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| 01:00 Uhr

Warnsystem von Walter Seitz

Weißwasser.. Der Mensch lernte frühzeitig den Gebrauch des Feuers für sich zu nutzen, aber Herr über diese Naturerscheinung ist er bis heut nicht geworden. Feuersbrünste waren oft Ursache für das Vernichten menschlichen Schaffens, manchmal ganzer Generationen – auch in Weißwasser und Umgebung. Verheerende Auswirkungen hatte leichtfertiger Umgang mit Feuer in den größtenteils hölzernen Behausungen mittelalterlicher Städte. Von Lutz Stucka

Hier waren die Gebäude dicht an dicht gebaut, um zahlreichen Bewohnern Schutz hinter den Stadtmauern zu gewähren und auch den Wärmeverlust in der kalten Jahreszeit zu begrenzen. In den Dörfern bestand zusätzlich die Gefahr, den zahlreichen Waldbränden schutzlos ausgesetzt zu sein. Zwar waren die Menschen um einen sorgsamen Umgang mit dem Feuer bemüht, aber in den Zeiten der zahlreichen Kriege hatten sie gegen mutwillige Brandschatzungen der marodierenden Soldaten nichts entgegenzusetzen.
Das Dorf Weißwasser machte da keine Ausnahme. Allerdings blieb es durch seine versteckte Lage inmitten der Muskauer Heide, weitab von Handels- und Heerstraßen von kriegerischen Auseinandersetzungen weitgehendst verschont. Erst als der Dreißigjährige Krieg ganz Europa in ein Schlachtfeld verwandelte, wurde auch unser Ort in Mitleidenschaft gezogen.

Zeugnis von 1637
Die erste schriftliche Überlieferung über eine teilweise Zerstörung des Dorfes durch das Feuer ist auf das Jahr 1637 datiert. In diesem Jahr zogen kaiserliche Truppen durch die Standesherrschaft Muskau und veranstalteten die bis dahin größte Plünderung und Brandschatzung. Die Bewohner vieler Dörfer flüchteten mit ihrem Hab und Gut in den dichten Forst und glaubten sich in Sicherheit.
Daraufhin zündeten die Soldaten die Wälder an, um sich ihnen habhaft zu machen. Der bis dahin größte Waldbrand tobte sechs Wochen und äscherte auch einen Großteil des Dorfes Weißwasser ein. Im Ergebnis dieser Zerstörung waren die Wirtschaften des Dorfes auf über ein Drittel zusammengeschrumpft.
Zwanzig von ihnen waren völlig niedergebrannt und fünf weitere konnten nur noch teilweise bewirtschaftet werden. Aus dem Jahr 1675 wurde berichtet, brannte die neuerrichtete Schmiede ab. Einhundert Jahre später brach nordöstlich von Weißwasser ein umfangreicher Waldbrand aus, welcher vier Dörfer, darunter auch Weißwasser, stark beschädigte.
Waren die Folgen dieser Katastrophe kaum beseitigt, wurden am 22. März 1781 erneut fünf Wirtschaften im Dorf Opfer der Flammen. Durch Verwahrlosung, so wurde berichtet, brach an jenem Tag, beim Halbbauern Hans Janack Feuer aus.
Derartige Unglücke hatten meist für die betroffenen Familien nachhaltige Bedeutung. Die Gebäude waren überwiegend aus Holz gebaut, sodass nach einer Feuersbrunst, außer den Schornsteinen und den Feuerstätten, nichts mehr erhalten blieb. Ohne Hilfe konnte eine solche Familie nur sehr selten weiter bestehen.

