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| 17:12 Uhr

Parkführung
Von-Arnim-Rätsel bleiben ungelöst

Hier erklärt Expertin Astrid Roscher den Panoramablick vom Oberweg an der Bergschen Kirchruine über das Neue Schloss bis zu den östlichen Neißehängen. Im Vergleich zur Von-Arnim-Zeit fehlt der markante Turm der evangelischen Stadtkirche. Diese wurde 1945 zerstört. Seit DDR-Zeiten „stört“ ein Neubaublock die Landschaftsidylle.
Hier erklärt Expertin Astrid Roscher den Panoramablick vom Oberweg an der Bergschen Kirchruine über das Neue Schloss bis zu den östlichen Neißehängen. Im Vergleich zur Von-Arnim-Zeit fehlt der markante Turm der evangelischen Stadtkirche. Diese wurde 1945 zerstört. Seit DDR-Zeiten „stört“ ein Neubaublock die Landschaftsidylle. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Die Bad Muskauer Parkexpertin Astrid Roscher bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Von Torsten Richter-Zippack

Um den Muskauer Park rankt sich bis heute so manches Rätsel. Mehrere Geheimnisse entstammen der Zeit der Standesherren derer von Arnim, die zwischen den Jahren 1883 bis 1945 in drei Generationen die Muskauer Herrschaft führten. Im Zuge der noch bis Anfang September im Neuen Schloss präsentierten Von-Arnim-Ausstellung bittet Astrid Roscher, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Fürst-Pückler-Park, die Bevölkerung um Mithilfe. Beispielsweise, um endlich das Rätsel der Gloriette zu lösen. Die pavillonähnliche Konstruktion zwischen Neuem Schloss und Uferstraße wurde, so berichtet Astrid Roscher, bereits zu Pücklers Zeiten als hölzerne Konstruktion errichtet. Der Parkbegründer ermöglichte damit einen „Blick ins Schnuckental“. Denn auf der darunter liegenden Wiese sollten Schafe weiden. Der Bau musste um die vorvorige Jahrhundertwende seinem Nachfolger weichen. Der damalige Standesherr Traugott Graf von Arnim ließ den Pavillon auf der Anhöhe allerdings weit weniger opulent erbauen als das Pücklersche Original. „Den Grund kennen wir bislang nicht“, sagt Astrid Roscher. Möglicherweise sei ein Baum auf die ursprüngliche Holzkonstruktion gefallen. Um den Pavillon möglichst zügig wieder herzurichten, habe man ihn erheblich schlichter neu errichtet, lautet eine Vermutung.

Im Jahr 1967 wurde jedenfalls der Überbau der Gloriette entfernt. „Er sollte eigentlich in die nahe Keulahütte zur Rekonstruktion“, hat Astrid Roscher recherchiert. Doch in dem Betrieb verliere sich jede Spur. Die heutige Kopie befindet sich seit dem Jahr 2004 wieder auf historischem Grund und Boden. „Vielleicht weiß ja noch jemand, was mit dem Original in Krauschwitz passiert ist“, hofft Roscher.

Fast in Vergessenheit geraten ist auch die dritte Parkvilla am Oberweg. Während das erste Gebäude vom Arnimschen Baudirektor Herbert Lehmann errichtet worden war und er selbst darin wohnte, und Haus Nummer zwei, ein nordisches Blockhaus der Nieskyer Firma Christoph & Unmack als „Cara-Villa“ bekannt ist, gibt es vom dritten Gebäude so gut wie keine Unterlagen. „Selbst viele Muskauer wissen davon nichts mehr“, hat Astrid Roscher in Gesprächen herausgefunden. Kein Wunder, stand das Bauwerk doch lediglich sieben Jahre. Nach der Vollendung anno 1938 erfolgte 1945 die Zerstörung im Zuge der letzten Kriegstage. Genutzt wurde das Haus vom Arnimschen Generalsekretär Freiherr von Seydlitz-Kurzbach.

Die nicht weit entfernte Brücke, das sogenannte „Viadukt“, überquert „Südtirol“, so der Name des darunter hindurch führenden Weges, der eine Verbindung vom Muskauer Neißetal ins Dörfchen Berg herstellt. Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich die Bergsche Kirchruine. Obwohl bereits Hermann von Pückler-Muskau das mittelalterliche Gemäuer in seinen Park einbezogen hatte, so berichtet Astrid Roscher, erwarben die von Arnims erst im Jahr 1936 das entsprechende Grundstück. Anschließend sollte eine Rekonstruktion des ehemaligen Gotteshauses beginnen. Aufgrund des Kriegsausbruches wurde jedoch die Genehmigung versagt.

Ebenfalls auf die von Arnimschen Standesherren geht der hohe Feuerwachtturm zurück, der im Jahr 1902 am Weinberg errichtet worden war. In den 1960er-Jahren erfolgte der Abriss der Holzkonstruktion. Und 2015 verschwanden die letzten Reste des mächtigen Fundaments.

Die finale Wanderung auf den Spuren der von Arnims als Begleitung zur aktuellen Sonderschau führt am 31. August in den Ostteil des Muskauer Parks. Ein Ziel bildet dann unter anderem das Mausoleum. Anmeldungen erfolgen unter Telefon 035771 50492.