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| 13:26 Uhr

LR vor Ort
Vorboten einer (Gemeinde-)Ehe

Stefan Hofmann gilt als Dorf-Motor in Klein Priebus. Seine Brötchen verdient er sich als Tourismus-Unternehmer, betreibt den Neiße-Treff mit Pension.
Stefan Hofmann gilt als Dorf-Motor in Klein Priebus. Seine Brötchen verdient er sich als Tourismus-Unternehmer, betreibt den Neiße-Treff mit Pension. FOTO: Gabi Nitsche
Klein Priebus. Bad Muskau und Krauschwitz wollen fusionieren. Und die Bürger? Die Bürger wollen mitreden. Von Gabi Nitsche

Es ist nicht übertrieben: Eigentlich sind Bad Muskau und Krauschwitz arm wie die Kirchenmäuse, können sich keine großen Sprünge mehr leisten. Und das nicht, weil sie etwa zu dusslig waren oder sind, mit Geld umzugehen. Vieles ist „erblich“ bedingt. Sprich: große Investitionen vor Jahrzehnten, an denen beide Kommunen noch heute zu knabbern haben. Sparen, sparen, sparen heißt seit Jahren die Devise. Inzwischen gibt es kaum noch etwas, wo der Rotstift angesetzt werden kann. Schmale Verwaltungen, schmale Ausgabenbudgets und dennoch millionenschwere Löcher in den Haushalten. Was tun? Noch enger zusammenarbeiten oder gleich zusammengehen und damit höhere Einnahmen vom Land erhalten? In der Heirat sehen beide Verwaltungen einen möglichen Rettungsring. Und die Bürger?

Wenn tatsächlich aus Bad Muskau und Krauschwitz ein Ehepaar wird, dann hat die neue Kommune eine Ausdehnung von etwa 30 Kilometern. Schon im November, als LR vor Ort zu Gast war in Bad Muskau-Köbeln wurde das kritisch gesehen. Genau wie im Krauschwitzer Orsteil Klein Priebus, dem dann südlichsten Zipfel. Einwohner haben Angst, dass die „Kleinen“ auf der Strecke bleiben könnten. Warum? „Für uns ist das eine Reise ins Ungewisse, auf die wir nicht vorbereitet werden“, nennt es Steffen Hofmann beim Namen. Jan Hufenbach und Isolde Kahl sehen das nicht anders. „Bisher geschieht alles hinter verschlossenen Türen“, kritisiert Hofmann. Er ist jemand, der nicht nur daheim darauf wartet, Informationen zu bekommen, sondern macht sich oft auf den Weg zu den Ratssitzungen. Doch was dort zu dem Thema gesagt werde, sei sehr spärlich. Bei der Kommunikation liege einiges im Argen. Jan Hufenbach schüttelt mit dem Kopf und sagt: „Die Bundestagswahl ist nicht lange her. Ich erinnere an die Protestwähler. Die Leute fühlten sich abgehangen und nicht wahrgenommen von den Bundespolitikern. Hier ist das jetzt ähnlich.“ Spätestens am RUNDSCHAU-Stammtisch am 13. Juni sollen die Einwohner zu Wort kommen. Sie haben die Heimatzeitung gebeten, so eine Diskussion zu ermöglichen.

Hufenbach erinnert daran, was der Name Gemeinde bedeutet: gemeinsam, Gemeinschaft … Verwaltungsrechtlich ist das Vorgehen von Bad Muskau und Krauschwitz sauber, ist der Klein Priebuser überzeugt. Aber: „Der Bürger muss zwingend involviert werden. Und genau das passiert nicht. Und wenn du nicht gefragt wirst, machst du dir deinen eigenen Reim…“

