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Von Gleichbehandlung ist keine Rede

Die Freien Schulen, hier Schüler und Lehrer aus Boxberg, haben mit ihrem Protest auf die Ungleichbehandlung ihrer Einrichtung in Sachsen noch einmal deutlich aufmerksam gemacht.
Die Freien Schulen, hier Schüler und Lehrer aus Boxberg, haben mit ihrem Protest auf die Ungleichbehandlung ihrer Einrichtung in Sachsen noch einmal deutlich aufmerksam gemacht. FOTO: Regina Weiß
Boxberg/Rietschen. Mit dem gestrigen Tag hätten die Freien Oberschulen Rietschen und Boxberg ihre Arbeit einstellen können. Denn da ist das Geld aufgebraucht gewesen, was ihnen der Freistaat zur Verfügung stellt. Doch das Schuljahr dauert noch bis Mitte Juli. Wegen der nicht gerechten Finanzausstattung haben die Schulen mobilgemacht. Regina Weiß

Seit Mittwochnachmittag steht ein weiterer Baum des Jahres auf dem Schulhof der Freien Oberschule Boxberg. Auf dem neu gestalteten Hof wächst nun ein Feldahorn. Auch diesmal pflanzten ihn die Schüler der zehnten Klasse. Der Tradition folgend übernehmen die Fünftklässler die Baumpatenschaft. Geht es nach Schulleiter Ralph Berthold und seinem Team, dann sollen noch viele Jahresbäume auf dem Schulhof folgen.

Doch für eine stabile Zukunft der Bildungseinrichtung braucht es aus ihrer Sicht eine ordentliche Finanzierung. Und genau das ist seit Jahren das Problem. "Wir hatten wirklich sehr große Hoffnungen in die Gesetzesänderung gesetzt", so Lutz Ackermann, der den Trägerverein der Schule berät. Doch diese Hoffnungen haben sich aus Sicht der Freien Schulen nicht erfüllt. "Die Änderungen sind nur marginal", erklärt Ralph Berthold. Künftig bezahlt der Freistaat nicht mehr 60 Prozent, sondern 68 Prozent der Kosten. "Wenn dieses Gesetz so durchgeht, dann wird die ländlich geprägte Region Sachsens für Jahrzehnte aufs Abstellgleis geschoben und die Ungerechtigkeit manifestiert", argumentiert Berthold. Denn schließlich sei es über den Weg der Freien Schulen gelungen, Bildung im Dorf zu behalten. Doch die Kommunen dürften bis jetzt nicht mal die Schulen vor Ort fördern. "Dafür müssen sie erstmal durchs Gesetz in die Lage versetzt werden", sagt Berthold mit Blick auf die geplante Gesetzesänderung.

Der Freistaat bekommt ins Stammbuch geschrieben, dass durch die Eigenfinanzierung der Schulen in den ersten drei bis vier Jahren ihrer Existenz der Freistaat Sachsen mehrere Millionen Euro eingespart habe. Dafür musste wie im Fall Boxberg der Trägerverein einen Kredit aufnehmen. Weiterhin tragen die Eltern der Kinder mit ihrem Schulgeld zur Finanzierung des Schulbetriebes bei. Rechnet man nur die Unterstützung des Landes, dann hätten am 15. April, dem gestrigen Mittwoch, die Freien Oberschulen den Lehrbetrieb einstellen müssen. Doch das Schuljahr geht bekanntlich in diesem Jahr noch bis zum 10. Juli. Schließlich werde beim Vermitteln von Lehrstoff bis hin zu den Prüfungen auch auf 100 Prozent Wert gelegt. Diese Ungleichbehandlung wolle man sich nicht gefallen lassen, so Berthold.

Zum Thema:
Die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen sowie die anderen Spitzenverbände der Schulen in freier Trägerschaft haben zu dem vorläufigen Regierungsentwurf Stellung genommen. Sie haben einheitlich eingeschätzt, dass sie diesen Entwurf als nicht verfassungskonform bewerten. Die Träger sollen 2015 statt der bisher vorgesehenen 255 Millionen nun 327 Millionen Euro erhalten. In den beiden Folgejahren steigen die zusätzlichen Mittel dann um 74 Millionen beziehungsweise 75 Millionen Euro.