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| 03:11 Uhr

Vor 70 Jahren kamen in Bautzen die Schlägertrupps

Bautzen. Am 7. März 1933 besetzten in vielen deutschen Städten SA-Leute die Gewerkschaftshäuser. Auch in Bautzen zogen die braunen Stoßtrupps vor dem Gebäude an der Nordstraße (heute Dr. Maria-Grollmus-Straße) auf – und mussten zunächst unverrichteter Dinge wieder abrücken. Uwe Menschner / Menschner/ume

Zu verdanken war der ungewöhnliche Verlauf der Ereignisse in erster Linie dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bautzen, Rolf Maaß, der sich den Abgesandten der neuen Machthaber couragiert entgegenstellte. Außerdem beschützte eine größere Menschenmenge das Haus stellte, sagte der Dresdener Historiker Swen Steinberg. Er hat die damaligen Geschehnisse umfassend aufgearbeitet. Erst am Folgetag, dem 8. März, gelang es der SA, das Bautzener Gewerkschaftshaus - diesmal fast widerstandslos - zu besetzen.

Den 80. Jahrestag dieser Geschehnisse nahm der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bautzen zum Anlass, um an die Besetzung zu erinnern, aber auch, um über die Verantwortung der Gewerkschaften im Kampf gegen rechtes Gedankengut in der heutigen Zeit zu diskutieren. "Damals wie heute glaubten die meisten Menschen nicht an die Gefahr eines politischen Umsturzes; und auch ich meine, dass wir weit davon entfernt sind", erklärte Sven Kaseler vom Augen auf e.V., einem Verein, der sich die Stärkung von Toleranz und Zivilcourage in der Region auf die Fahnen geschrieben hat.

"Doch gerade in Ostsachsen gibt es vielfältige rechtsgerichtete Aktivitäten, denen man entgegentreten muss. Die Gewerkschaften", so erkannte er an, "haben ihr Engagement in dieser Hinsicht in den letzten Jahren ge steigert."

"Die Gewerkschaften und die Stadt Bautzen können stolz auf Menschen wie Rolf Maaß und den damaligen Oberbürgermeister Hermann Niedner sein, die sich den Nationalsozialisten mutig und aufrichtig entgegen stellten", betonte der Vorsitzende des DGB Ostsachsen, Stephan Hennig. Er erinnerte an die aktive Mitarbeit der Gewerkschaften im Bautzener Trägerverbund, einem Zusammenschluss von freien Trägern der Jugendhilfe, die "die Sorge um den wachsenden Einfluss von rechtsextremistischem Gedankengut und Handlungsweisen in der Gesellschaft eint." Dass es auch im Arbeitsalltag Einflussmöglichkeiten gibt, machte Axel Drescher von der Jugendvertretung der IG Metall deutlich: "Ich weise unsere jungen Kollegen bei Notwendigkeit schon darauf hin, dass rechte Symbole und Sprüche nicht cool sind."

Swen Steinberg hat auch die weitere Geschichte des Bautzener Gewerkschaftshauses nach der Besetzung recherchiert: Zunächst hielt hier ein Konzentrationslager Einzug, später dann die "Nationale Arbeitsfront." 1945 wurde das Gebäude an den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) übertragen, am 1. Januar 1991 übernahm es der DGB.

2012 zeichnete es die Landeszentrale für politische Bildung als "politischen Ort" aus - in Würdigung der vielfältigen von den Gewerkschaften organisierten Bildungsangebote unter seinem Dach.