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| 15:10 Uhr

Truppenübungsplatz
Wanderer erkunden Tränke und die Autobahn

Unter der Scheechbrücke am Bärteich soll es bis heute spuken, erzählen sich die Einheimischen.
Unter der Scheechbrücke am Bärteich soll es bis heute spuken, erzählen sich die Einheimischen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Klein Priebus. Rund 100 Besucher folgen der Bundeswehr auf den Übungsplatz Oberlausitz. Von Torsten Richter-Zippack

Die Schießbahn IV und das ehemalige Dorf Tränke sind die Ziele des Herbst-Wandertages der Bundeswehr auf ihrem Truppenübungsplatz Oberlausitz. Knapp 100 Menschen nehmen die Einladung an und begeben sich auf eine 8,5 Kilometer lange Tour in den Südosten des knapp 175 Quadratkilometer großen Übungsplatzes.

1700 Meter lang und 600 Meter breit ist die Schießbahn IV, eine von insgesamt zwölf zwischen Spree und Neiße. Nach Angaben des stellvertretenden Platzkommandanten Uwe Blumhofer dient die Anlage zur Infanterie-Ausbildung. Geschossen werden könne Tag und Nacht. Alle Ziele, die auf Gleisen bewegt werden, erfahren ihre Steuerung via Computer von einem der beiden Kontrolltürme auf dem nahe gelegenen Kasurenberg.

Einer, der die Schießbahn wie seine Westentasche kennt, ist Leander Ludwig, der auf dem Platz als Feuerwerker tätig ist. Der Görlitzer und sein Team sorgen unter anderem dafür, dass Stellen mit Blindgängern entsprechend markiert und beräumt werden, kurzum die Bahn wird sauber gehalten. Im zu Ende gehenden Hitzesommer 2018 musste manchmal der Übungsbetrieb verkürzt werden. Immer mal wieder brannte es auf der riesigen Freifläche. Doch die platzeigene Feuerwehr hatte die Flammen schnell unter Kontrolle. Bislang habe es in den angrenzenden Waldbeständen so gut wie keine Brandschäden gegeben. Bricht ein Feuer aus, werde der Übungsbetrieb unterbrochen. Die Kameraden der Feuerwehr rücken aus. Ist alles gelöscht, gehe das Training in der Regel weiter.

Momentan trainieren Soldaten aus Singapur auf der Schießbahn. Mit den Südostasiaten gibt es bereits seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Die Singapurer können in ihrem eigenen Land nicht üben, da dieses fürs Militär viel zu klein und sehr dicht bebaut ist. Ohnehin erfreut sich laut Leander Ludwig der Truppenübungsplatz Oberlausitz aktuell einer großen Beliebtheit, ganz gleich ob bei Militär, Polizei oder Zoll. „Wir haben eine höhere Nachfrage als wir Kapazitäten anbieten können“, erklärt der Berufssoldat. Insbesondere die moderne Infrastruktur auf dem Platz sorge für viele Nachfragen. Darüber hinaus stehen sowohl in Haide als auch in Werdeck jeweils 750 Unterkünfte für die Truppen bereit.

Lange Gesichter gibt es hingegen in diesem Jahr bei dem Imkern. „Sonst befinden sich zur Heideblüte zwischen 400 und 500 Bienenvölker auf dem Übungsplatz“, berichtet Bundesförster Rüdiger Preißner. Allerdings blühe das Heidekraut derzeit aufgrund der langen Trockenheit so gut wie gar nicht. Preißner bewirtschaftet bereits seit 32 Jahren das Bundesforstrevier Daubitz, in dem zu fast 90 Prozent die Kiefer dominiert. Der Weißkeißeler stammt aus einer Förster- und Holzfällerfamilie, die ihre Wurzeln im Heidedörfchen Tränke hat. Dort steht auf einer Tafel der Name Paul Preißner. „Das ist mein Urgroßvater“, sagt Rüdiger Preißner. Dieser besaß eine kleine Landwirtschaft. Im Winter verdingte er sich als Haumeister in den angrenzenden Wäldern. Vom einstigen Anwesen sollen noch die Kellerräume existieren.

Östlich von Tränke verweist Rüdiger Preißner auf einen kleinen, auf den ersten Blick eher unscheinbaren Erdwall. „Hier sollte während der 1930er-Jahre eine Autobahn gebaut werden“, berichtet der Forstmann. Ein Kilometer der Fernstraße zwischen Stettin und Prag war bereits von den Arbeitern, die in Tränke in Baracken lebten, vorbereitet. Letztendlich verhinderte aber der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges einen Weiterbau.

Ganz in der Nähe erstreckt sich der geschätzt sechs bis acht Hektar große Bärteich. „Das ist unser Kleinod in der ansonsten sehr trockenen Landschaft“, erklärt Preißner die Bedeutung des Gewässers. Am Auslauf befindet sich die sogenannte Scheechbrücke. Dort soll, so berichtet es die Sage, ein Schäfer von einem Geist, dem Nachtjäger, umgebracht worden sein.

Im kommenden Jahr, kündigt Uwe Blumhofer an, werde es wieder ein Tränke-Fest geben. Ansonsten sei das unbefugte Betreten des Truppenübungsplatzes verboten. Zuwiderhandlungen würden mit dreistelligen Summen geahndet. Das gelte auch und insbesondere für Pilzsucher.

„Die Gefahr ist allgegenwärtig“, warnt der stellvertretende Kommandant. So rechne kein Panzerfahrer damit, dass auf seiner Piste plötzlich Fußgänger auftauchen.