Erstes Feuerlöschsystem
Man wusste natürlich um die Bedeutung einer solchen Not und auch, dass sie einen jeden treffen konnte. Neben dem sorgsamsten Umgang mit der feurigen Naturerscheinung mussten wirksame Maßnahmen getroffen werden, bereits ausgebrochenes Feuer schnell zu löschen oder einzudämmen.
Alle Dorfbewohner halfen mit, denn wie leicht konnte ein aus der Kontrolle geratenes Feuer zur Katastrophe für alle Dorfbewohner werden. Aus dem Dorfgraben oder aus dem Dorfteich wurde mit Eimern Wasser geschöpft und mittels einer Menschenkette zum Brandherd befördert. Mit Feuerhacken und -patsche rückte man den Flammen zu Leibe. Druckspritzen waren noch nicht vorhanden. Ein Löschen des Feuers war bei größeren Bränden meist nicht mehr möglich, da half nur das Eindämmen, dass sich die Flammen nicht weiter ausbreiten konnten. Das brennende Haus war dann verloren.
Damit schnell Wasser zur Verfügung stand befand sich im Zentrum des Ortes der Dorfteich und oft floss auch ein kleiner Bach durch die Ortslage. Eine der ersten Maßnahmen zur Feuerbekämpfung war die Anlage des Dorfteiches, zu dem auch jeder Zugang hatte. In Weißwasser war das der westliche Ausläufer des früheren weißen Jasorteiches, welcher sich noch vor einigen Jahren auf dem Betriebsgelände des früheren Farbglaswerkes an der Krumme Straße befand. Des weiteren gab es auch noch den Grün-Graben-Bach, welcher entlang der Dorfstraße, heut August-Bebel-Straße, hinab zum Dorfplatz floss, ihn überquerte und in den Dorfteich mündete.
Im Winter bestand die Notwendigkeit mehrere Schöpflöcher eisfrei zu halten und dem Nachtwächter oblag die Pflicht akribisch nach möglichen Brandherden Ausschau zu halten, um schnell alarmieren zu können. „Wer ein Feuer gewahr wird, soll ,Feuer' schreien. Der Nachtwächter hat zu blasen und auch die Glocke anzuschlagen. Die Dorfbewohner sollen mit allerlei Gefäßen herbei geeilt kommen, um damit Wasser schöpfen und tragen zu können . . .“ hieß es in der Feuerordnung des Dorfältesten. Händel anfangen ist bei Strafe verboten und in den Städten wurde Diebstahl bei einem Brand oft mit dem Tode bestraft. In einem Notfall war dann das ganze Dorf auf den Beinen. Um das Übergreifen eines Waldbrandes auf die Dorfgebäude zu verhindern, legten die Bauern einen Schutzgürtel, bestehend aus Feldern und besonders Wiesenflächen an.

Brände im Tiergarten
An die Süd- und Westgrenze des Ortes Weißwasser grenzt noch heut das große Waldmassiv des ehemaligen herrschaftlichen Tiergartens. Die hier ausbrechenden Brände richteten große Verwüstungen an und bedrohten oft auch die Nachbarorte.
Die Gefahr bei großen zusammenhängenden Waldmassiven einem Feuer nicht Herr werden zu können und tatenlos der meist vollständigen Vernichtung zusehen zu müssen, bewegte besonders die Forstleute der Standesherrschaft Muskau vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. In den Jahren 1890 bis 1900 entwickelte der Forstspezialist Walter Seitz, welcher seit 1892 als Verwalter der Oberförsterei Jagdschloss eingesetzt war, ein Waldbrandwarnsystem, was bisher einzigartig war und noch heut zur Waldbrandverhütung genutzt wird. Seitz legte ein System von drei bis fünf Meter breiten Schneisen im Jagdschlossforst an und testete es in der Praxis mit großem Erfolg. Die durch Waldschneisen erzeugten, etwas mehr als sechs Hektar großen Quadrate, wurden in Jagen eingeteilt in Karten verzeichnet und nummeriert. Beobachter auf Feuertürmen erkennen so noch heut aufsteigende Rauchsäulen schnell, peilen diese mit einer fe stinstallierten Kompassscheibe an und melden den abgelesenen Richtungswert an die Feuerwehr.
Hier werden mindestens zwei Werte auf die Karte übertragen und der Schnittpunkt beider Linien markiert den Brandherd. Der zielsicheren und raschen Brandbekämpfung durch die Feuerwehr steht nichts mehr im Wege. Auch verhindern die Waldschneisen das allzu große Ausbreiten des Brandherdes. Das von Oberförster Walter Seitz entwickelte Feuerwarnsystem ist einmalig in Deutschland und wird noch heut so verwendet . Ab April 1904 stand bereits ein weiteres Feuerwarnsystem im Muskauer Forst zur Verfügung. Bevor es die Telefonverbindung zur örtlichen Feuerwehr gab, verwendeten die Beobachter visuelle Signale. Auf der höchsten Erhebung inmitten des Tiergartens am Grünen Weg befindet sich noch heut ein Feuerwachturm. Von hier aus bestand eine Waldschneise zum herrschaftlichen Vorwerk, dem Dominium Weißwasser an der heutigen August-Bebel-Straße. Die Bewohner des Vorwerkes konnten so den Beobachter auf dem Feuerturm sehen.
Mit Hilfe einer hier angebrachten Tafel, worauf 18 umliegende Orte mit Zeichen versehen und die entsprechenden Ziffern des Richtungswerts Signalzeichen zugeordnet waren, konnten die nötigen Koordinaten schnell der Feuerwehr und den Arbeitern des Vorwerkes übermittelt werden. Letzteren waren die zahlreich bestehenden Flurbezeichnungen im Wald bekannt, auf Zuruf, wie zum Beispiel: „Zweihundert Meter hinter dem Schuppendickicht brennt es“ , eilten sie meist zu Fuß in die entsprechende Richtung und konnten mit der Brandbekämpfung beginnen oder die Feuerwehr unterstützen.
Als es diese noch nicht gab, ließen alle Bauern der umliegenden Ortschaften ihre Arbeit liegen und beteiligten sich an den Löscharbeiten, denn sehr schnell konnte sich ein harmloser Brand zur Katastrophe entwickeln.

