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Vorfreude auf die neue Intensivstation

Kyrill Hantschick leitet als Chefarzt die Intensivtherapiestation im Krankenhaus Weißwasser.
Kyrill Hantschick leitet als Chefarzt die Intensivtherapiestation im Krankenhaus Weißwasser. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. 1,8 Millionen-Euro-Investition soll im September fertig sein. Kyrill Hantschick ist seit 2014 Chefarzt in diesem Bereich. Gabi Nitsche

Im Krankenhaus Weißwasser wird wieder einmal gebaut. Auf der dritten Ebene entsteht eine neue Intensivtherapiestation (ITS). Kostenumfang um die 1,8 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro. Den "Scheck" dafür stellte die Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) im vergangenen Juli vor Ort aus.

Chefarzt Kyrill Hantschick freut sich auf die neue ITS, die Ende September in den Dienst gestellt werden soll. Sie wird acht Betten haben und ausgestattet sein mit hochwertiger moderner Technik für die intensivmedizinische Betreuung. "Ein Teil der jetzt vorhandenen Geräte wird übernommen, ein anderer Teil durch moderne ersetzt", so der Facharzt für Anästhesiologie, Intensivtherapie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Zurzeit erfolgen die Rohbauarbeiten, zu sehen sind nur leere Räume und Wände sowie Kabel.

Auf der jetzigen Intensivstation, die mit Gründung des Krankenhauses in den 1970er-Jahren eingerichtet wurde und als eine der Modernsten damals galt, verfügt die Klinik ebenfalls über acht Betten. Doch diese stehen recht eng beieinander. Dazu noch Geräte für Beatmung, Dialyse, Überwachungsmonitore, nennt der Chefarzt Beispiele. Auf der neuen Station ist mehr Platz vorgesehen. "Die Bedingungen sind dann auch für die Pflegenden besser", schätzt er ein. Bei einer kurzen Visite in einem der jetzigen ITS-Krankenzimmer wird die räumliche Situation deutlich und die Vorfreude von Ärzten und Schwestern nur allzu verständlich.

Mit Kyrill Hantschick sind es fünf Ärzte und 17 Schwestern, die sich den Patienten auf der Station widmen. "Auf die ITS kommen Menschen mit schweren internistischen Erkrankungen an Herz, Lunge, Leber, Niere, Darm oder nach großen Operationen beziehungsweise Unfällen, aber auch nach neurologischen Erkrankungen, wie es Schlaganfälle sind", erklärt Kyrill Hantschick. "In der Intensivmedizin gibt es Zeiten mit sehr vielen Patienten, aber auch mal ruhigere." Das Hauptalter liege bei 60 plus, so der 39-jährige Chefarzt. Das korrespondiere mit der Demografie in der Region.

Auf Intensivstationen wird interdisziplinär, also fachübergreifend, agiert. "Das bedeutet den engen Kontakt mit den Ärzte-Kollegen anderer Bereiche und tägliche gemeinsame Visiten", so Hantschick.

Kyrill Hantschick leitet die ITS seit Januar 2014. "Ich bin zufrieden, die Arbeit macht Spaß. Sie ist interessant - was die Krankheitsbilder angeht und was mir als Chefarzt abverlangt wird." Auch das Administrative gehöre dazu, sagt der Sachse, was man als Facharzt ja so nicht mitbekomme. Da sind viele Schriftsachen zu erledigen, Anfragen von Krankenkassen zu beantworten, Gutachten zu erstellen und so weiter, zählt er auf.

Mit seiner Frau und vier Kindern - sie sind zwischen zwölf und sechs, der Jüngste kommt dieses Jahr in die Schule - lebt er in Radibor. Dort stamme er auch her, sagt der Arzt. Dass er täglich zweimal die Strecke von etwa 45 Kilometern fahren muss, sieht er nüchtern. Denn: "Wenn ich in einer Stadt wie Dresden vom Norden zum Süden fahren müsste, würde das auch nicht schneller funktionieren." Hat Hantschick keinen Dienst in Weißwasser, übernimmt er auch Einsätze als Notarzt in Bautzen oder bei der ADAC-Luftrettung.

