Seit Jahren zieht sich der Streit um Verkehrslärm auf der B 115 in Rietschen nun schon hin. Bürger, darunter allen voran Marina Pettersson, ärgern besonders die Brummis, die durch den Ort rollen. Der Verkehr, erklärte die Rietschenerin schon 2014, werde immer dichter und komme auch immer schneller an ihrem Zuhause am Ortseingang vorbei. Zwar werde vor allem der Güterverkehr nicht weniger, wie Landkreis-Dezernent Werner Genau erklärte: "Die besseren Wirtschaftsbeziehungen nach Osteuropa lassen den Lkw-Verkehr ansteigen". Aber der Lärm könne durch eine Straßenerneuerung deutlich reduziert werden.

Bevor sich jedoch Besserung einstellt, wird gebaut. Und das schon ab dem 1. August, wie der Leiter des kreislichen Bauamtes Dieter Peschel im Rietschener Gemeinderat erläuterte. Dafür habe sich der Landkreis schon vor einem Jahr gegenüber dem Landesamt für Straßen und Verkehr (Lasuv) eingesetzt. Das Lasuv ist dem Görlitzer Amt übergeordnet und hat nun für den ersten Bauabschnitt vom Ortseingang bis zur Rothenburger Straße am Kino grünes Licht gegeben. Statt Flüsterasphalt, der erst ab einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde Wirkung zeige, werde eine lärmmindernde Splittmasse aufgetragen. Gleichzeitig soll neue Technik an den Gullis und den Randstreifen zur Geräuschreduzierung zum Einsatz kommen.

Bis 30. September sollen die Bauarbeiten am ersten Abschnitt abgeschlossen sein. Dabei, so Peschel, werde lediglich für drei Wochen eine Vollsperrung nötig sein, während sonst eine Ampel den Verkehr auf einer Straßenseite steuert. Die Umleitung wird dann über Daubitz und Quolsdorf erfolgen. "Auf der Strecke ist ebenfalls eine Sanierung vorgesehen, allerdings muss der Freistaat dafür noch Fördergelder freigeben", erläuterte Dieter Peschel. Frühestens im Oktober könnten dann die Arbeiten beginnen.

Insgesamt soll die Sanierung der Ortsdurchfahrt knapp eine Million Euro kosten. Der zweite Bauabschnitt vom Kino bis zur Tankstelle in Richtung Weißkeißel soll frühestens 2017 beginnen.

Sein Verständnis für die Lärmbeschwerden der Bevölkerung brachte Dezernent Genau beim Besuch in Rietschen zum Ausdruck. Er sagte aber auch: "Die Beschwerden über Lärmbelästigungen, die wir von Bürgern im gesamten Kreis erhalten, sind geradezu inflationär." Dabei werde der Ruf nach Geschwindigkeitsbegrenzung schnell ausgesprochen, auch wenn eine begründete Gefahrenlage gar nicht vorliege. Die müsse nämlich nachgewiesen werden. In Rietschen hatte deshalb der Kreis eine Langzeitmessung seit 2014 durchgeführt. Von 18 279 Ortsdurchfahrten waren 1500 zu schnell und nur 344 davon lagen im Bußgeldbereich. Ein Blitzer, so Werner Genau weiter, koste dem Kreis 150 000 Euro in beide Richtungen. Dabei würden im Ergebnis nur die wenigsten Autos, die zu schnell fahren, fotografiert. Das habe juristische und technische Ursachen. Eine Tempo 30-Zone führe dagegen zu langen Schlangen im Ort. "Wir sollten deshalb die Lage nach der Sanierung abwarten", so Genau.