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Vor 370 Jahren begann in Köbeln die Papierherstellung / Teil 1

Papiermaschine 1 im Köbelner Werk auf einer Darstellung um 1932. Foto: privat
Papiermaschine 1 im Köbelner Werk auf einer Darstellung um 1932. Foto: privat FOTO: privat
Bad Muskau-Köbeln. Die Oberlausitzer Feinpapierfabrik in Bad Muskau-Köbeln kann in diesem Jahr auf ihre 370jährige Geschichte zurückblicken. Seit zehn Jahren ist der Betrieb stillgelegt. Die Frage, ob bzw. wann es nochmals zu einer Produktionsaufnahme kommen wird, kann nicht beantwortet werden. Möglicherweise hat die Papierherstellung in Köbeln ihr Ende gefunden. Von Ottfried Rießner

In der Oberlausitz haben Papiermühlen eine lange Tradition. So wird die erste 1443 in Bautzen urkundlich erwähnt. Weitere Papiermühlen entstehen 1510 in Zittau und 1533 in der Stadtgemeinde Görlitz.

Während des Dreißigjährigen Krieges werden alle Oberlausitzer Papiermühlen zerstört oder sind nicht mehr funktionsfähig – so auch die südlich von Muskau gelegene, deren Privileg Christoph von Biberstein 1551 erneuert hatte. Nach dem Ende der regionalen Kriegshandlungen läßt die Muskauer Standesherrschaft 1640 etwa vier Kilometer nördlich von Muskau am „Föhrenbach“ unweit des Ortes Köbeln am heutigen Standort der Oberlausitzer Feinpapierfabrik eine neue Papiermühle errichten.

Erster Pachtmüller der Papiermühle in Köbeln ist Christoph Erasmus. Um 1678 wird auf einem Riesumschlag des Muskauer „Schreibepapiers“ Hans Christoph Friedel genannt. Ihm folgen 1697 Samuel Friedel und nach ihm bis 1732 Zacharias Heintzel.

Mit Kaufvertrag vom 16. September 1731 erwirbt der Bautzener Papiermachermeister Gottfried Fischer (1709 – 1770) von Alexander von Callenberg (Callenberg III.) für 700 Taler und eine jährliche Erbpacht von 150 Talern die Köbelner Papiermühle, über die er seit dem 24. August 1732 voll verfügt. Damit beginnt in Köbeln für fast zwei Jahrhunderte eine Ära der Papiermacherei, die durch Fleiß und Können der Papiermacherfamilie Fischer geprägt ist.

Die Nachfolge von Gottfried Fischer tritt sein Sohn Johann Gotthelf Fischer (1742 - 1807) an. Ihm folgen die jeweiligen Söhne Johann Gottfried Fischer (1778 – 1846), Johann Gotthelf Fischer (1814 – 1852) und dessen Frau Minna geb. Büttner, Emil Fischer (1845 – 1901) sowie Franz Fischer (1878 – Todesjahr unbekannt). Alle sechs Generationen Fischer achten stets darauf, daß die Papierherstellung in ihrem Unternehmen nach neuesten Erkenntnissen erfolgt, erweitern und verbessern kontinuierlich den Fertigungsprozeß. So kommen beispielsweise vor 1750 der erste Holländer und 1807 eine 10- PS-Dampfmaschine von Albert & Martin Paris zum Einsatz. 1864 beginnt die erste Papiermaschine mit neuer Dampferzeugungsanlage zu produzieren. Schreib-, Druck- und Verpackungspapiere sind es, die man hauptsächlich in der Fischerschen Zeit herstellt und u.a. auch nach England und Japan exportiert. 1903 verkauft Franz Fischer die Köbelner Papierfabrik. Danach behalten wechselnde Besitzer die Produktionspalette der Fischerschen Papierfabrik bei. Bei einem Großfeuer 1911 brennt der Betrieb völlig nieder, wird aber 1913 wieder aufgebaut. Am 13. Oktober 1916 erfolgt die Auflösung der „Papierfabrik Köbeln-Muskau GmbH“ mit anschließender Liquidation.

Der Kaufmann Felix Glaser ist es, der 1921 einen Neuanfang wagt. Er überträgt dem Füllnerwerk in Warmbrunn/Schlesien den Auftrag zur Projektierung und zum Bau einer Neuanlage für Zigaretten- und Carbonrohseidenpapier. Am 14. September 1922 erfolgt die Feststellung des Gesellschaftsvertrages für die neue „Fein- und Zigarettenpapierfabrik AG Köbeln-Muskau OL“, genannt Kömag. Aktionäre sind Felix Glaser und die Standesherrschaft Muskau. Die Fachpresse beurteilt die neu errichtete und von Franz Aust und Hermann Fischer geleitete Fabrik als „gut durchdachtes Werk“. 1923 wird der Betrieb an das Streckennetz der „Waldeisenbahn Muskau“ (Schmalspurbahn mit 600 mm Spurweite) angeschlossen.

Die sich allgemein verschlechternde Wirtschaftslage führt am 27. März 1926 zur Konkursanmeldung der Kömag. Nach monatelangem Stillstand übernimmt Hermann Colombo am 15. Juli 1927 die Betriebsleitung. Am 14. März 1928 kommt es zur Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit mit gleichzeitiger Neufassung des Gesellschaftsvertrages durch die Hauptaktionäre, den Papierfabriken Julius Glatz in Neidenfels/Pfalz und Schoeller & Hoesch in Gernsbach/Baden. Produziert wird wie bisher Zigarettenpapier auf Basis selbst aufbereiteter Hadern. Mit Gründung der „neuen“ Kömag 1928 und der Gründung einer sogenannten „Unterstützungsgesellschaft e.V.“ am 1. Mai 1930 zur Abfederung finanzieller Härten bei in Bedrängnis geratenen Belegschaftsmitgliedern wächst in der Köbelner Feinpapierfabrik ein Unternehmensklima, das bei betrieblichen Entscheidungen die soziale Komponente nicht vergisst und im wesentlichen in den folgenden 65 Jahren beibehalten wird.

So entwickelt sich die Papierfabrik zunehmend zur Lebensader vieler Köbelner Einwohner sowie des Ortes Köbeln selbst und seines Umfeldes. wird fortgesetzt