| 02:46 Uhr

Wahltage sind Abrechnungen

Görlitz. Landrat Bernd Lange (CDU) fängt sein Statement zur Bundestagswahl mit einem Dankeschön an. Es sei dem Wähler und den vielen Wahlhelfern im gesamten Landkreis zu danken, dass die Wahl ordnungsgemäß durchgeführt werden konnte. Regina Weiß

Allerdings ist das Ergebnis enttäuschend, gibt er offen zu. Vor allem, dass die CDU im Kreis Görlitz (Wahlkreis 157) das Direktmandat verliert, habe man so nicht erwartet. "Aber das Wahlergebnis muss man akzeptieren. Der Wähler ist souverän", so Lange weiter. Und der habe am Wahltag abgerechnet und letztlich festgestellt, dass es viele Baustellen gerade im ländlichen Raum gibt. Immer wieder, so Lange, habe er auf diese Problematik hingewiesen. Er macht es konkret an einigen Beispielen fest. So braucht es neue Modelle, um den öffentlichen Personennahverkehr weiter attraktiv in der Fläche zu halten. Bei Städten und dünn besiedelten Kreisen könne man nicht den gleichen Maßstab anlegen. Beim Breitband-Ausbau sei der Landkreis dran. "Aber das langt noch lange nicht."

Ein weiteres Stichwort ist aus Sicht des Landrates die Sicherheit an der Grenze. Personal und Technik brauche es hier, um auch Täter fassen zu können. Gleich danach komme die Justiz, die in diesem Zusammenhang gefordert ist. Nicht zu vergessen die Bildungspolitik. "Das ist ein ganz wichtiger Punkt hier in Sachsen. Bei dem Thema muss endlich der Finanzminister Farbe bekennen", sagt Lange. Er sieht das Wahlergebnis im Bund als Signal für Sachsen. Deshalb sei es auch gut, wenn die Partei im Oktober in Klausur gehe.

Das Thema Braunkohle, das gerade den Norden des Kreises bewegt, werde nach der Wahl nicht einfacher. "Ich hoffe, dass die Leag ihre Pläne, wie sie sie angekündigt hat, auch umsetzen kann. Zum einen, um für Sicherheit bei den Einwohnern und ihre Lebensbedingungen zu sorgen, zum anderen, was den Strukturwandel betrifft", sagt Lange. Er macht klar: "Nicht, dass wir in den politischen Ränkespielen in Berlin das Nachsehen haben."

Bei der gesamten Diskussion über das Ergebnis will Lange aber auf eins hinweisen: "Mit Unterstützung des Bundes haben die Menschen in der Region hier vieles geschaffen. Wir sind gut beraten, das auch einmal positiv zur Kenntnis zu nehmen." An dieser Entwicklung habe Michael Kretschmer als CDU-Bundestagsabgeordneter mit seiner Arbeit in Berlin nicht unwesentlichen Anteil.

"Ich habe schon lange keine Nacht mehr so schlecht geschlafen, wie in dieser", sagt Bad Muskaus Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) am Morgen nach der Wahl. Er sei regelrecht geschockt vom Ergebnis, gibt er zu. Vor allem, dass Michael Kretschmer das Direktmandat verliert, sei schon eine große Schlappe, habe er doch in Berlin Türen geöffnet und mit seiner Arbeit Projekte in der Region unterstützt.

Wie folgt wurde am Sonntag in Bad Muskau abgestimmt: Wahllokal (WL) Grundschule - 181 CDU, 68 Linke, 110 SPD, 177 AfD; WL Schützenhaus - 85 CDU, 34 Linke, 42 SPD, 110 AfD; WL Lindenhof - 162 CDU, 55 Linke, 114 SPD, 195 AfD; WL Köbeln - 63 CDU, 32 Linke, 47 SPD, 70 AfD; Briefwahl - 356 CDU, 117 Linke, 174 SPD und 322 AfD. Wer sich wundern sollte, dass Bad Muskau mit 96,8 Prozent fast eine DDR-Wahlbeteiligung hat, der muss wissen, dass die Mitarbeiter in der Parkstadt auch die Briefwahlergebnisse von Schleife, Groß Düben und Trebendorf ausgezählt haben.

Im Vergleich mit 2013 hat die Alternative für Deutschland bei den Zweitstimmen kreisweit 24,7 Prozent zugelegt. Über einen Zuwachs (4,2 Prozent) können sich die FDP und die Tierschutzpartei (1,5 Prozent) freuen. Für die großen Parteien gab es Minusergebnisse. Das fiel mit 17,4 Prozent bei der CDU am größten aus.

Zum Thema:
Waldemar Locke (CDU), der künftige Bürgermeister von Trebendorf, möchte sich bei allen Wählern bedanken, die ihm das Vertrauen ausgesprochen haben. Er habe etwas Zeit gebraucht, um das gute Ergebnis für sich zu realisieren, erklärt er der Heimatzeitung. Schließlich war er zum zweiten Mal als Bürgermeisterkandidat angetreten. 2010 musste er sich mit 128 Stimmen Kerstin Antonius (damals 470 Stimmen) geschlagen geben. Am Sonntag entfielen 316 Stimmen auf den Mühlroser und 281 auf die Trebendorferin Ariane Kraink. Damit trennen beide gerade mal 35 Stimmen.