Der einzige Saal des Neißedorfes in Schneiders Gasthaus fiel 1945 den Flammen zum Opfer und wurde nie wieder aufgebaut. Mit dieser Baracke, im Volksmund auch als "Eichhörnchenschänke" genannt, zog in Sagar nun wieder das kulturelle Leben ein, gründete sich ein Chor, eine Laienspiel- und Tanzgruppe, und es gab sogar eine kleine Musikkapelle, die zum Tanz aufspielte. Auch der Landfilm bot wöchentlich ein kulturelles Angebot. Die Bedingungen in dem kleinen Saal und auch im Gastraum waren mehr als primitiv. Geheizt wurde mit den damals üblichen Sägespäneöfen, bei denen es oft zu kleinen Verpuffungen kam, glücklicherweise aber immer ohne gefährliche Folgen.
Erster Barackenschankwirt war Otto Robel. Am 12. Juli 1949 übernahm dann Günter Schlammer die Gastwirtschaft bis Anfang Oktober 1962. In den darauf folgenden Jahren nagte der Zahn der Zeit und besonders die Feuchtigkeit an der Baracke. Eine Untermauerung mit einem finanziellen Aufwand von etwa 30 000 Mark sollte dieses Objekt 1958 zur weiteren Nutzung wieder sicherer machen. Damit bot sich die Gelegenheit für die Sagarer, ihren lang ersehnten Wunsch für ein ganz neues Objekt, für ein richtiges Kulturhaus, zu verwirklichen. Der damalige Bürgermeister Fritz Dutschke war es dann, der sich dieser Sache nicht nur annahm, sondern mit Taten anfasste. Noch im selben Jahr wurden deshalb die vom Rat des Kreises zur Verfügung gestellten Investmittel für die geplante Untermauerung der Baracke zum Ankauf der ersten Baumaterialien verwendet und Bauschutt vom Abbruch der alten Kirchruine aus Bad Muskau für die Gründung dieses Bauvorhabens angefahren.
Zu dieser Zeit allerdings war man sich in Sagar noch lange nicht über den neuen Standort für den Bau eines solchen Kulturhauses einig. Da stritten sich die Unterdörfler mit den Oberdörflern schon heftig darüber, und es kam sogar zu einer Abstimmung. Favorisiert war dann ein Standort an der Friedensstraße. Der Streit ging dennoch weiter, und so entschied man sich letztlich im Gemeinrat, wir bauen am gleichen Standort der alten Baracke. Es sollte dann aber noch bis zum Oktober 1959 dauern, bis der offizielle Spatenstich und damit der Baubeginn für dieses Kulturhaus vollzogen werden konnte. Baufachleute aus der Keulahütte hatten ehrenamtlich die Erarbeitung der erforderlichen Bauunterlagen und Zeichnungen übernommen, und das brauchte ja auch seine Zeit. Diese wurde in Sagar dafür genutzt, die Initiativen unter den Einwohnern für dieses Vorhaben zu wecken. Die Mithilfe vieler im Rahmen des NAW (Nationales Aufbauwer k) war gefragt, da die wenigen dafür zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nicht ausgereicht hätten. Auch ein ehrenamtlicher Baustab gründete sich unter Vorsitz von Willi Wagner, dem noch Fritz Dutschke, Alfred Huschto und Arnold Polpitz zur Seite standen. Insgesamt 121,75 Festmeter Kiefern- und Eichenholz wurden von den örtlich ansässigen Bauern gespendet, das der Förster Kreisel aussuchte und von der Feuerwehr gefällt wurde. Die weitere Bearbeitung zu Bauholz erfolgte dann im zur Gemeinde gehörenden Sägewerk. Viele freiwillige Arbeitseinsätze waren dann noch notwendig, bis man endlich am 22. Juli 1960 diesem Bau die Richtkrone aufsetzen und zwei Jahre später, am 2. November 1962, seiner Bestimmung mit einer würdigen Einweihungsfeier übergeben konnte.
Seit Baubeginn wurden dazu 22 288 Aufbaustunden geleistet mit einer damals eingeschätzten Wertschaffung von 180 000 Mark. Fritz Dutschke leistete als bester Aufbauhelfer allein 1481 Stunden an diesem Bau. Die Leistungen der Sagarer Bürger spiegelteten sich aber darin wider, dass bei der Einweihungsfeier 13 mit der Aufbaunadel in Gold, 47 mit der silbernen und weitere 137 mit der bronzenen Aufbaunadel ausgezeichnet wurden. Weiterhin wurde die gesamte Gemeinde Sagar noch als Sieger im Nationalen Aufbauwerk des Kreises Weißwasser mit einer Urkunde und einer Geldprämie des Rates des Bezirkes Cottbus, und das zum zweiten Mal, geehrt.
Noch heute kann man deshalb in Sagar auf das damals aus eigener Kraft Geschaffene stolz sein. Ein schöner geräumiger Saal, eine geschmackvoll ausgestattete Gaststube mit Küchenbetrieb sowie ein Kulturraum bieten für viele ein schönes kulturelles Zuhause und für die heimischen Billardsportler im angrenzenden Jugendheim noch ein Domizil.
Seit der Einweihung wurde dieses Kulturhaus von neun Wirtsleuten bewirtschaftet. Nach längerer Schließung Anfang der 90er Jahren bemühen sich jetzt Annerose Mickan mit Ehemann Hans-Jürgen um den Zuspruch möglichst vieler Gäste. In einer Niederschrift des damaligen Schulleiters, Joachim Weißflog, zum Bau dieser Kultureinrichtung heißt es: "Dieses Kulturhaus entstand mit viel Schwierigkeiten, die aber mit noch größerem Elan und Optimismus überwunden wurden und so Geschichte über diese Zeit schreiben wird."