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Warum nicht eine Tonne für alles?

Schwarz, braun, blau oder gelb? Nicht immer landet der Abfall in der richtigen Tonne.
Schwarz, braun, blau oder gelb? Nicht immer landet der Abfall in der richtigen Tonne. FOTO: A. Lehmann
Weißwasser. Die Alufolie landet im Restmüll und der Filzstift im gelben Sack? Umgedreht wäre es richtig. Mit Mülltrennung lässt sich täglich Geld sparen. Doch das Sortieren ist eine Wissenschaft für sich. Anja M. Lehmann

Ob Tetrapack oder Plastikflasche, Kartoffelschalen oder Taschentücher. Täglich fällt im Haushalt Müll an. Im Jahresverlauf summiert sich allein die Restmüllmenge auf 90 Kilogramm pro Bürger. Zwischen 87 und 190 Euro zahlt eine vierköpfige Familie in Weißwasser jährlich für die Entsorgung des Abfalls aus der schwarzen Tonne. Hinzukommen 85 Euro für die Bio-Tonne, wenn kein Kompost genutzt wird. Der Abtransport der wiederverwertbaren Abfälle aus der blauen und der gelben Tonne ist kostenlos. Durch umweltbewusstes Sortieren kann so eine Menge Geld gespart werden.

"Doch der Fehlwurfgehalt ist sehr hoch", berichtet Andreas Lysk, Geschäftsführer der Niederschlesischen Entsorgungsgesellschaft (NEG), die als Vertragspartner des Landkreises Görlitz für das Einsammeln, Befördern und Verwerten von kommunalen Abfällen im Gebiet des ehemaligen Niederschlesischen Oberlausitzkreises zuständig ist. Der Inhalt einiger gelber Tonnen unterscheide sich kaum von dem der Restmülltonne, so Lysk. "Etwa 50 bis 60 Prozent sind nicht recycelbare Abfälle", schätzt er.

Daher werde stichprobenartig kontrolliert. Befinden sich Inhalte in den Tonnen oder im gelben Sack, die dort nicht hineingehören, bleiben sie stehen. "Sie werden mit einem Aufkleber versehen, sodass der Bürger die Möglichkeit zur Nachsortierung erhält", erklärt Ronny Hirschmann, Leiter des Regiebetriebs Abfallwirtschaft Görlitz. Reagiert der Bürger nicht, werden die Abfälle kostenpflichtig über den Restmüll entsorgt.

Die Deutschen gelten als Müllsortier-Weltmeister. Doch das Trennungsverhalten ist unterschiedlich ausgeprägt. Besonders in der Anonymität von Vierteln mit Blockbebauung sei der Organik-Anteil im Restmüll höher, so Hirschmann. Doch ein Teil der Abfälle landet nicht bewusst in der falschen Tonne.

Intelligente Fehlwürfe

Als "intelligente Fehlwürfe" bezeichnen Experten, wenn Plastikabfälle wie Eimer oder Spielzeug im gelben Sack neben dem Joghurtbecher landen. Plastik zu Plastik, denkt der umweltbewusste Bürger und irrt.

Anfang der 90er-Jahre war das einfacher: Ein Blick auf die Verpackung genügte und man wusste anhand des Grünen Punktes, ob sie im Restmüll oder in der gelben Tonne zu entsorgen ist.

"Die Kennzeichnungspflicht ist Geschichte", erläutert Ronny Hirschmann. "Heute gibt es zehn verschiedene Kennzeichen."

Das vom Dualen System Deutschland AG (DSD) gemanagte Modell "Grüner Punkt", das 1990 als erstes duales System von Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche gegründet wurde, hatte lange Zeit eine Monopolstellung. Eine Entscheidung des Kartellamtes führte 2003 zur Marktöffnung und zum Eintritt weiterer dualer Systeme. So gibt es heute neben dem Grünen Punkt zum Beispiel Zentek, Veolia Umweltservice, Eko-Punkt, Interseroh und Landbell.

Verpackung oder Restmüll

Für die Bürger ist nun entscheidend, ob es sich beim Plastikabfall um Verpackungsmaterial handelt oder nicht.

