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Von Kairo nach Bad Muskau

Nesma Ahmed ist von den Mitarbeitern der Stiftung in Bad Muskau gut aufgenommen worden. Mit Astrid Roscher, wissenschaftliche Mitarbeiterin und ihre Praktikumsbetreuerin, hat sie bei zwei Runden schon mal den Park erkundet.
Nesma Ahmed ist von den Mitarbeitern der Stiftung in Bad Muskau gut aufgenommen worden. Mit Astrid Roscher, wissenschaftliche Mitarbeiterin und ihre Praktikumsbetreuerin, hat sie bei zwei Runden schon mal den Park erkundet. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Nesma Ahmed aus Ägypten hospitiert für zehn Wochen dank eines Unesco-Programms bei der Stiftung Fürst-Pück ler-Park Bad Muskau. Regina Weiß

Der Unterschied könnte gewaltiger nicht sein. Im Großraum Kairo wohnen 28 Millionen Menschen. In Bad Muskau sind es rund 3600. "Es ist sehr ruhig hier", sagt Nesma Ahmed und lacht. Die junge Frau - sie wird am Sonntag 30 Jahre alt - gehört jetzt für rund zehn Wochen zur Bad Muskauer Einwohnerschaft. Von ihrer kleinen Wohnung kann sie zu Fuß oder per Rad ihre Arbeitsstelle erreichen. Diese liegt im Muskauer Park, bei der Parkstiftung.

Die junge Ägypterin ist die erste Hospitantin, die über das Unesco-Kurzzeitfreiwilligen-Programm "Gemeinsam freiwillig engagiert" nach Bad Muskau kommt. Den Anstoß dafür gaben Deutsche, die das Programm für einen Aufenthalt im Ausland genutzt haben. "Ich war beeindruckt, wie sich der Horizont für die Teilnehmer erweitert hat", schildert Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung, seine Erfahrungen, nachdem er mit den Teilnehmern ins Gespräch gekommen war. Der Grundstein war sozusagen gelegt, sich auch an dem Programm zu beteiligen. Danach wurden die Überlegungen konkreter: Kann man wirklich jemanden hierher locken? Was ist mit der Sprache? Wer soll sich kümmern? Schließlich wurde ein "Wunschzettel" formuliert. Dabei hatte die Stiftung vor allem afrikanische Länder im Fokus. Nämlich genau die, wo Fürst Pückler einst im Orient unterwegs war.

Und genau dieser Wunsch konnte mit Nesma Ahmed erfüllt werden. Sie ist eine von neun arabischen Frauen (sechs aus Ägypten und drei aus Tunesien), die Ende August nach Deutschland gekommen sind, um hier zu lernen, wie Welterbestätten gelenkt und geleitet werden. "Das interessiert mich sehr", erzählt sie. Und das übrigens in einem exzellenten Deutsch. Die Sprachkenntnisse hat sie ihrem Vater zu verdanken. Obwohl er nie in Deutschland war, zeigte er sich begeistert vom deutschen Bildungswesen. Nesma und ihre zwei jüngeren Schwestern haben deshalb auf der deutschen Schule in Kairo, die es seit fast 100 Jahren gibt, gelernt.

Außerdem hat Nesma Ahmed 2015 ein Semester an der Brandenburgisch Technischen Universität in Cottbus im Fach "Heritage Conservation and Site Management" (Kulturerbe-Bewahrung und -stättenmanagement) studiert, bei dem die Helwan Universität Kairo Partner ist. "Es ist interessant, dass Frau Ahmed den Umweg von Cottbus über Kairo nach Bad Muskau genommen hat", muss sogar Cord Panning schmunzeln.

Pückler und Branitz, das war Nesma Ahmed schon ein Begriff. Doch nach dem Ort Bad Muskau musste sie dann doch erst mal googeln.

Das Internet wird ihr auch bei ihrer Arbeit eine wichtige Hilfe sein. Denn sie soll für die Stiftung und vor allem für die Berliner Ethnologin Kerstin Volker-Saad arabische Quellen zu Pücklers Orientreise erschließen. Entsprechend lang ist der Wunschzettel der Wissenschaftlerin. Denn diese ist bei ihren Recherchen vor Ort immer wieder an den sprachlichen Hindernissen gescheitert, wie sie der jungen Ägypterin erzählt hat. Interessant wäre es nun zu erfahren, ob Pückler noch Spuren in Kairo oder Alexandria hinterlassen hat. In Archiven, Zeitungen oder Bauwerken. Angeblich soll das Haus noch stehen, in dem Pückler in Kairo gelebt hat.

Die erste Woche, die die Ägypterin in Bad Muskau verbracht hat, war schon voller Erlebnisse. So war sie auch Gast der Feierstunde, als an Machbubas Grab das äthiopische Kreuz enthüllt wurde. "Das hat mich sehr beeindruckt", sagt sie und meint die rege Anteilnahme aus der Bad Muskauer Bevölkerung an diesem Ereignis. Dass sie von derselben nun auf der Straße etwas genauer betrachtet wird, weil sie ein Kopftuch trägt, nimmt sie sehr gelassen. Das sei auch nicht anders als in ihrer Heimat. Da würden die Ausländer ebenfalls genauer angeschaut.

Apropos Heimat. Über Whatsapp und Handy hält sie ihre Familie ständig auf dem Laufenden, die regen Anteil an den Erlebnissen in Sachsen nimmt. Und es kann durchaus sein, dass ihre Mutter sie in Bad Muskau besuchen kommt. "Denn sie ist von der Geschichte Machbubas sehr begeistert."