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| 02:49 Uhr

Warum Schlesien Arkadien gleicht

Arne Franke und Katrin Schulze präsentieren ihr neuestes Werk.
Arne Franke und Katrin Schulze präsentieren ihr neuestes Werk. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Bad Muskau. 3500 Burgen, Schlösser und Herrenhäuser gibt es in Schlesien. 150 haben Arne Franke und Katrin Schulze in ein Buch gepackt. Herausgekommen ist die "Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser". Jetzt wurde das Werk in Bad Muskau präsentiert. Torsten Richter-Zippack / trt1

Es ist schon merkwürdig: Kaum ein zweiter Landstrich in Mitteleuropa hat so viele Burgen, Schlösser und Herrenhäuser aufzuweisen wie Schlesien. Rund 3500 sollen es sein, haben die Forschungen des Berliner Kunsthistorikers Arne Franke ergeben. Etwa 70 Prozent seien bis heute in der Landschaft noch erkennbar, sagt der Forscher und Autor.

Verluste wiegen schwer

Die Verluste durch den Zweiten Weltkrieg und die sich daran anschließende sozialistische Zeit wiegen zwar schwer, hätten sich aber in relativ geringem Rahmen gehalten. Viel dramatischer für das schlesische Schlösserland sei dagegen die Zeit nach der politischen Wende gewesen. "Damals", so hat Franke recherchiert, "sind die meisten dieser Ensembles privatisiert worden. Eigentlich eine gute Sache, nur hatte sich die polnische Treuhand die neuen Eigentümer nicht genau angesehen." Denn nicht wenige von ihnen ließen die neu erworbenen Burgen, Schlösser und Herrenhäuser einfach verfallen.

Heute präsentiert sich eine nicht unerhebliche Anzahl in einem ruinösen Zustand oder ist ganz aus der Landschaft verschwunden. "Die meisten dieser Gebäude sind erst nach 1989 kaputtgegangen", sagt Franke. Davon sei auch die Oberlausitz nicht ausgenommen. So präsentiere sich das Schloss Oberneundorf bei Görlitz, übrigens auf der deutschen Seite, ebenfalls ruinös.

Von den insgesamt 3500 schlesischen Adelssitzen haben Arne Franke und die Landschaftsgestalterin Katrin Schulze 150 ausgewählt und in ein Buch gepackt. Das jetzt im Görlitzer Bergstadtverlag W.G. Korn erschienene Werk trägt den Titel "Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser - 150 Adelssitze im Portrait". Auf rund 350 Seiten präsentiert das Duo nicht nur die Historie und Gegenwart dieser Ensembles, sondern ebenso bedeutende kunstgeschichtliche Aspekte.

Wer weiß beispielsweise schon, dass das Piastenschloss in Brzeg (Brieg) nach dem Zweiten Weltkrieg von den Polen wieder in den originalen Zustand aus dem 16. Jahrhundert versetzt wurde. Allerdings nach den Plänen des letzten deutschen schlesischen Provinzialkonservators Günther Grundmann. Oder dass sich der niedere Adel im späten Mittelalter zunächst in teils trutzigen Wohntürmen ansiedelte. 15 dieser markanten Landmarken solle es noch heute in Schlesien geben. Im Zuge der Recherchen für das neueste Buch habe Arne Franke über drei dieser Wohntürme erstmals überhaupt publiziert.

Beratung bei Pückler

Natürlich fehlen auch Schloss und Park Muskau nicht. Übrigens soll sich Herzögin Dorothea von Sagan in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Pückler beraten lassen haben, um sich ein eigenes Ensemble zu schaffen. Bis heute präsentiert sich der Sagansche Park, angelegt von Hofgärtner Friedrich Teichert, dem Muskauer Pendant ziemlich ähnlich. Zumindest um das Saganer Schloss (heute Zagan) wurde das Ensemble inzwischen wieder hergerichtet.

Dann gibt es den Park von Ilowa (Halbau), keine halbe Stunde von der deutschen Grenze entfernt. Das erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Ensemble des Besitzers Graf Hochberg zu Fürstenstein vereint verschiedene Elemente der japanischen und chinesischen Gartenkunst. Und das dazugehörige Schloss erinnert an den Orient. Erstaunlich, so Franke, sei die enorme Schlösserdichte in Schlesien. So könne man diesen Landstrich durchaus mit dem Mythos Arkadien vergleichen.

Band zwei, nämlich Oberschlesien, werde frühestens anno 2017 erscheinen. Anschließend sei der dritte Band, Mährisch Schlesien, an der Reihe. Das aktuelle Buch ist für 29,90 Euro überall im Buchhandel sowie bei der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau zu haben.