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Vom Millionen- ins 80-Seelen-Dorf

Isabelle und Julian Gruner vor ihrem Landhaus in Rauden. Sie wollen das Dorf nicht mehr verlassen.
Isabelle und Julian Gruner vor ihrem Landhaus in Rauden. Sie wollen das Dorf nicht mehr verlassen. FOTO: amz1
Rauden. ( Drei Jahre stand der Raudener Landgasthof leer. Jetzt hat eine junge Familie das Anwesen in dem Boxberger Ortsteil gekauft. amz1)

Das ist an sich schon nicht alltäglich. Doch mehr noch: Die Gruners zieht es ausgerechnet aus dem prosperierenden bayerischen "Millionendorf" München in den 80-Seelen-Ort Rauden. Für Julian und Isabelle Gruner ist es eine Heimkehr in die alte Heimat. Sie bauen sich in Rauden eine neue Existenz auf.

Der Landgasthof wird allerdings umbenannt: "Wir nennen unsere neue Heimstätte ‚Gruners Landhaus‘", kündigt Julian Gruner an. Eine Gaststätte entstehe jedoch nicht. Sondern eine Pension mit vier Doppel- und einem Dreibettzimmer.

Hinzu geselle sich ein Cateringservice mit den entsprechenden Räumlichkeiten für größere Feiern. Kein Wunder, ist Julian Gruner doch ausgebildeter Koch. "Wir setzen auf die nationale und internationale Küche", sagt der 32-Jährige. Besonderes Augenmerk erhielten Lausitzer Spezialitäten, insbesondere Fisch. "Mein Opa ist passionierter Angler", erklärt Ehefrau Isabelle Gruner. Nicht zuletzt wolle die vierköpfige Familie künftig in ihrem Landhaus wohnen. Jetzt laufen die Umbau- und Renovierungsarbeiten. Noch vor Weihnachten solle der Umzug erfolgen. Derzeit leben Julian und Isabelle Gruner mit ihren beiden Kindern Mona (4) und Mats (acht Monate) in Isabelles Elternhaus.

Die 31-Jährige stammt aus Rauden, Ehemann Julian aus dem benachbarten Uhyst. Die beiden kennen sich aus Uhyster Kindergartenzeiten. Nach der Schule zog es sie nach Süddeutschland, da es damals in der Oberlausitz keine passenden Lehrstellen mit anschließender Übernahme gab. Isabelle ging mit 16 Jahren nach München und erlernte dort den Beruf der Einzelhandelskauffrau. Julian ließ sich in Stuttgart zum Koch ausbilden. Auf einer Hochzeit lernte er Isabelle kennen und zog später zu ihr ins bayerische "Millionendorf".

Von Anfang an stand für die Familie fest, über kurz oder lang in die Lausitz zurückkehren zu wollen. Schon vor zwei Jahren hatten die Gruners einen Blick auf den zum Verkauf stehenden Raudener Landgasthof geworfen. Im Mai 2017 erwarben sie das Objekt, das im Jahr 1971 erbaut worden war.

Doch den Hauptgrund für ihre Rückkehr in die Lausitz bildet der Nachwuchs. "Unsere Kinder sollen auf dem Dorf groß werden", begründet Isabelle Gruner. Tochter Mona wäre schon zu Münchener Zeiten bei den häufigen Besuchen bei den Großeltern in der Lausitz geblieben. Jetzt lebe sie regelrecht auf. Schließlich gebe es in Rauden jede Menge Platz zum Spielen. Hinterm Landgasthof erstrecken sich Felder, Wälder und Teiche. Selbst ein eigener Rodelberg fehle nicht. "Wir wollen, dass unser Nachwuchs die gleiche schöne Kindheit erleben kann, wie wir sie hatten", sagt Julian Gruner. Im Uhyster Kindergarten sei sogar noch eine Erzieherin tätig, die bereits die Eltern von Mona und Mats unter ihren Fittichen hatte.

Das Einzige, was die jungen Leute aus Münchener Zeiten vermissen, sei der schnelle Weg zum Supermarkt. Von Rauden müsse man eben 15 bis 20 Kilometer bis zum nächsten Discounter fahren. "Aber ich denke, das ist ein Luxusproblem", sagt Isabelle Gruner. Die Vorteile des Landlebens würden diesen Nachteil ganz schnell aufwiegen. Nicht zuletzt haben die Gruners mit dem Landhaus gleich den darin integrierten Dorfkonsum mitgekauft. Den führt Hannelore Mentele bereits seit 28 Jahren.

Mutter Johanna Gruner ist heilfroh, dass ihr Sohn Julian mit Familie wieder in der Lausitz lebt. "Etwas Schöneres kann es gar nicht geben." Drei Söhne hat die engagierte Uhysterin. Christian Gruner, anno 2011 ebenfalls Rückkehrer, betreibt das Uhyster Eiscafé, Hagen Gruner ist allerdings in Chile. "Zum Glück kehrt er Ende September heim, und seine nächste Baustelle befindet sich in Deutschland", gibt sich Johanna Gruner erleichtert.

Für Isabelle und Julian Gruner hat indes der Arbeitsalltag in ihrem Landhaus begonnen. Bereits Anfang September logierten die ersten Urlauber hier. Zudem gebe es bereits eine ganze Anzahl von Anfragen für Feiern. "Derzeit läuft die Mund-zu-Mund-Propaganda auf Hochtouren. Ein Freund aus München gestaltet unsere Internetseite, zudem werden wir bei Facebook präsent sein", kündigt Isabelle Gruner an. "Aus unserem Dorf gehen wir nie mehr weg", verspricht die 31-Jährige.