Uhr

Einweihung
Was der Rennsteig mit Boxberg zu tun hat

Ganz konzentriert gehen sie zu Werke beim Banddurchschneiden: Antje Klose vom Landratsamt, Christian Weßling vom Umweltministerium und Bürgermeister Achim Junker (v.l.n.r.).
Ganz konzentriert gehen sie zu Werke beim Banddurchschneiden: Antje Klose vom Landratsamt, Christian Weßling vom Umweltministerium und Bürgermeister Achim Junker (v.l.n.r.). FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Die Gemeinde weiht ihr Begegnungszentrum nach Sanierung ein. Drei Förderprogramme braucht es für das Vorhaben. Von Regina Weiß

„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land, den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand ...“ singen die Fünftklässer der Freien Oberschule Boxberg am Montagvormittag auf der Bühne im neuen Multifunktionsraum des Begegnungszentrums. Wo einst ganze Generationen über chemischen Formeln gebrütet und dieselben in verschiedenen Experimenten immer wieder erprobt haben, wird aus freudigem Anlass gesungen. Denn am Montag kann die Gemeinde ihr Begegnungszentrum im zweiten Obergeschoss des Schulgebäudes einweihen. Und was hat nun der Rennsteig mit der Gemeinde in der Oberlausitz zu tun? Schon eine ganze Menge. Wer sich auf den 170 Kilometer lange Kammweg in Thüringen begibt, der braucht Durchhaltewillen und Kondition, um Strecke und Höhenmeter zu meistern. Begriffe, die auch den Verantwortlichen in der Gemeindeverwaltung und allen an der Sanierung Beteiligten beziehungsweise davon Betroffenen nicht fremd sind. So erinnert sich Ralph Berthold, Leiter der Freien Oberschule, noch an die „Wanderbewegung“ des vergangenen Jahres, wo die Schüler in drei Objekten der Gemeinde unterrichtet werden mussten. Das war nervenaufreibend gewesen.

Durchhaltewillen war auch deshalb notwenidg, weil sich keiner so richtig hatte vorstellen können, dass vom Grundsatzbeschluss zur energetischen Sanierung des Schulgebäudes samt Schaffung des Begegnungszentrums so lange Zeit vergehen sollte. Schon im Oktober 2010 sagte der Rat einstimmig Ja zum Vorhaben, erinnert Bürgermeister Achim Junker (CDU) bei seiner Rede. Damals hatten alle noch auf Fördermittel aus dem deutsch-polnischen EU-Fördertopf gehofft. Doch der gemeinsame Antrag mit Jelenia Gora (Hirschberg) war nicht von Erfolg gekrönt. Letztlich waren drei Fördertöpfe vonnöten, um das Projekt stemmen zu können. Aus dem Länderprogramm Vitale Dorfkerne bekam die Gemeinde 624 054 Euro Zuschuss. Die energetische Sanierung von Dach und Fenstern wurde über Brücken in die Zukunft mit 296 000 Euro bezuschusst. Für die energetische Sanierung der Fassade wurde in den Leader-Fördertopf gegriffen. 157 000 Euro kamen aus diesem. Die Gesamtbausumme kam letztlich auf 1,8 Millionen Euro, so der Bürgermeister. Er verwies auch darauf, dass bei einer Sanierung im Bestand Überraschungen nicht ausbleiben. Im Fall Boxberg waren es gravierende Mängel im Brandschutz, die zu Tage traten. Außerdem sorgte ein Schwelbrand samt Wasserschaden für weitere Komplikationen.

„Ende August konnten die Arbeiten am Begegnungszentrum abgeschlossen werden“, freut sich Achim Junker. Damit stehen nun barrierefreie Räumlichkeiten im Obergeschoss den Vereinen und Bürger der Gemeinde zur Verfügung. Diese müssen nun mit Leben erfüllt werden. Junker geht  davon aus, dass das schrittweise erfolge. Die Bibliothek ist als einer der ersten Nutzer in ihren schönen hellen Raum eingezogen. Auch die Senioren werden dort ihre Heimstatt finden. Ganz bequem kommen sie mit dem Aufzug in das zweite Obergeschoss.

Von der energetischen Sanierung profitieren Freie Schule und Gemeinde. Denn das Schulgebäude ist nicht mehr wiederzuerkennen. Am Montag strahlte es mit den Resten der Herbstsonne um die Wette. Eine Aufwertung für den ganzen Ort.

Das war die Schule schon einmal gewesen, erinnern sich Kristiane Woj­cicki, viele Jahre Schulleiterin, und Gemeinderat Horst Jannack. In Boxberg entstand der Prototyp für den Schulhausbau, der später nicht nur im Bezirk Cottbus, sondern DDR-weit von sich reden machte. Die Ausstattung sei damals top gewesen, als 1971 die ersten Schüler  aufgenommen werden konnten. Vorher sei Unterricht in vielen Gebäuden oder Ortsteilen verteilt gewesen.

Nach der Einweihung sind nun noch Malerarbeiten in den Räumen der Freien Oberschule zu erledigen. Außerdem müssen in der Grundschule noch die Auflagen zum Brandschutz umgesetzt werden.

Und dann wartet noch ein weiterer Brocken auf seine Sanierung – die Aula. Gut zwei Millionen Euro würde das Vorhaben kosten. Letztlich muss das der Gemeinderat in einem neuen Grundsatzbeschluss entscheiden.

Allein schon die Fassade hat eine unheimliche Aufwertung durch die Sanierung erfahren. Foto: Regina Weiß
Allein schon die Fassade hat eine unheimliche Aufwertung durch die Sanierung erfahren. Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß
Die Schüler der Klasse 5 singen den Gästen der Eröffnungsfeier ein Lied.
Die Schüler der Klasse 5 singen den Gästen der Eröffnungsfeier ein Lied. FOTO: Regina Weiß