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| 02:50 Uhr

Von lukrativen Jobs bis Volkshaus

Rico Jung vor seinem Wahlplakat.
Rico Jung vor seinem Wahlplakat. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Weißwassers Stadtkämmerer Rico Jung tritt als unabhängiger Oberbürgermeister-Kandidat in seiner Heimatstadt an. Der 51-Jährige stellt sich und fünf Kernziele vor. Gabi Nitsche

Stadtkämmerer Rico Jung (51) will Oberbürgermeister werden. Er bringe dafür und um seine Ziele umzusetzen, beste berufliche Voraussetzungen und menschliche Eigenschaften mit, sagt Jung von sich.

Er will als unabhängiger Kandidat in den Wahlkampf ziehen. "Mein Herz schlägt für Weißwasser", betont Jung gegenüber regionalen Pressevertretern. Er wisse um die Probleme und Herausforderungen. "Wir brauchen in Weißwasser gut bezahlte Jobs, ein Stadtzentrum, mehr Kultur, viel mehr Grün und Blumen, eine schönere Stadt und ein neues Miteinander", zählt er einige Schwerpunkte auf, die seinen Wahlkampf prägen sollen.

OB zu werden in seiner Geburts- und Heimatstadt, mit diesem Gedanken habe er sich schon längere Zeit auseinandergesetzt. "Ich bin mit allem hier bestens vertraut und habe mich darüber hinaus mit vielen Konzepten befasst und mit Bürgern darüber gesprochen, was sie als wichtig ansehen", berichtet Jung. Er hatte gestern in sein Wahlbüro in der Lausitzer Straße 1 die Presse eingeladen, um sich und seine Ziele vorzustellen.

Jung will keinen Aktionismus an den Tag legen, sondern mit einer klaren Strategie vorgehen, wenn es um die Verwirklichung seiner fünf Kernziele geht.

Stadtzentrum: Eine Innenstadt suche man in Weißwasser vergebens. Das sei ein altes Thema. Wer mit offenen Augen durch die Straßen gehe, bemerke bei den Einzelhändlern einen negativen Trend. Ob an der Bautzener Straße, an der Muskauer Straße oder an der Straße des Friedens - überall Leerstand. Jung will die Weichen umstellen, die Innenstadt wieder beleben. "Ich habe mir die Frage gestellt, wo ich den Hebel ansetze, um effektiv zu sein." Für den OB-Kandidaten Rico Jung ist das eine Einkaufspassage auf dem Gelände der ehemaligen Schnitterbrauerei. Damit würden Kundenströme erzeugt, die sich positiv auf andere Geschäfte auswirken, sagt er. "Ich bin überzeugt, dass wir damit eine Zentrumssituation erreichen und die Kaufkraft nicht mehr in andere Städte geht." Er werde diese alte Idee aufgreifen und neue Investoren gewinnen. Er sei der festen Überzeugung, dass von der Passage eine Initialzündung für weitere Ansiedlungen ausgehen würde.

Innenstadt-Kultur: In den zurückliegenden Jahren hat Weißwasser viel Geld in den Sport investiert. Jetzt sei die Kultur an der Reihe. "Ich werde das Volkshaus aus dem Dornröschenschlaf wecken", kündigt Jung an. Er erinnert an frühere Veranstaltungen, die das Volkshaus erlebte, wie Jugendweihen, Fasching, Theater. Er sehe auch die Verantwortung Weißwassers als Mittelzentrum für das Umland. "Wir können das schaffen. Es gibt viele Ideen." Jung will das Konzept dafür zusammen mit der Bürgerschaft entwickeln.

