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Wanderer erkunden Berge und Kunsthöhen

Landschaftsführer Rolf Seilberger erklärt die Besonderheiten des Keulaer Tiergartens. Im Hintergrund ist die Deponie der Keulahütte zu sehen.
Landschaftsführer Rolf Seilberger erklärt die Besonderheiten des Keulaer Tiergartens. Im Hintergrund ist die Deponie der Keulahütte zu sehen. FOTO: amz1
Krauschwitz. Drei Jagdparke werden dem Fürsten von Pückler zugeschrieben. Neben dem Trebendorfer beziehungsweise Weißwasseraner Tiergarten und der Wussina (heute in Polen) zählt auch der Keulaer Tiergarten zu diesem Trio.

Anlässlich des Tages des Geotops haben sich mehrere Wanderer in das wald-, wasser- und reliefreiche Gebiet südwestlich von Krauschwitz begeben. Eingeladen hatte der Arbeitskreis "Eiszeitdorf Krauschwitz".

Ob indes Fürst Hermann von Pückler tatsächlich im Keulaer Tiergarten, der zu seiner Muskauer Standesherrschaft gehörte, auf Jagd war, lasse sich heute nicht mehr zweifelsohne belegen, erklärt Landschaftsführer Rolf Seilberger vom Arbeitskreis. Ohnehin gebe es über dieses Gebiet relativ wenig Material.

Sicher sei allerdings, dass die Muskauer Standesherren von Arnim Ende des 19. Jahrhunderts ein Jagdhaus errichten ließen. Das befand sich unweit des heutigen Waldhauses am Braunsteil, bereits auf Weißwasseraner Fluren. Der Krauschwitzer Teil präsentiere sich dagegen eher industriell geprägt. Kein Wunder, befindet sich doch die Keulahütte in unmittelbarer Nähe. Und mittendrin erstreckt sich die langgezogene ehemalige Carolinengrube, in der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Kohle gefördert worden war.

Genau dieses Gebiet ist auch das Ziel der "Tag-des Geotops"-Wanderer. Zunächst führt der Weg durch das waldreiche Tal, in dem sich die Lausitzer Tieflandsfichten, eine botanische Rarität, sichtbar wohlfühlen. Hinzu gesellen sich teils uralte Birken, mächtige Kiefern sowie diverse Laubbäume. Selbst die anspruchsvolleren Buchen fehlen nicht. Fast wie im Märchenwald also.

Nach rund einem Kilometer wandelt sich das Bild: Eine Erhebung steigt wie aus dem Nichts aus dem Wald. Das Grünland sei von Menschenhand geschaffen, sagt Rolf Seilberger. Konkreter gesagt, handele es sich um die einstige Deponie der Keulahütte. "Dort wurden Schlacke-Abfälle aus mehreren Jahrhunderten verbracht", so der Experte. Nach der politischen Wende kamen noch die Überreste nicht mehr benötigter Gebäude hinzu. Längst sei die Deponie begrünt und bilde eine kleine Landmarke. Dank der Tonabdichtungen könnten keine Schadstoffe nach außen gelangen.

Nur einen Steinwurf entfernt, verläuft parallel eine zweite Anhöhe. Diese ist allerdings natürlichen Ursprungs. "Es handelt sich um eine durch die Eiszeit entstandene Endmoräne", erklärt Seilberger. Die Naturfreunde sind begeistert. Nicht nur wegen der für Lausitzer Verhältnisse spektakulären Landschaft, sondern vor allem wegen der vielen Semmel- und Butterpilze, die im dichten Beerstrauch-Kiefernwald wachsen. Mal geht es steil bergauf, dann wieder rasant hinab. "Fast wie im Mittelgebirge", sagt einer der Naturfreunde. Nur mit dem Unterschied, dass die Höhen nur an wenigen Stellen die 160-Meter-über-dem-Meer-Marke übersteigen.

Doch auch das Wasser fehlt in der Landschaft nicht. Ein künstlicher Damm trennt die Deponie vom Restloch der "Caroline". Das Wasser präsentiert sich rostbraun. "Wegen des gelösten Eisens", sagt Rolf Seilberger. Entlang des Braunsteichgrabens, der ab Krauschwitz Legnitzka heißt, geht es wieder zurück zum Ausgangsort. Kurzum: Der Keulauer Tiergarten ist ein Geheimtipp für Naturfreunde und Menschen, die einfach mal ihre Ruhe haben wollen. Nur selten ist dort ein Artgenosse zu treffen. Eher dagegen jagbares Wild. Zumindest präsentieren sich im feuchten Boden häufig die Fährten von Reh-, Rot- und Schwarzwild. Mehrere Ansitze der Grünröcke gibt es auch. Schließlich handelt es sich um den Keulaer Tiergarten.