Zeittafel Florianjünger im Zeitenwandel
850 v. u. Z. Aus diesem Jahr stammt die älteste Darstellung des Feuerlöschens. Assyrische Krieger löschen gegnerische Brandfackeln, die ihren Kampfwagen entzünden wollen, aus großen Löffeln.
24 v. u. Z. Der Polizeidirektor von Rom bildet aus Sklaven eine private Feuerwehrtruppe, die sehr wirkungsvoll arbeitet und sich damit die Gunst des Volkes erwirbt.
1276. Die bisher ältesten bekannt gewordenen Bestimmungen über die Hilfspflicht bei Feuersbrünsten befinden sich im Stadtbuch von Augsburg. Hiernach wird den Weinträgern und allen, im Wasser-Trägerberufe tätigen Einwohnern die vollständige Steuerfreiheit zu gesichert und auch gleichzeitig befohlen, bei aufkommenden Schadenfeuern mit ihren täglichen Gebrauchtgeräten, den Eimern, Zubern und Schöpfgefäßen, herbeizueilen, das Wasser zur Brandstelle zu tragen und damit Löschversuche anzustellen, ohne dafür eine Entlohnung anzusprechen.
1346. In der Zwickauer Stadtverordnung gibt der siebzehnte Abschnitt die „Feuernothordnung“ bekannt. Hierbei wird auch erstmals die Feuerbekämpfungsmethode, der Gebrauch des Feuerhakens zum Niederreißen von Gebäuden, wodurch ein Weiterlaufen des Feuers unterbunden werden sollte, angeordnet. Gleichzeitig wird demjenigen, dessen Haus dazu niedergerissen werden musste, dass das Schadenfeuer eingedämmt werden konnte, der Wiederaufbau in bescheidenem Maße von Amtswegen zugesichert.
1840/50. Die ersten freiwilligen Feuerwehren werden gebildet. Eine dieser ältesten Bürgerinitiativen war das 1841 in Meißen ins Leben gerufene „Freiwillige Lösch- und Rettungs-Corps“ .
März 1847. Erstmals wird die Bezeichnung „Feuerwehr“ nach einem schweren Brand des Jahres in Karlsruhe verwendet. Das Feuer brach im Hoftheater aus und entwickelte sich zu einem riesigen Brand. Die Bekämpfung des Brandes fand ungewöhnlich rasch und erfolgreich statt, dass man behaupten konnte, die Leute hätten sich förmlich gegen das Feuer gewehrt und es nicht nur eingedämmt bzw. die Nahrung entzogen.
1851. In Berlin wird die erste militärisch organisierte Berufsfeuerwehr Deutschlands geschaffen. Damit verbunden ist auch die erste öffentliche Verkehrsregelung, Bestandteil der Berliner Polizeiverordnung. Darin heißt es: „Fußgänger, Reiter und Fuhrwerke müssen dem Fuhrwerk der hiesigen Feuerwehr die Passage frei machen.“