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Warum Möwen einst Friedenstauben waren

Liedpoetin Konstanze Niemz begeisterte die Uhyster mit ihren Froschgedichten und selbst geschriebenen Liedern inklusive Gitarrenbegleitung.
Liedpoetin Konstanze Niemz begeisterte die Uhyster mit ihren Froschgedichten und selbst geschriebenen Liedern inklusive Gitarrenbegleitung. FOTO: amz1
Uhyst. Winter in Uhyst. Temperaturen unter null Grad, dazu reichlich Schnee. Und ein beschwingtes Programm in der ersten Etage des Rathauses. Es ist wieder Lesewinterzeit. Zur Auftaktveranstaltung des Jahres 2017 haben sich die Protagonisten um Johanna Gruner die Hoyerswerdaerin Konstanze Niemz eingeladen. amz1

Eigentlich eine alte Bekannte, war die "Liedpoetin", so bezeichnet sich die Künstlerin selbst, bereits vor sechs Jahren im Spreedorf zu Gast. Diesmal hat die 48-Jährige ein Potpourri aus Gedichten, Episoden und Liedern mitgebracht, die verschiedenste Alltagssituationen beleuchten.

So nimmt Konstanze Niemz die gut 20 Uhyster an diesem verschneiten Sonntagnachmittag mit auf eine Reise in ihre Lausitzer Kinderjahre. Konkret in ihre Heimatstadt Hoyerswerda. Und noch konkreter in die Straße des Friedens 7 in der Neustadt, wo die Gitarristin einige Zeit lebte. "Da sich unsere Straße ganz nahe an der Schwarzen Elster befindet, waren öfter Möwen zu Gast", erinnert sich Konstanze Niemz. In ihren damals kindlichen Augen musste es sich, wenn man schon in der Straße des Friedens wohnt, um "Friedenstauben" handeln.

Nach der Wende sei die Hoyerswerdaerin mit dem Straßennamen allerdings in Konflikt geraten. Flogen doch dort Molotow-Cocktails gegen die Vietnamesen, die ebenfalls in dieser Straße lebten. Danach, so gibt Niemz zu, habe sie stets den Namen ihrer Heimatstadt zu verstecken versucht. "Wollte jemand wissen, woher ich komme, habe ich immer gesagt, aus der Nähe von Dresden."

Das sei heute nicht mehr so. Mehr noch: Inzwischen hat die 48-Jährige ein extra Lied über Hoyerswerda verfasst. Das beginnt zunächst geografisch, und zwar mit der Zahl 118. Denn genauso viele Meter liegt die Stadt über dem Meer. Der Song steigert sich zu einer Art Liebeserklärung an Hoyerswerda. Die verstehen auch die Uhyster, wie Johanna Gruner anmerkt. Schließlich dürfte es in ihrem Ort kaum jemanden geben, der nichts mit der Stadt zu tun habe, sei es nun Schule, Arbeit oder Zahnarzt.

Natürlich hat Konstanze Niemz auch ihre legendären Froschgedichte nach Uhyst mitgebracht. Jeder der Verse beginnt mit den Worten "Ein Frosch". Dann werden unterschiedliche Episoden erzählt, deren Themenvielfalt schier unendlich scheint. Das Repertoire reicht vom Wetter über Asyl bis zur Erotik. Ursprünglich hätten diese Gedichte gar nichts mit den namensgebenden Amphibien zu tun gehabt. Dafür umso mehr mit dem sogenannten "Froschgoscherl", der selbst kreierten Dirndl-Kollektion einer in Bayern lebenden Freundin.

Allerdings passen die echten Frösche doch erstaunlich gut zum kurzweiligen Programm der Konstanze Niemz. Gelten doch die quakenden Gesellen als Markenzeichen der Teichlausitz, in der sich sowohl Hoyerswerda als auch Uhyst befinden. Im Übrigen enthalten die Verse der Künstlerin, die als Berufsschullehrerin tätig ist, stets einen Schuss Humor. So berichtet die 48-Jährige von einem Frosch, der in ein Glas mit Eierpunsch gekrochen sei, weil diese Substanz sein Frostschutzmittel sei. Oder sie erklärt, warum Frösche in Winterstarre fallen.

Einen echten Hit landete Konstanze Niemz mit ihrem Lied "Räuber, Indianer, Piraten". Zuvor sei im Zuge einer Bewerbung um die Aufgabe gegangen, aus der Melodie zum Rudi-Carrell-Song "Wann wird endlich wieder richtig Sommer" aus dem Jahr 1974 einen silbengleichen Text zu verfassen. Der wurde dann so gut, dass sich der Texter des Ausgangsliedes bei der Hoyerswerdaerin gemeldet habe und die Kopie unbedingt haben wollte.

Der Uhyster Lesewinter geht indes am 5. Februar in seine nächste Runde. Wer dann im Rathaus gastiert, stehe noch nicht ganz fest. Eines sei aber schon sicher. "Nämlich dass es wieder ein unterhaltsamer Nachmittag werde, kündigt Johanna Gruner an.