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| 03:06 Uhr

Was braucht ein Lausitzhalle-Chef?

Dirk Rolka, neuer Chef der Lausitzhalle.
Dirk Rolka, neuer Chef der Lausitzhalle. FOTO: Maus
Hoyerswerda. Der Hoyerswerdaer Geschäftsmann und CDU-Stadtrat Dirk Rolka wird neuer Chef der Lausitzhalle. Während die Freien Wähler an der Qualifikation Rolkas zweifeln, zeigt sich die Linke "überrascht". CDU und SPD stärken Rolka den Rücken. Daniel Schauff

Dirk Rolka brennt für seine neue Aufgabe - die Leitung der Lausitzhalle GmbH. Seit Dienstagabend steht er als neuer Leiter des defizitären Kulturunternehmens fest. Rolka hat Visionen, will die Lausitzhalle zu neuen Erfolgen führen. Als Tagungszentrum soll die Halle verstärkt genutzt werden, Weihnachtsfeiern sollen dort stattfinden, Altbewährtes wie Weihnachtsmarkt und Stadtfest erhalten bleiben. Einen Fahrstuhl soll es irgendwann einmal geben, für die älteren Gäste. An der Energieeffizienz der Halle will er arbeiten lassen.

Rolkas Ideen haben einen Großteil der Stadträte überzeugt. 18 von 29 Stimmberechtigten hatten am Dienstagabend ein Kreuzchen neben seinen Namen gemacht. Rolka ist Sprecher der CDU/FDP-Fraktion und ist ein "Hoyerswerdaer Urgestein", wie er sich selbst nennt. Eine Veranstaltungshalle hat er bislang noch nicht geführt, leitet aber zwei Unternehmen. Eines davon ist eine Veranstaltungsagentur, die Show-, Model- und Eventagentur mit Sitz in Hoyerswerda. Außerdem betreibt Rolka eine Kfz-Werkstatt mit angeschlossenem Yacht- und Werftservice. Ob er diese Unternehmensleitungen abgeben wird, ließ Rolka neben anderen RUNDSCHAU-Nachfragen noch unbeantwortet.

Rolka ging nach der Schulzeit in Hoyerswerda nach Halle, studierte dort an der Pädagogischen Hochschule, aber wegen der Wende ohne Abschluss. Er ging in die Schweiz, absolvierte eine betriebswirtschaftliche Ausbildung bei der Zürcher Kantonalbank und arbeitete als Anlageberater eines Unternehmens in der Schweizer Stadt Zug. 1991 gründete er seine Kfz-Werkstatt in Hoyerswerda. Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) machte Rolka Ende der 90er-Jahre eine Ausbildung zum Moderator und Journalisten, arbeitete unter anderem bei der Elsterwelle und tritt mit seiner Partyband "Coffeeshop" bei Veranstaltungen auf.

Für Frank Hirche, den Vorsitzenden der CDU/FDP-Fraktion, die elf Sitze im Stadtrat hat, hat der Stadtrat am Dienstagabend die richtige Wahl getroffen: "Dirk Rolka hat als Eventmanager langjährige Erfahrungen und gute Kontakte und er hat als Geschäftsführer auch die notwendigen Kenntnisse in der Mitarbeiterführung. Er ist in der Region verwurzelt. Ich hoffe, wir haben die richtige Entscheidung getroffen und wünsche ihm bei der Führung und Entwicklung der Lausitzhalle ein glückliches Händchen."

Ähnlich äußerte sich Maritta Albrecht, die Vorsitzende der Hoyerswerdaer SPD, die vier Stadträte stellt: "Er ist ein Hoyerswerdaer und er hat sich in der Fraktion gut vorgestellt", sagt sie. Man müsse auch mal einem Hoyerswerdaer eine Chance geben.

Rolkas Gegenkandidat konnte da nicht punkten. Steffen Meyer war von 1986 bis 2012 für den Kulturpalast in Dresden tätig, leitete ihn in den letzten zwei Jahren, bevor er schließen musste. Seitdem arbeitet er in München, leitet das Multifunktionsgebäude "Fünf Höfe". Meyer wollte zurück nach Sachsen, eine Anstellung in der Nähe seiner Heimat finden. Also kein Hoyerswerda-Bonus. Und für besser qualifiziert hält Maritta Albrecht Meyer auch nicht. Rolka sei immerhin schon 20 Jahre in der Veranstaltungsbranche tätig.

Anders sehen das Dirk Nasdala und seine Fraktion der Freien Wähler Stadtzukunft, die fünf Stadträte stellt. Die hatten für Meyer gestimmt, den "richtigen Kandidaten", wie Nasdala ihn nennt. Das Ganze sei sehr unbefriedigend, so Nasdala. Rolka habe nicht - wie Meyer - einen Hochschulabschluss vorzuweisen, der in der Ausschreibung gefordert wurde. Darin waren unter anderem ein "geeigneter Hochschulstudienabschluss in einer artspezifischen Fachrichtung mit guter kaufmännischer Kompetenz" und "mehrjährige erfolgreiche Erfahrung als Führungskraft von adäquaten Unternehmen" erwartet worden. Meyer, so Nasdala, sei der einzige geeignete Bewerber gewesen. Aber Meyer bekam nur elf Stimmen.

"Die Linke war überrascht von der Wahl", so Ralph Büchner für die Fraktion, die mit neun Stadträten zweistärkste Kraft ist. Man werde den neuen Geschäftsführer aber soweit wie möglich unterstützen. Bezüglich der fachlichen Qualifikation aber sei Meyer sicherlich im Vorteil gewesen, so Büchner.

Und Meyer? Der kündigte beim Abschied schon mal an, dass er sich erneut bewerben würde, falls die Stelle in Zukunft noch einmal ausgeschrieben wird.