Wirtschaftsförderung: Der Einwohnerschwund der letzten Jahrzehnte - Weißwasser liegt laut Jung an dritter Stelle in den neuen Bundesländern - habe Weißwasser nicht gutgetan. Familienverbände wurden auseinandergerissen. Senioren sind auf Pflegeheime angewiesen, weil die jungen Leute weggezogen sind. Wirtschaftsförderung sei sehr wichtig, um das zu ändern. Er wolle die Lausitzrunde unterstützen, aber das reiche ihm nicht. Er wolle Investoren gezielt ansprechen und mit den Stärken der Region werben. Zum Beispiel bei Lieferketten für hiesige Firmen. Vielleicht gelingt es, dass sich von diesen jemand ansiedelt. Weißwasser brauche gut bezahlte Jobs. Wenn nur Mindestlohn gezahlt werde, komme niemand zurück. Die Stadt müsse dafür gute Rahmenbedingungen schaffen.

Mehr Grün: Rico Jung ist überzeugt, dass mehr Grün und farbige Blüten zum Wohlgefühl der Menschen beitragen. Deswegen sollen noch mehr Bäume und Blumen gepflanzt werden, Weißwasser ein freundliches, frisches Gesicht geben. Parks und Plätze möchte er neu gestalten. An erster Stelle steht der Bahnhofsplatz - "eine riesige zugepflasterte Fläche, gesäumt von Parkplätzen. Aber kein Platz zum Verweilen." Das soll sich nach Vorstellung des Kandidaten ändern, der Platz aufgewertet werden mit Bäumen, Hochbeeten, Sitzbänken und berankten Pergolen. Ihm schwebe ein Ambiente vor, wie er es in Erfurt gesehen hat.

Neues Miteinander: "Wenn wir Ziele erreichen wollen, ist ein neues Miteinander notwendig." Als unabhängiger Kandidat vertrete er die Interessen aller Vereine und Unternehmen. Er wolle Ideen mit den Bürgern weiterentwickeln, mit dem Stadtrat die richtigen Entscheidungen treffen und diese mit der Stadtverwaltung vorbereiten und umsetzen. Was die Zusammenarbeit mit dem Umland angeht, so wolle er erreichen, dass diese und Weißwasser fusionieren. "Dafür will ich Weißwasser als Braut hübsch machen."

Ob denn Weißwasser überhaupt finanziellen Spielraum habe, um das alles zu realisieren, wurde Jung gefragt: "Finanzen sind meine absolute Kernkompetenz." Er sei überzeugt, dass sich im Rahmen der Haushaltskonsolidierung noch einiges rausholen lasse.

Zum Thema:
Er ist 51 Jahre. Aus erster Ehe stammt Tochter Theresa (29). Seine Frau Kathrin Jung (SPD-Stadträtin) und er haben drei Kinder (Alexander neun, Helena sieben und Sebastian fast vier Jahre). Rico Jung spielte Eishockey bei Dynamo Weißwasser und errang mit den Kameraden zahlreiche DDR-Meistertitel im Nachwuchsbereich. Bei der PGH Elektro lernte er Elektroinstallateur, begann 1988 als Techniker im Eisstadion. An der ehemaligen Ingenieurschule studierte er fünf Jahre berufsbegleitend. 1993 übernahm die Stadt den Eissportkomplex, den er bis 2002 leitete. Aus dieser Zeit sind ihm viele Veranstaltungen mit zahlreichen Besuchern in Erinnerung wie Eisdiskos und Konzerte. Jung gab sich mit dem Abschluss als Ingenieur für Automatisierungstechnik nicht zufrieden, studierte noch einmal an der Hochschule Zittau/Görlitz und wurde Diplomwirtschaftsingenieur. 2002 wollte er sich beruflich verändern. Weißwasser suchte jemanden, der den Haushalt "geraderückt", so Jung. Die damalige OB Helma Orosz entschied sich für ihn. Weißwasser war hoch verschuldet, konnte die Kredite nicht abzahlen, kaum investieren. "Gemeinsam haben wir die richtigen Schritte eingeleitet", berichtet Jung. Er habe im Rathaus viel bewegen können. Die Schulden sanken von 23,5 Millionen Euro 2002 auf jetzt 9,2, obwohl Weißwasser in den Folgejahren umfangreich investierte: Turnhallen, Brachen, Eisarena usw. 2006 wurde er Kämmerer, 2012 Fachbediensteter für Finanzen und 2014 Referatsleiter für Finanzen.