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| 02:46 Uhr

"Volkshaus hat mehr als nur eine Chance"

Stadtrat Ronald Krause (SPD) ist ehemaliger Finanzbürgermeister von Weißwasser.
Stadtrat Ronald Krause (SPD) ist ehemaliger Finanzbürgermeister von Weißwasser. FOTO: Köhler
Weißwasser. 2004 wurde das Volkshaus in Weißwasser geschlossen. Die RUNDSCHAU sprach deshalb mit dem ehemaligen Finanzbürgermeister und heutigem SPD-Stadtrat Ronald Krause.

Wie kam es Ihrer Erinnerung nach dazu, dass das Volkshaus geschlossen wurde?
Das Volkshaus wurde im April/Mai 2004 planmäßig freigezogen, damit die Baumaßnahmen beginnen konnten. Da diese bislang nicht stattfanden, wurde das Haus nicht mehr bezogen.

Welche Rolle spielte dabei der Stadtrat, welche die Stadtverwaltung und welche Sie als damaliger Finanzbürgermeister?
Als erster Leiter des Eigenbetriebes Kulturstätten habe ich die grundlegende Sanierung des Volkshauses Ende 2002 angeregt. Im März 2003 wurde ich Bürgermeister für Finanzen, Bildung, Freizeit und Soziales. Im gleichen Monat haben wir uns mit OB Helma Orosz geeinigt, die Planung zur Sanierung des Volkshauses anzuschieben. Dazu wurde im Bau- und Wirtschaftsausschuss einen Monat später das neue Nutzungskonzept vorgestellt. Die Planung wurde danach ausgeschrieben. Es gab über 100 Bewerber.

Als damals amtierender Oberbürgermeister habe ich den Planungsauftrag an ein Büro aus Görlitz erteilt. Die Planungen sollten bis Ende 2003 fertig sein. Im September 2003 habe ich die Bewerbung der Stadt für den Tag der Sachsen erfolgreich gestaltet. Mit der Zusage von Fördermitteln aus dem "Tag der Sachsen"- Fonds schien der Gesamtfinanzierung nichts mehr im Wege zu stehen. Im Oktober 2003 habe ich als amtierender Oberbürgermeister die AG Volkshaus ins Leben gerufen. Im November 2003 trat Hartwig Rauh sein Amt als OB an.

Das Volkshaus wurde im April/Mai 2004 planmäßig freigezogen, damit die Baumaßnahmen beginnen konnten. Nach unzähligen Querelen um die Verwendung von Fördermitteln zwischen Land und Stadt kam im Herbst 2004 die endgültige Absage zur Verwendung der Fördermittel aus dem Fonds. Im Herbst 2004 hat OB Rauh die Planungen gestoppt. Der Stadtrat hat es hingenommen. Ich selbst war zu keiner Zeit stimmberechtigt. Im Frühjahr 2005 nahm OB Rauh erstmals das Wort Abriss im Zusammenhang mit dem Volkshaus in den Mund.

Wer war für die Gründung des Eigenbetriebes Kultur- und Sportstätten in Weißwasser verantwortlich? Warum wurde dieser überhaupt gegründet?
Die Gründung des Eigenbetriebes Kulturstätten war 2002 eine Maßnahme aus dem damaligen Haushaltsstrukturkonzept zur Deckelung der Kosten im Kulturbereich. Ich selbst habe als Sachbearbeiter den ersten Wirtschaftsplan dazu erarbeitet. Der Stadtrat hat die Gründung des Eigenbetriebes beschlossen. Später wurde dieser um die Sportstätten erweitert.

Mehrere ehemalige und heutige Mitarbeiter der Stadtverwaltung berichten von Fördermittelzusagen für eine mögliche Sanierung des Volkshauses, die damals (2003 bis 2004) vorlagen. Warum hat Weißwasser die nicht genutzt?
Es gab neben den Städtebaufördermitteln die mündliche Zusage zur Verwendung der "Tag der Sachsen"-Mittel. Diese wurde schriftlich zurückgenommen. Ohne diese etwa halbe Million Euro war die Finanzierung nicht darstellbar. Der OB hat die Planungen gestoppt. Fünf Jahre später hatte der Stadtrat das Volkshaus aus der Prioritätenliste gestrichen. Fördermittelzusagen/Bescheide lagen 2003/2004 keine vor. Wer dies behauptet ist ein großer Lügner.

Können Sie sich an ein Sanierungskonzept für das Volkshaus erinnern? Wenn ja, was sah das vor?

Das Konzept liegt in der Verwaltung vor. Es war sehr interessant. Frau Roßbacher hat es unter meiner Leitung im Frühjahr 2003 im Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgestellt.

Wer trägt die Verantwortung ihrer Einschätzung nach dafür, dass die Telux-Säle damals das Volkshaus ersetzen sollten?
Das weiß ich nicht, ich glaube, dass die Eigentümer der Telux-Säle mit der Schließung des Volkshauses ihre Marktchance erkannten und diese auch nutzten.

Meines Wissens haben Herr Schutza und Herr Pötzsch als Protagonisten eines Betreibervereins das Geschäft erkannt und übernahmen die wirtschaftliche Vermarktung der Telux-Säle. Letztendlich hatte ihre gemeinsame Firma TiTo-Cultura ihren Sitz in der Telux. Es ging viel Inventar (Musikanlage, Garderoben, Bestuhlung) vom Volkshaus in die Telux.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein? Hat das Projekt Volkshaus mit all dem Wissen, was Sie haben, wirklich eine Chance?
Es hat mehr als nur eine Chance, wir brauchen ein ansprechendes Kulturzentrum. Das Volkshaus benötigte zu keiner Zeit Zuschüsse in der Größenordnung wie Eishalle, Schwimmhalle, Tierpark oder Bibliothek. OB Rauh hatte den Plan, mit den Steuermillionen von Vattenfall erst die Eisarena und später das Volkshaus zu ertüchtigen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Stattdessen versickerte in den letzten Jahren immer mehr Geld im laufenden Haushalt (vor allem der Zuschuss Eisarena erhöhte sich beim Verein stark).

Viel Geld wurde außerdem in weitere Sportprojekte wie die Kunstrasenplätze gesteckt.

Mit Ronald Krause sprach

Christian Köhler