Andreas Lysk verdeutlicht das an einem Beispiel: "Wenn man einen Fernseher kauft und dieser zum Schutz in Styropor verpackt ist, zählt das Styropor als Verpackungsmaterial und gehört in die gelbe Tonne. Fällt beim Renovieren Styropor als Dämmstoff an, gilt es nicht als Verpackung und darf nicht in die gelbe Tonne."

Hintergrund ist eine bundeseinheitliche Verpackungsverordnung, die Hersteller und Vertreiber von Verpackungen verpflichtet, diese zurückzunehmen und einer Verwertung zuzuführen. Dies kann durch die Beteiligung an einem dualen System erfolgen.

Lizenzsystem mit Ausnahmen

Hierfür schließen die Unternehmen aus Industrie, Handel und Handwerk Verträge mit Betreibern dualer Systeme ab, die für sie gegen eine Lizenzgebühr alle Rücknahme- und Verwertungspflichten nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz und der Verpackungsverordnung umsetzen.

Zusätzlich gibt es einzelne Branchenlösungen. So entfällt mit der "Eigenrücknahme" die Systembeteiligungspflicht für Hersteller und Vertreiber, wenn sie die Verpackungen selbst zurücknehmen und einer Verwertung zuführen. "Fast-Food-Ketten und große Handelsketten - darunter eine namenhafte Drogerie - bieten ihren Kunden diese Möglichkeit", so Ronny Hirschmann. Doch inwieweit sich diese bewährt, ist heftig umstritten. "Wer bringt denn seine Tüten vom Drive-In zurück oder das leere Duschbad?", fragt auch Andreas Lysk und fügt hinzu: "Die Mengen Leichtverpackungen, die wir abtransportieren, bleibt konstant."

Die Menge der bei den dualen Systemen lizenzierten Verpackungen nehme demgegenüber kontinuierlich ab, teilt das Bundesumweltministerium mit. Einige Unternehmen würden "Schlupflöcher" der Branchenlösungen nutzen, um Verpackungsmengen der Lizenzpflicht zu entziehen und so Gebühren zulasten anderer zu sparen. Dem dualen System entgehen so jährlich etwa 130 bis 150 Millionen Euro.

Eine Novellierung der Verpackungsverordnung soll nun die Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb zwischen den dualen Systemen schaffen und helfen, die Schlupflöcher zu schließen.

Doch auch in Zukunft wird der Verbraucher vor die Frage gestellt, wohin mit der Verpackung? "Eine leere Deo-Spraydose gehört als Verpackung in den gelben Sack", erklärt Andreas Lysk. "Eine Spraydose, in der noch ein Rest ist, gehört in die Schadstoffsammlung." Viermal im Jahr ist daher ein Schadstoffmobil im Landkreis unterwegs.

Zum Thema:
Schwarze Tonne. Die Restmülltonne wird im Altkreis Niederschlesische Oberlausitz 14-tägig entleert, muss mindestens einmal jährlich bereitgestellt werden. Der Abfall wird von der NEG zur Umladestation in Weißwasser gebracht und kommt von dort zur Müllverbrennung in die Thermische Abfallbehandlung Lauta.Braune Tonne. Die Bio-Tonne wird unabhängig von ihrem Füllstand ebenfalls 14-tägig entleert. Ihr Inhalt wird zur Kompostieranlage der NEG in Weißwasser gebracht. Hier können auch Bio- und Grünabfälle abgegeben werden.Blaue Tonne. Das gesammelte Papier, Pappe und Karton aus den blauen Tonnen werden wiederverwertet und zum Recycling zur Celltechnik Lodenau transportiert. Gelbe Tonne. Die gelben Säcke beziehungsweise Tonnen werden von der Veolia Umweltservice Ost abgeholt. Ihr Inhalt landet in der Sortieranlage Droben bei Bautzen. Nicht verwertbare Abfälle werden hier aussortiert und als Restmüll zur thermischen Abfallbehandlung nach Lauta transportiert. Sperrmüll. Sperrmüll, Schrott und Elektroschrott werden nach vorheriger Anmeldung zweimal jährlich abgeholt. Die Anmeldung erfolgt mit einer Sperrmüllkarte. Zusätzlich kann Sperrmüll beim Wertstoffhof Weißwasser abgegeben werden. Bei Selbstanlieferung ist die Sperrmüllkarte dort einzureichen. Termine und Hinweise zur Abfalltrennung und -entsorgung www.kreis-goerlitz.de.