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Von Besenbindern und Stimmungsvögeln

Hobbydrechsler Gerd Offermanns fertigt hier gerade das Unterteil für seinen nächsten Stimmungsvogel an.
Hobbydrechsler Gerd Offermanns fertigt hier gerade das Unterteil für seinen nächsten Stimmungsvogel an. FOTO: amz1
Rietschen. Um Naturprodukte ist es beim Holz- und Waldfest auf dem Rietschener Erlichthof gegangen. Rund 40 Aussteller, davon zehn zum ersten Mal, präsentierten ihre Produkte. amz1

Die vielen Besucher bekamen Handwerkstechniken zu sehen, die es in der Oberlausitz so gut wie gar nicht mehr gibt.

Beispielsweise die Kunst des Pumpenbohrens. Dazu hat die Daubitzer Firma von Johannes Miethe einen Kiefernstamm mitgebracht. "Aus dem soll ein Pumpenständer entstehen", erläutert der Unternehmer. Kurzum: Der Stamm muss längs durchbohrt werden. Für die notwenigen Eisenteile sorge ein Schmied.

"Mit dieser Pumpe kann man das Wasser aus bis zu sechs Metern Tiefe schöpfen", sagt Miethe. Früher habe auf jedem Bauernhof der Region eine solche "Plumpe" gestanden. Heute seien sie vor allem zur Gartenbewässerung wieder gefragt. Und natürlich, weil sie einfach "klasse" aussehen, quasi im "Retro-Look".

Das entsprechende Gewusst-wie habe Johannes Miethe vom Daubitzer Handwerker Dietmar Natschke gelernt. An dessen Hofpumpe sei in längst vergangener Zeit besonders wertvolles Wasser zutage gefördert worden, das auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung genutzt wurde, erinnert sich Natschke.

Übrigens: Das Holz für den Pumpenständer dürfe indes nur im Winter und bei abnehmendem Mond geschlagen werden. Warum? "Weil es so im Mondkalender steht", erklärt Johannes Miethe.

Ullrich Kulke und Gustav Schuster aus Weigersdorf stellen in Rietschen ein weiteres, fast ausgestorbenes Handwerk vor: das Besenbinden. Schon das Schneiden des benötigten Birkenreisigs und der Weidenruten sei eine Kunst für sich. Obwohl es heute in jedem Baumarkt Besen zu kaufen gibt, seien die handgefertigten Exemplare nach wie vor gefragt. "Sie werden vor allem in der Landwirtschaft genutzt. Denn mit einem herkömmlichen Kehrgerät lässt sich Pflaster kaum reinigen", begründet Ullrich Kulke. "Mit unseren Geräten kommt man in jede Ritze, und es bleibt nichts hängen."

Deko-Artikel aller Art fertigt Gerd Offermanns aus Neueibau an. Besonders Stimmungsvögel seien gefragt. "Schaut der hölzerne Piepmatz nach oben, weiß meine Frau, dass ich gute Laune habe", erklärt der Hobbydrechsler schmunzelnd. Geht der Blick nach unten, sehe es etwas anders aus.

Beim Holz- und Waldfest darf natürlich auch die Forstpartie nicht fehlen. Am Stand des Görlitzer Kreisforstamtes erfahren die Besucher alles über die Aufgaben des Waldes und über mögliche Gefahren. Angst einflößend präsentiert sich beispielsweise ein 400-fach vergrößerter Buchdrucker, einer der gefürchtetsten Schädlinge an der Fichte. Das Insekt, so weiß der Weißwasseraner Revierförster Holger Neef, sei aufgrund der warmen Witterung gerade wieder im Auftrieb.

Im Herbst jährt sich die Eröffnung des Erlichthof-Ensembles zum 20. Mal. Zum Fischerfest 1997 hatten die Töpfereien, die Gaststätte und die Tourist-Information eröffnet. Möglicherweise, so regt Marion Girth von der Info an, könnte es zum Fischerfest am 23. September ein Jubiläumsfest geben. Inzwischen besuchen bis zu 70 000 Gäste Jahr für Jahr den Erlichthof mit seinen Schrotholzhäusern. Allerdings hat seit Monaten das dazugehörige Museum nur noch sporadisch geöffnet. Der Grund? Personalmangel. Wer an einer ehrenamtlichen Tätigkeit Interesse hat, könne sich bei Marion Girth oder beim Erlichthof-Förderverein melden.

Die Touristen kommen selbst aus der Ferne gern nach Rietschen. Wie Marianne Lach. Ihre Reisegruppe hat während der Lausitz-Rundfahrt einen Stopp in der Schrotholzsiedlung eingelegt. "Ich war hier noch nie, bin richtig positiv überrascht. Dazu noch das Holz- und Waldfest, einfach klasse. Holz hat was, ist ein ganz individueller Werkstoff", resümiert die Berlinerin.