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Vorort von Weißwasser und die Unesco-Titel

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (l.) bedankt sich bei Hausbesitzer Achim Bickel mit einem Geschenk. Der Zittauer hatte erlaubt, das neue Wandbild "Lebensfreude" an seinem Haus aufzuhängen.
Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (l.) bedankt sich bei Hausbesitzer Achim Bickel mit einem Geschenk. Der Zittauer hatte erlaubt, das neue Wandbild "Lebensfreude" an seinem Haus aufzuhängen. FOTO: ckx
Beim Treffen der ehemaligen Dorfjugend von Groß Düben skizzierte Mitorganisator Dieter Lysk auch kurz sein Heimatdorf für die, die vor Jahrzehnten von hier fortgingen. Groß Düben sei der Vorort von Weißwasser und habe sich positiv verändert. ni/ckx

"Es lässt sich hier leben." Mit Halbendorf bilde man eine Gemeinde. "Hier ist der Kreml, der Sitz des Bürgermeisters, was Vor- und Nachteile hat", meinte Lysk augenzwinkernd und erntete Lachen.

Viel Hoffnung hatte Trebendorfs Bürgermeisterin Kerstin Antonius, was die Beratung am Donnerstag mit Staatssekretären und den sächsischen Mitgliedern der Lausitzrunde angeht. Das sagte sie am Abend zuvor ihren Räten. Tief im Innern habe sie das Gefühl, Dresden habe letztlich die besondere Situation durch Gewerbsteuerrückzahlungen, -ausfällen, Reichensteuer und ausgebliebenen Landeszuweisungen noch immer nicht erkannt. "Erst wenn weißer Rauch aufsteigt, kommen wir raus", meinte sie.

Achim Bickel ist begeistert: "Das Bild sieht live noch besser aus als auf den Fotos", sagt er in dieser Woche. Der Zittauer ist Hausinhaber des Gebäudes an der Bahnhofsstraße in Weißwasser, an das im Zuge des EU-Projektes Biwaq (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) das neue Wandbild "Lebensfreude" aufgehängt wurde. "Herr Bickel hat gern seine Zustimmung dazu erteilt", sagt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Er bedankte sich bei Achim Bickel mit einem kleinen Präsent für dessen Zustimmung, das Bild noch auf unbestimmte Zeit an der Hauswand hängen zu lassen.

Bei einem Streitgespräch zwischen den Bürgermeistern von Schleife, Bad Muskau und Weißwasser mit Bundesfreiwilligen im Beruflichen Schulzentrum Schleife in dieser Woche hat Oberbürgermeister Torsten Pötzsch für die Region bei den Jugendlichen geworben: "Wir haben hier drei Unesco-Titel. Wo in der Welt gibt es denn so etwas", richtete er sich an die Heranwachsenden. Man müsse nicht in die Ferne auswandern, um Einzartiges zu sehen und zu erleben. Auch die Heimat biete Interessantes. Daraufhin stand einer der Jugendlichen auf und fragte seine Altersgenossen: "Bitte einmal die Hände hoch, wer sich für die Unesco-Titel interessiert." Weil alle Arme unten blieben fragte der Teenager die Politiker: "Sehen Sie? Ich denke wir brauchen eine funktionierende Hochschule und attraktive Jobs und keine Unesco-Titel."

Ebenfalls bei dem Streitgespräch im Berufsschulzentrum in Schleife wollte einer der Jugendlichen wissen, ob es ein Vorteil sei, dass der Weißwasseraner OB Torsten Pötzsch noch vergleichsweise jung im Verhältnis zu den Bürgermeistern Reinhard Bork (parteilos) aus Schleife und Andreas Bänder (CDU) aus Bad Muskau ist. "Kommen deshalb Jugendliche in Ihre Stadt", wollte der Jugendliche wissen. Torsten Pötzsch entgegnete, dass er vor allem über soziale Medien im Internet von Jugendlichen, aber auch älteren Bürgern angesprochen werde. "Das Internet raubt einem schon viel Zeit", gab er zu. Lehrer Thomas Kornek hakte bei Bänder und Bork nach: "Haben Sie einen Facebook-Account oder diese Sache mit dem blauen Vogel?" Verduzt schauten sich beide Bürgermeister an. "Nein, habe ich nicht", entgegnete Bänder. Auch Reinhard konnte nur mit dem Kopf schütteln. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.