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| 15:41 Uhr

LR vor Ort
Vorgeschmack auf Apfelkuchen und Bildband

Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) erklärt Reporterin Regina Weiß was auf dem Foto zu sehen ist - die Dorfstraße mit Speers Haus. Es ist ein Foto von hunderten, die in eine Fotochronik einfließen anlässlich des Jubiläums.
Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) erklärt Reporterin Regina Weiß was auf dem Foto zu sehen ist - die Dorfstraße mit Speers Haus. Es ist ein Foto von hunderten, die in eine Fotochronik einfließen anlässlich des Jubiläums. FOTO: Gabi Nitsche
Gablenz. Bei LR vor Ort am Donnerstagabend auf Bartelshof in Gablenz dreht sich alles um die 750-Jahr-Feier im Juni. Von Gabi Nitsche

Von Gabi Nitsche

Da laufen die Vorbereitungen auf die 750-Jahr-Feier in Gablenz auf Hochtouren, und da stellt sich heraus, dass es erste Ansiedlungen schon in der Bronzezeit gegeben haben soll. Und das an der Schwarzen Sau, jetzt Grüne Fichte. Das zumindest haben die Recherchen von Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) ergeben. Am Donnerstagabend bei LR vor Ort im grünen Haus auf Bartelshof versuchte der Gemeindechef, die Anwesenden zu überzeugen, dass Gablenz viel älter ist als Bad Muskau. Er könne sich sogar noch an Urnen – getöpferte Schalen – in der alten Schule erinnern, die dort früher ausgestellt waren. Im Scherz fragte Reporterin Regina Weiß, die moderierte, ob nun die große Fete Ende Juni abgesagt wird. „Nee, wir lassen es dabei“, so Noack grinsend. Er ist überzeugt davon, dass das Jubiläum ein „richtiger Knaller“ wird.

Es sei Wahnsinn, was alles auf die Beine gestellt wird. Obenan die Bilder-Chronik, die derzeit von einer Gruppe Unermüdlicher erarbeitet wird: Dirk und Norbert Thorausch sowie  Ingolf Tschätsch. „Je näher das Fest rückt, desto größer die Dynamik“, meinte Thorausch junior, derweil im Hintergrund auf einem Monitor ein Ausschnitt der historischen Bildersammlung zu sehen war. Hunderte Fotos wurden inzwischen gesichtet und digitalisiert für den Bildband, der so nicht heißen soll. Der Begriff wäre hochgestapelt. „Die Leute haben dann eine ganz andere Erwartung“, befürchtet Thorausch senior. Dann eben Bilder-Chronik. Teilweise war es sehr schwierig, an die Fotos zu kommen. Noch schwieriger herauszufinden, wer das auf dem Foto ist – Oma Lieschen oder Tante Trude? „Da merkt man, wie wichtig es ist, Geschichte rechtzeitig festzuhalten“, so die Lokalreporterin. Norbert Thorausch kann das nur bestätigen. „Es ist wirklich wichtig, dass Dorfgeschichte nicht verloren geht.“ Die Idee für eine Chronik habe er schon kurz nach der Wende gehabt und vom damaligen Bürgermeister Lothar Karger Unterstützung bekommen. Gablenz können sich glücklich schätzen, weil diese Chronik Realität wurde. „Da dachte ich, das müsste doch auch mit Bildern zu machen sein.“ Lachend gesteht der Senior: „Jetzt sind wir in der heißen Phase und dürften gar nicht hier sein.“ Bei den Älteren im Dorf habe er schon mal vorgefühlt, ob die so eine Foto-Sammlung kaufen würden. Die Zustimmung sei groß gewesen. Mal gucken, ob die Auflage von geplan 500 Stück ausreicht... Wie viel Seiten wird das Buch haben? Ingolf Tschätsch wiegt überlegend den Kopf und meint: „150, 160 bestimmt.“ Auch aus dem Ortsteil Kromlau gab es Zuarbeiten, zum Beispiel von Detlef Nickel und Klaus Hübner. „Das sind Fotos vom Park- und Blütenfest, von den Vereinen. Die ältesten zeigen Blau-Weiß, der ist ja auch der älteste Verein“, berichtet Thorausch junior.

Klar, dass an dem Abend beim Blick auf die Fotos manche Erinnerungen an alte Zeiten und Episoden wach wurden. Carmen Hemmerling fiel sofort ein, wie einige bei einem Festumzug im Asphalt auf der Dorfstraße stecken blieben, weil es so sehr heiß war. „War das zur 725- oder 730-Jahr-Feier?“ Norbert Thorausch geht von 1998 aus. „Da war die Schule 90 und die Feuerwehr 100.“

