"Im Lausitzer Leinöl steckt leider wenig Lausitzer Leinsaat", gibt Regine Jorga zu, die gemeinsam mit Hubert Solibieda die Geschäfte der Hoyerswerdaer Ölmühle führt. "Nur in den Monaten September bis Dezember verarbeiten wir Saat aus der Region." Ansonsten nutze der Leinöl-Hersteller Leinsaat aus Mecklenburg-Vorpommern, der Ukraine, Kasachstan oder aus Russland. Regine Jorga findet diesen Umstand schade. Gern würde sie Leinsamen aus der Region verarbeiten, jedoch werde in der Gegend nicht genügend Saat angebaut. Raps und Sonnenblumenöl für die Kraftstoffherstellung seien für die Erzeuger wichtiger geworden, so die Einschätzung der Geschäftsführerin.

Einer der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe, die in der Region überhaupt noch Lein anbauen und Zulieferer der Ölmühle sind, ist die Landbewirtschaftung Wesenitztal / Putzkauer Milch GmbH. Nach Angaben von Geschäftsführer Marco Birnstengel konkurriere der Leinanbau mit anderen Sommerfrüchten wie Mais und Gerste um die teurer gewordene Anbaufläche. Allerdings habe der Umsatz, welcher sich aus dem Ernteertrag und dem Preis errechnet, in den letzten acht Jahren nicht gerade für den Anbau von Lein gesprochen, erklärt Birnstengel. Das Ertragsniveau von Lein entspreche nicht mal zu einem Drittel dem von Mais oder Gerste. Die geringen und schwankenden Erträge für Leinsaat stehen aber nur am Anfang eines problematischen Kreislaufs.

Denn aus dem niedrigen Produktpreis resultiert ein geringer Anbau, der wiederum dazu führt, dass der Saatgutbedarf für Lein sinkt. Dadurch sei auch die Wirtschaftlichkeit für die Pflanzenzüchtung gering und somit gebe es auch fast keinen Zuchtfortschritt mehr, erzählt Marco Birnstengel. Folglich greifen Erzeuger häufiger auf Anbaualternativen zurück und der Anbau von Lein wird weniger. Belegt wird dies auch mit Zahlen des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen. Laut der aktuellen Bodennutzungshaupterhebung, ist die Anbaufläche von Lein im Jahr 2013 gegenüber 2012 um 31,3 Prozent zurückgegangen. "Der Leinanbau rechnet sich zurzeit nur gerade so, wenn wenig schiefgeht", erklärt Marco Birnstengel. Oberste Prämisse der Landwirte sei jedoch, die Wirtschaftlichkeit der Betriebe aufrechtzuerhalten.

Mit dem Ausland könne man nicht konkurrieren, weil dort viel günstiger produziert werden kann, so Birnstengel. In Ländern wie Kasachstan, Rumänien und der Slowakei sind die Pachten und Löhne sehr viel geringer als in Deutschland. Damit die Ölmühle in Hoyerswerda wieder mehr regionale Erzeugnisse verarbeiten kann, müsse sich laut Marco Birnstengel vor allem in der Marktbearbeitung einiges tun. Heißt: Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Leinöls für Nahrungs- und Arzneizwecke oder den Industrie- und Kunststoffbereich sollten mehr hervorgehoben werden. Im Vergleich zum Raps sind die Ölvermarktungswege des Leins im letzten Jahrzehnt nicht wesentlich vorangekommen. "Das schlägt sicher auch auf den Rohwarenpreis und somit auf die Anbauwürdigkeit durch", sagt der Fachmann.

Zum Thema:
Auch im Spreewald mangelt es an eigenem Leinen für das Spreewälder Leinöl. Aber es gibt Ansätze, etwas dagegen zu tun. Der Spreewaldverein will das aktuelle Leader-Projekt nutzen, um Spreewälder Leinöl als Marke aufladen und hat deshalb kürzlich "Spreewälder Leinöl" als Kollektivmarke beim Patentamt in München angemeldet. Das Projekt wird vom Land Brandenburg und der Europäischen Union gefördert. Die Markensatzung fordert aber eine Herstellung innerhalb der Spreewaldregion und die Rohstoffverwendung aus mehrheitlich regional erzeugter Leinsaat. Seit zwei Jahren versucht der Spreewaldverein in Zusammenarbeit mit Landwirten und Verarbeitern, den Bedarf an Leinsaat zu ermitteln und den Vertragsanbau kontinuierlich zu erweitern. Aktuell verdoppelte sich die Anbaufläche deshalb im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr auf 120 Hektar Lein. Besonders kritisch ist die Frühjahrstrockenheit für den Lein.