Im Interview mit der RUNDSCHAU vertraten beide Bürgermeister, Andreas Bänder (Bad Muskau, CDU) und Rüdiger Mönch (Krauschwitz, Freie Wähler) den Standpunkt, die Hochzeit sollte zum 1. Januar 2019 sein. „Monate sind ins Land gezogen. Wir kennen keinen Vertragsentwurf, gar nichts“, nimmt Stefan Hofmann kein Blatt vor den Mund. Dass der Freistaat die neue große Kommune dann mit einigen Extra-Millionen ausstattet, glauben weder Hofmann noch Hufenbach. Und wegen ein paar mehr Schlüsselzuweisungen müsse man nicht fusionieren. Weder hier noch woanders. Sie mögen betriebswirtschaftlich gesehen vielleicht gut sein, aber nicht in Sachen Gemeinwohl. „Man muss Gemeinde neu denken und sich die Frage stellen, sind Verwaltungen noch zeitgemäß. Es funktioniert nicht, denke ich, Probleme von heute mit alten Zöpfen zu klären. “ Davon ist Jan Hufenbach überzeugt und hat viel dazu recherchiert, Material zusammengestellt. Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) habe es von ihm erhalten. Bisher ohne Reaktion darauf, bedauert Hufenbach. Wobei ihm und Hofmann wichtig ist, zu betonen, dass sie vieles an ihrem Bürgermeister schätzen. Es gäbe wohl kaum jemand anderes auf diesem Posten, der sich so sehr um die Vereine in den Orten bemüht wie dieser. „Uns geht es wirklich nicht um die Personen, sondern um die Sache. Wir fordern: Von der großen Politik muss was für die Kommunen gemacht werden, damit diese ihre Eigenständigkeit und Identität bewahren können.“ Die Klein Priebuser sind sich mit vielen in den Ortsteilen an der Neiße einig in der Befürchtung, noch mehr abgekoppelt zu werden. „Ja, wir haben ein super schönes Dorf, auf das wir sehr stolz sind, wo wir gern leben. Aber es ist so schön, weil die Leute vieles selbst machen, keinen Auftrag brauchen“, betont Isolde Kahl. Im vergangenen Jahr gab es von der Kreis-Jury im Wettbewerb um das schönste Dorf viel, viel Lob für das bürgerschaftliche Engagement, den Zusammenhalt der Vereine.

Aber: Über anderes, was dringend notwendig wäre, werde schon viel zu lange geredet. So müsste dringend etwas am Neißeradweg gemacht werden, nennt Hofmann ein Beispiel. Er weiß, dass der Gemeinde das Geld fehlt, um notwendige Flächen dafür zu erwerben. „Es sind oft die kleinen Dinge, die uns ärgern. Und das wird dann als letzter Zipfel einer riesigen Kommune sicherlich nicht besser.“ Seit einer halben Ewigkeit ist die Scheibe am Bekanntmachungskasten der Gemeinde in Klein Priebus fast blind. „Das müsste doch mal jemandem auffallen von der Gemeinde, der dort die Aushänge anbringt…“

Jan Hufenbach fragt sich, ob die beiden Bürgermeister sich Experten von außen an den Tisch holten, um sich hinsichtlich Gemeindefusion auszutauschen, Horizonte zu erweitern. Dieses Potenzial werde seiner Meinung nach nicht genutzt. Das sei schade. Dass in Bad Muskau vorgeschlagen wurde, eine Bürgerbefragung zur Gemeindefusion zu starten, gefällt den Klein Priebusern. Sie hoffen, dass der Stadtrat für den Antrag der CDU-Fraktion Ende Juni grünes Licht gibt. Bürgernähe wäre das ihrer Meinung nach.

„Egal was passiert – der Bürger steht zu seinem Dorf.“ Davon ist Stefan Hofmann überzeugt.

Klein Priebus liegt an der Neiße. Die Einwohner wissen, was Hochwasser bedeutet, haben es schon mehrmals erlebt.
Klein Priebus liegt an der Neiße. Die Einwohner wissen, was Hochwasser bedeutet, haben es schon mehrmals erlebt. FOTO: Gabi Nitsche
Jan Hufenbach von der Agentur Blendwerck in Klein Priebus – dort findet am 13. Juni LR vor Ort statt.
Jan Hufenbach von der Agentur Blendwerck in Klein Priebus – dort findet am 13. Juni LR vor Ort statt. FOTO: Gabi Nitsche
In Klein Priebus findet man auch solche blühenden Landschaften in Vorgärten.
In Klein Priebus findet man auch solche blühenden Landschaften in Vorgärten. FOTO: Gabi Nitsche
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR
Ortsschild
Ortsschild FOTO: LR / Gabi NItsche