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| 01:04 Uhr

„Wann geht es denn los . . .?“

Weißwasser.. Unter den RUNDSCHAU-Lesern wurden zwei Statisten gesucht, die am Sonnabend, als die Staatsoper Krakau „Nabucco“ in Weißwasser aufführte, mit auftreten sollten. Viele, viele bewarben sich. Fortuna entschied sich für Sigune Hilke aus Rietschen und Elisbeth Cante aus Weißwasser. Für sie erfüllte sich ein großer Traum. Von Gabi Nitsche

Um es vorweg zu nehmen: Bürgermeister Eberhardt Meier braucht auch künftig auf seine Kämmerin nicht zu verzichten. Sigune Hilke machte zwar ihre Sache auf der Opernbühne echt gut, aber es blieb bei der Statistenrolle. Auch Elisabeth Cante wird weiterhin bei Porst als Verkäuferin arbeiten und sich mit dem Gesang im Chor der Katholischen Kirche Weißwasser begnügen müssen. Aber Spaß beiseite. Beide Frauen waren mit Feuereifer dabei und ganz aufgeregt. Da kommt ein weltbekanntes Opernensemble und sie dürfen mit auf die Opernbühne!

Opernhaus-Kulisse Rathaus
Treffpunkt war um 17.30 Uhr. Doch wie sich zeigte, war das viel zu zeitig. Die Sänger stimmten sich - jeder für sich - ein, die Techniker hatten noch alle Hände voll zu tun. Zwei Stunden später wurde es ernst. Das Rathaus war kurzerhand zur Opernhaus-Kulisse umfunktioniert worden. Hier Utensilienkisten, da Schuhsäcke, und überall hängen Kostüme. Ein richtiger Fundus eben.
Die beiden Frauen dürfen sich überall umgucken und ernten freundliche Blicke. Mitten im Kreis der Chorsängerinnen probieren sie das erste Mal die Kostüme an. Ganz in Schwarz von Kopf bis Fuß eingehüllt, so wie alle anderen auch. Sopranistin Aleksandra Sotnicka und Garderobiere Maria Siowa sind behilflich. Bei ihnen sitzt jeder Handgriff. Dann geht es wieder raus aus den Sachen, unter denen es ja noch mal so heiß ist wie an diesem Sonnabend überhaupt schon. Die Zeit verstreicht. Ringsherum putzen sich die Sängerinnen an, schminken sich für ihren Aufritt in Verdis bekanntester Oper „Nabucco“ . „Irgendwann muss uns doch mal einer erklären, was wir machen sollen“ , sind die beiden Statistinnen aufgeregt. Verständlich.
15 Minuten bevor die ersten Töne der Oper erklingen, machen ihnen die polnischen Sängerinnen verständlich, in die Kostüme zu steigen. „Schminkt uns denn keiner?“ Sigune Hilkes Frage erledigt sich, als sie sieht, dass auch die Frauen aus dem Chor selbst Hand anlegen müssen. Doch alles klappt, pünktlich geht es raus aus dem Rathaus in Richtung Bühnentreppe.
Bei den Mitgliedern des Opernensembles ist kein bisschen Aufregung zu spüren. Auftritt wie dieser in Weißwasser ist halt für sie Berufsalltag. Anders unsere beiden Theater- und Opernliebhaber. Augenrollen, Hand aufs Herz, ach sind die beiden aufgeregt! Inzwischen haben ihnen die Sängerinnen auch gesagt, was sie zu tun haben - alles so machen wie sie, aber nicht singen . . . Genau um 20.38 Uhr dann der erste Gang auf die 20 mal 10 Meter große Bühne. „Hoffentlich tritt mir niemand auf das lange Kleid, dass ich stürze“ , wispert Elisabeth Cante noch, und da geht es auch schon los.
Die echten Sängerinnen meinen später, dass die „falschen“ nicht auffielen. Sie hätten ihre Sache phantastisch gemacht. Sigune und Elisabeth waren nach ihrem Auftritt total begeistert. „Das hat aber Spaß gemacht. Man muss nur höllisch aufpassen, was die anderen machen.“
Als die Aufführung nach der Pause weitergeht, sitzen die glücklichen Statisten im Publikum. Hier werden sie auch künftig ihren Platz haben nach ihrem ersten und vermutlich letzten Ausflug auf die Opernbühne.