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Bildung
Vollendete Tatsachen geschaffen

Weißwasser. Das Landesamt für Schule und Bildung hat der Berufsfachschule für Altenpflege Datey in Weißwasser die Genehmigung entzogen. 35 Auszubildende sind betroffen. Der Vereinsanwalt legt Widerspruch ein. Von Gabi Nitsche

Sprichwörtlich Panik ist unter den 35 Altenpfleger-Auszubildenden ausgebrochen, die an der Berufsfachschule für Altenpflege Datey e.V. in Weißwasser ihren Beruf erlernen. Grund ist ein Schreiben des Landesamtes für Schule und Bildung. Darin wird den jungen Leuten mitgeteilt, dass dieser Schule zum 28. Februar die Genehmigung für den Betrieb entzogen und diese somit geschlossen wird. Begründet wird das mit erheblichen Mängeln in der Umsetzung des Sächsischen Gesetzes über Schulen in freier Trägerschaft. Eine Betroffene wandte sich an die RUNDSCHAU und bat um Hilfe. Gerade alleinerziehende Mütter und jene, wo die Männer auf Montage arbeiten, haben große Angst, benachteiligt zu werden und den Wechsel gar nicht organisatorisch hinzubekommen.

Auf LR-Nachfrage bei der Behörde, welche Mängel das denn sind, führt Pressesprecher Roman Schulz an: mangelndes fachlich qualifiziertes Lehrpersonal (vorausgesetzt wird der Hochschulabschluss im Bereich der Pflege- und Medizinpädagogik); Mängel in der Vermittlung des Unterrichtsstoffes; grundlegende Mängel der Leistungsermittlung und bei der Notenbildung sowie Nichtabsicherung der Abschlussprüfung durch Lehrkräfte der Berufsfachschule. Schon im vergangenen Schuljahr sei darauf hingewiesen und die Beseitigung der Mängel gefordert worden. Auch die zeitlich beschränkte personelle Unterstützung seitens des Landesamtes zur Absicherung der Abschlussprüfung habe nicht dazu geführt, dass die Berufsfachschule Datey ausreichend qualifiziertes Personal anstellte. Trotz Wechsel im Personal beschäftige die Schule auch derzeit kein Personal, das in seiner Ausbildung den Lehrkräften an öffentlichen Schulen entspreche. „Das hat zur Folge, dass auch die diesjährigen Abschlussprüfungen nicht abgesichert werden können“, so der Sprecher.

Datey-Vorstandsmitglied Andreas Nelte ist entsetzt. Man sei im Herbst 2017 übereingekommen,  das Schuljahr ordentlich zu beenden. „Wenn es sein muss, dann auch mithilfe der Schulaufsicht, was die Prüfungen angeht. Das war das erklärte Minimum-Ziel“, so Nelte. Er berichtet am Donnerstag, dass die Datey aktuell zwei entsprechende Fachkräfte zum 1. März eingestellt und außerdem eine Zusage habe für die feste Kooperation mit der Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe gGmbH in Hoyerswerda. „Aufgrund deren Arbeitskräftebestandes ist diese Schule in der Lage, uns mit entsprechendem Personal zu unterstützen, damit wir die Anforderungen erfüllen“, so Nelte. Das habe er der Behörde in Bautzen am 8. Februar mitgeteilt. Warum dann ad hoc die Schließung? Das könne er nicht nachvollziehen. Das Schreiben, das zwar das Datum  23. Januar enthält, erreichte den Datey-Verein erst am 12. Februar. „Unser Rechtsanwalt hat sofort Widerspruch eingelegt.“ Wenn diesem nicht bis 19. Februar stattgegeben werde, kündigte dieser an, das Verwaltungsgericht zu bemühen.

Andreas Nelte sieht das dringlichste Ziel darin, den Auszubildenden einen ordnungsgemäßen Abschluss zu ermöglichen. Das sollte gemeinsam geschafft werden, fordert er. Es gehe ihm nicht um die Schule, sondern um die jungen Leute. „Das dritte Lehrjahr hat noch vier Wochen Schule, dann stehen die Prüfungen an.“ Kopfschüttelnd spricht er davon, dass jede Schule ihren Lehrplan individuell genehmigt bekomme. „Doch die Lehrpläne sind nicht identisch.“ Er befürchtet Nachteile für die Auszubildenden, wenn diese kurz vor Abschluss noch wechseln müssen.

Das Landesamt schlägt den Schülern mit, dass die aus dem ersten Jahr an das Berufliche Schulzentrum Weißwasser wechseln. Die Schüler des zweiten und dritten Ausbildungsjahres könnten sich eine Berufsfachschule in Görlitz suchen, heißt es in dem Schreiben, wo diese aufgelistet sind. Laut Behördensprecher heißt es: „Alle Schüler werden nahtlos, d. h. ab dem 01.03.2018 an öffentlichen Berufsschulzentren weiter beschult.“ Der Schulwechsel werde vom Standort Bautzen des Landesamtes professionell und individuell begleitet. Der Rechtsanwalt der Datey entgegnet dem, dass am BSZ Weißwasser der Bildungsgang Altenpflege erst mit dem Schuljahr 2018/2019 genehmigt sei. Das wiederum stimmt mit einer Aussage der Schulleiterin gegenüber der RUNDSCHAU beim Tag der offenen Tür vor wenigen Tagen überein.

Seit 15 Jahren bildet die Datey Altenpfleger aus. „Es gab nicht einen Lehrling, der nicht zufrieden war, und kein entsendetes Unternehmen, das die Ausbildung beanstandet hat.“ Was Vereinsvorstand Andreas Nelte aber besonders zornig macht, ist das: „Bei den Prüfungen 2017 war von der Landesamt-Zweigstelle in Bautzen eine Mitarbeiterin dabei. Alle Auszubildenden bestanden. Selbst eine, die von unseren Lehrern kritisch bewertet wurde.“ Kein Wort von irgendwelchen Mängeln sei gefallen. Nelte argumentiert: „Die jungen Leute haben Blockunterricht und Praktika, bei diesen werden sie von unseren Lehrkräften begleitet. Diese haben permanent Kontakt zu den Firmen. Es gibt keine Kritik von dort.“ Die ausgebildeten Altenpfleger seien sehr nachgefragt.

Andreas Nelte weist noch auf einen anderen Aspekt hin: „18 unserer Schüler werden über das Jobcenter gefördert. Bei einem Wechsel erlischt der Bescheid, er muss neu beantragt werden. Das braucht Zeit.“