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Volkshaus als "Anker" im ländlichen Raum

Die Ausstellungsbesucher informierten sich an den 28 Schautafeln.
Die Ausstellungsbesucher informierten sich an den 28 Schautafeln. FOTO: Köhler
Weißwasser. Weißwassers Kämmerer und Kandidat für das Oberbürgermeisteramt Rico Jung will als zentrales Wahlkampfversprechen das Weißwasseraner Volkshaus wiedereröffnen. Um die Bedeutung von Volks- und Kulturhäusern im Allgemeinen zu erläutern, hat er gemeinsam mit dem Förderverein für das Volkshaus eine Ausstellung nach Weißwasser geholt. Christian Köhler

Am Mittwochabend berichtete deren Kurator Pierre Wilhelm während der Eröffnung der Ausstellung "Das Kulturwunder im Osten Deutschlands - Rückblicke und Perspektiven" von der überragenden Bedeutung der Kulturhäuser im ländlichen Raum.

"Ich selbst bin mit dem Kulturhaus in Plessa eng verbunden", erzählte Pierre Wilhelm. Bereits als Kind habe er dort im Blasorchester mitgewirkt. Doch nach der Wende ging es mit dem Kulturhaus bergab. In der gut 2700-Seelen-Ggemeinde im Brandenburger Landkreis Elbe-Elster war laut Wilhelm in der Mitte der 2000er-Jahre der Abriss des Hauses im Gespräch. "Ich fühlte mich in der Pflicht, das 1956 erbaute Kulturhaus zu erhalten", berichtete der Jurist und freiberufliche Projektkoordinator. Bereits 2008 hätten Bürger im Inneren des baufälligen Hauses damit begonnen, in Eigenregie Sanierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. 2009 schließlich hatte Pierre Wilhelm eine Bestandsanalyse mit 150 Interviewpartnern durchgeführt - dabei sogar das renommierte Architekturbüro "Planungsgesellschaft für Bühnentechnik" gewonnen, das kostenfrei eine Machbarkeitsstudie erstellte. Auf deren Grundlage und mit Geld aus zahlreichen Benefiz- und Spendenveranstaltungen wird derzeit das Kulturhaus saniert.

"Der Osten von Deutschland hat eine weltweit einmalige Dichte von Kulturstätten", so Wilhelm. In der Nachkriegszeit habe die DDR-Führung dafür gesorgt, dass trotz Wohnungsnot und Zerstörung Kulturzentren entstehen. "Es gibt im Osten mehr als 1200 Kulturhäuser", sagt Wilhelm. Diese Vielfalt habe er in einer Ausstellung, die zunächst für die USA, dann für Deutschland entwickelt wurde, zusammengefasst.

In den Kulturhäusern sieht er eine Chance - vor allem für den ländlichen Raum. "Kulturhäuser fungieren als Bindeglied und Anker zwischen Heimat und Weggezogenen", sagt Wilhelm. Denn oft würden sich ehemalige Einwohner einer Stadt an Erlebnisse erinnern, die sie einst in den Häusern hatten. Zu Treffen in der Heimat wiederum würden sie die Kulturstätten aufsuchen. Das habe Plessa gezeigt. In Weißwasser allerdings, so bemerkte ein Gast bei der Ausstellung an, übernehme diese Funktion bereits Crossing-Christmas.

Die Ausstellung ist in der kommenden Woche noch im Haus der Begegnung in der Karl-Marx-Straße in Weißwasser zu sehen.