Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ließ die Räte deshalb nachsitzen. Derweil die SPD-und CDU-Fraktion absagten und die Entscheidung beim neuen Rat sehen, überraschten die Linken mit einem Änderungsantrag. Dienstag um 23.35 Uhr per E-Mail an Rat und Vewaltung geschickt, stellte Gudrun Steins Fraktion alles Dagewesene auf den Kopf, so Pötzsch. Neben dem Hauptausschuss sahen diese nun nicht mehr den Kultur-, Sport- und Sozialausschuss (KSSA) als zweiten beschließenden Ausschuss, sondern einen Bau- und Wirtschaftsausschuss wie bisher. Die KSSA-Bereiche sollen im Hauptausschuss aufgehen.

Als die E-Mail Mittwoch früh im Rathaus entdeckt wurde, löste sie erst heftige Diskussionen aus. Dann keimte die Hoffnung, damit das Regelwerk mehrheitsfähig zu machen. Stadt-Juristin Esther Liebal ließ alles andere stehen und liegen, der OB sagte sämtliche Termine ab. Um 15 Uhr lag dem Rat ein abstimmungsfähiges Papier vor. Schon in der Vorabstimmung zeigte sich, dass die Linken richtig lagen. Die Räte stimmten mit 16:2 dafür. Im nächsten Schritt stand die komplette Hauptsatzung zur Entscheidung. Mit 17-Ja- und einer Gegenstimme hatte das Regelwerk die notwendige Mehrheit im Stadtrat gefunden. Festgeschrieben in diesem zwei beschließende Ausschüsse - Haupt- und Sozialausschuss (HSA) sowie Bau- und Wirtschaftsausschuss (BWA). "Vielen Dank", so Pötzsch erleichtert. Andreas Taugs, der als einziger CDU-Stadtrat trotz Fraktions-Absage zur Sondersitzung kam, meinte: Er teile grundsätzlich den Standpunkt der Fraktion, "Wir hatten eine funktionierende Hauptsatzung und hätten damit starten können." Nach zehn Jahren als Stadtrat wollte er persönlich zeigen, dass er zu seinem Wort stehe. Das Fehlen der SPD- und der anderen CDU-Räte habe für ihn Kita-Krabbel-Gruppen-Niveau, sagte Andreas Friebel (Klartext). Gewählt, habe man als Rat Verantwortung, und die müsse man auch wahrnehmen.