Bürgermeister Noack interessierte noch was ganz anderes: „Habt Ihr Fotos dabei, als die Russen 1968 durch Gablenz sind? Das hat gedröhnt und die Straße war anschließend im Eimer.“ Norbert Thorausch verneinte und meinte scherzend: „Der die Fotos machte, sitzt noch in Bautzen...“ Rudolf Krahl erinnert sich noch, dass damals um die 150 Kettenfahrzeuge durch sind. Aber Krahl, der sehr engagiert in der evangelischen Kirchgemeinde ist, hat noch eine gute Nachricht zu verkünden. Beim Aufräumen vor der Sanierung des Pfarrhauses hat er mehrere Behältnisse mit vielen schwarz-weiß Fotos gefunden. Aber die Zeit reicht nun nicht mehr, um sie zu digitalisieren für die Jubiläumssammlung. „Aber für den Ort sind sie sehr wichtig. Da sind Personen drauf, an die man sich so gar nicht erinnert.“ Wie interessant alte Fotos sind, erfahren die LR-vor-Ort-Gäste auch von Ingolf Tschätsch. „Man stößt schon auf kuriose Sachen. In den 1960er-Jahren soll der damalige Bürgermeister Kurt Krautz allen versprochen haben, die sich aktiv am Bau der Trauerhalle auf dem Waldfriedhof beteiligten, sie bekommen eine kostenlose Grabstelle.“ Ja, die alten Zeiten.

Wer dann in die fertige Bild-Chronik schaut, stößt auf die Gablenzer Ehrenbürger, den Olympiasieger Olaf Zinke, und auf die Enthusiasten, wenn es um den Kromlauer Park geht, Professor Siegfried Sommer und Rudolf Schröder. Ein Kapitel, kündigt Mit-Autor Ingolf Tschätsch an, ist mit dem Titel überschrieben „Gablenzer Gesichter“. „Da finden sich 32 Personen, die bekannt sind oder waren.“ Einer ist der gebürtige und 2017 verstorbene ehemalige Kreisbrandmeister Henry Kossack.

Aber zurück zu den neuen. Gablenz feiert das Jubiläum mit einer Festwoche. Das ist die 25. Kalenderwoche. Jeden Tag ist was anderes los, kündigt Dirk Thorausch an. Der Höhepunkt wird der 23. Juni, der Samstag. Festsitzung für gelandene Gäste und großer Festumzug mit mindestens 25 Bildern, die die Geschichte des Dorfes widerspiegeln, gehören zu dem Tag. Gestaltet werden sie von Vereinen, Firmen und einzelnen Personen. „Es gibt schon keine Zug-Geräte mehr im Dorf, die noch Wagen ziehen können“, weiß Dirk Thorausch. Auch die Freunde aus der polnischen Partnergemeinde Zary-Land kommen in großer Zahl, bringen sich ein. Das gemeinsame Projekt, ein Imagefilm, findet an dem Tag auch seinen Abschluss. Apropos Polen. Dietmar Noack ist immer wieder angetan, wie schön die Polen ihre Dörfer zum Beispiel beim Erntefest schmücken. „Ich wünsche mir, dass die Gablenzer ihre Grundstücke auch so schön schmücken zu unserer 750-Jahr-Feier. Die Polen machen das immer ganz toll.“

Der 23. Juni hat aber noch etwas ganz besonders Süßes zu bieten. „Da wird auch der beste Apfelkuchen prämiert.“ Das Apfeldorf Gablenz will’s wissen. Drei Kuchen sollen Preise erhalten. „Und was, wenn dann plötzlich 300 Kuchen verkostet werden müssen?“ Karena Schömburg sieht das Bild schon vor sich und muss lachen. Der Bürgermeister weiß Rat: „Spontan backen und mitmachen, das geht nicht. Wer sich am Wettbewerb beteiligen will, meldet sich in der Gemeinde vorher an. Es wird zahlenmäßig begrenzt. Es soll ja niemand umsonst backen.“ Noch vor dem Umzug wird von einer Jury verkostet, damit die Kuchen dann zur Kaffeezeit verkauft werden können. „Der Beste wird der Teuerste“, prophezeit schon mal Dietmar Noack. „Und der Erlös kommt einem guten Zweck zugute.“ Neben Pfarrerin Miriam Arndt erhielt auch Rundschau-Reporterin Regina Weiß die Einladung, mitzuverkosten.

Norbert Thorausch (l.) und Ingolf Tschätsch (Foto) sowie Dirk Thorausch stecken viel Kraft und Zeit in die Bild-Chronik zum Jubiläum.
Norbert Thorausch (l.) und Ingolf Tschätsch (Foto) sowie Dirk Thorausch stecken viel Kraft und Zeit in die Bild-Chronik zum Jubiläum. FOTO: Gabi Nitsche
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR
Dirk Thorausch berichtet, dass beim Festumzug 25 Wagen dabei sind.
Dirk Thorausch berichtet, dass beim Festumzug 25 Wagen dabei sind. FOTO: Gabi Nitsche
Bürgermeister Dietmar Noack (CDU), Bürgermeister von Gablenz.
Bürgermeister Dietmar Noack (CDU), Bürgermeister von Gablenz. FOTO: Gabi Nitsche
Karena Schömburg will sich am Apfelkuchen-Wettbewerb  beteiligen.
Karena Schömburg will sich am Apfelkuchen-Wettbewerb beteiligen. FOTO: Gabi Nitsche
Rudolf Krahl hat im Pfarrhaus viele Fotos gefunden.
Rudolf Krahl hat im Pfarrhaus viele Fotos gefunden. FOTO: Gabi Nitsche