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| 15:47 Uhr

Weißwasser künftig Bauhaus-Stadt? – mit Video
Expertin: „Volkshaus ist ein Bauhaus der Moderne“

Weißwasser. Günter Segger von der Denkmalkommission in Weißwasser, hat Nachforschungen angestellt. Die Bedeutung des Hauses wächst. Von Christian Köhler

Das Volkshaus in Weißwasser fristet seit nunmehr zwölf Jahren ein eher trostloses Dasein. Damit dies nicht so bleibt, hat sich der Vorsitzende der Weißwasseraner Denkmalkommission eingeschaltet und Nachforschungen angestellt, die dem Gebäude wieder etwas von seinem ehemaligen Glanz zurückgeben könnten. „Es geht mir darum, das Volkshaus und den Neufert-Bau in einem neuen Kontext zu betrachten“, erklärt Günter Segger der RUNDSCHAU. Viele Weißwasseraner nämlich fragen, warum man sich des Neufert-Baus annimmt – ihn etwa am Dach sichern möchte –, während am Volkshaus nichts geplant ist. Abgesehen von dem Umstand, dass der Neufert-Bau über einem Erbpachtvertrag dem Verein „Neufert-Bau“ übertragen wurde und somit keine Kosten für die Stadt entstehen, befindet sich das Volkshaus immer noch im Eigentum der Stadt.

Segger berichtet nun von einem Treffen mit Dr. Beate Störtkuhl vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. „Sie hat mir bestätigt, dass das Weißwasseraner Volkshaus ein Bauhaus der Moderne ist“, so der Denkmalschützer. Und damit steht es letztlich mit dem Neufert-Bau, dessen Architekt Ernst Neufert zu den Gründervätern der Bauhausschule in Weimar zählt, kunstgeschichtlich auf einer Stufe. Der Architekt des Volkshauses nämlich war zwischen 1922 bis 1924 Syndikus am Bauhaus in Weimar, hat 1922 die technische Probierwerkstatt der Schule geleitet und die erste Bauhaus-Austellung 1924 organisiert. Später lehrte der Schüler von Hans Poelzig an der Akademie für Kunst und Kunstgeschichte in Breslau. „Als freier Architekt hatte er sich seinerzeit um den Entwurf für das Volkshaus beworben“, erzählt Segger. Eine Ausschreibung hatte der in Weißwasser am 27. April 1927 gegründete Gewerkschaftsverein „Volkshaus Weißwasser Oberlausitz GmbH“ vorgenommen. „Leider hat nach der Wende die Gewerkschaft kein Interesse am Volkshaus gehabt, sonst wäre die Geschichte wohl heute eine andere“, ist sich Günter Segger sicher.

Das Volkshaus in Weißwasser steht seit 2006 leer. In der oberen Etage ist nun ein Licht aufgegangen.
Das Volkshaus in Weißwasser steht seit 2006 leer. In der oberen Etage ist nun ein Licht aufgegangen. FOTO: Christian Köhler

Mit der Erkenntnis, dass es sich beim Volkshaus auch um ein Bauhaus-Objekt handelt, könnten die Weichen für Weißwasser als Bauhaus-Stadt neu gestellt werden. „Wir hoffen, durch die Aufmerksamkeit im Bauhaus-Jahr 2019 Mittel für unsere Stadt zu bekommen“, sagt Günter Segger, „denn abgerissen werden sollen weder Volkshaus noch Neufert-Bau.“