Medizin studiert hat Kyrill Hantschick in Leipzig, begann dort im Parkkrankenhaus und war schon einmal 2005/2006 in Weißwasser als Assistenzarzt. "Damals war unser jetziger Oberarzt Lehmann hier Chefarzt." Einen Teil der Facharztausbildung musste Hantschick aber in Dresden absolvieren, weil Weißwasser die Ermächtigung dafür nicht hatte. Als Facharzt für Anästhesie arbeitete er ab 2009 am Klinikum Bautzen, bildete sich zum Intensiv- und Palliativmediziner weiter. "Und als ich gerade ans Emmaus in Niesky 2013 gewechselt war, wurde die Chefarztstelle hier in Weißwasser ausgeschrieben." Diese unverhoffte Chance habe er ergriffen, nahm den Platz von Edwin Lehmann ein, der nach vielen Jahren als Chefarzt den Wunsch hatte, die Verantwortung abzugeben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Weißwasseraner begonnen, am Krankenhaus einen Palliativbereich aufzubauen. Die beiden Ärzte widmeten sich fortan gemeinsam dieser Aufgabe. "Seit 2015, und das sage ich mit Stolz, ist dieser Bereich offiziell anerkannt." Das heißt im Klartext: Aufnahme in den sächsischen Krankenhausplan und Anerkennung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen. In der Inneren Abteilung stehen in eigens dafür hergerichteten Räumen sechs Betten für die palliativ-medizinische Versorgung zur Verfügung.

Parallel zum ITS-Neubau hat sich das Krankenhaus Weißwasser entschieden, auch eine neue Palliativstation einzurichten, ebenfalls auf der Ebene 3. Circa 120 000 Euro werden dafür in die Hand genommen. Mit der Fertigstellung werde ebenfalls im September gerechnet. Der neue Bereich soll Wohncharakter erhalten. Patientenzimmer mit sechs Betten, Wohnbereich und Rückzugsmöglichkeiten für Angehörige und auch Mitarbeiter gehören dazu.

In der Palliativmedizin gehe es um schwerkranke Menschen ohne Chance auf Heilung, die nur noch eine eingeschränkte Lebenserwartung haben. "Sie haben meist einen sehr hohen Leidensdruck, empfinden unsägliche Schmerzen, viele quält Atemnot, sie können die Nahrung nicht mehr richtig aufnehmen. Die Probleme sind sehr vielschichtig." Kyrill Hantschick erklärt: "Wenn auch der Tumor eines Patienten unheilbar ist, wollen wir ihm aber den Leidensdruck nehmen. Wir wollen versuchen, dass er die verbleibende Zeit erträglicher erleben kann." Der Mediziner sieht darin eine sehr dankbare Aufgabe. Denn: "Sterben ist für diese Menschen oft eine Erleichterung. Aber der Weg dorthin qualvoll. Wir wollen das erleichtern." Es gehe um Nähe und besondere Zuwendung, darum, mehr Zeit mit dem Patienten zu verbringen. "Nicht nur die körperlichen Leiden im Blick zu haben, sondern auch Ängste und Sorgen", beschreibt der Chefarzt die anspruchsvolle Aufgabe, für die die Schwestern speziell ausgebildet sind. Und wer hilft den Pflegekräften, das alles mental zu verarbeiten? "Sehr gut sind da unsere Teambesprechungen, da sprechen wir über einzelne Fälle und über eigene Gefühle. Bei Bedarf kann man sich an die Seelsorgerin im Krankenhaus wenden."

Zum Thema:
Der Kontakt zu Familie und Freunden fördert die Heilung. Deshalb gibt es auf der Intensivstation keine festen Besuchszeiten. In Absprache mit den behandelnden Ärzten tragen die Besucher mit ihrer Anwesenheit so zur Genesung der Patienten bei. "Die Angehörigen machen sich ja Sorgen. Deswegen sind Arztauskünfte häufiger möglich als sonst üblich", sagt Chefarzt Kyrill Hantschick.