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| 02:46 Uhr

Verzweifelter Kringelsdorfer wollte alles zerstören

Die Einsatzkräfte der Kringelsdorfer Feuerwehr waren am 11. Dezember 2014 die Ersten am brennenden Haus in Kringelsdorf. Zur Unterstützung rückten weitere Kameraden aus den umliegenden Orten und Weißwasser an. Drei Stunden dauerten die Löscharbeiten.
Die Einsatzkräfte der Kringelsdorfer Feuerwehr waren am 11. Dezember 2014 die Ersten am brennenden Haus in Kringelsdorf. Zur Unterstützung rückten weitere Kameraden aus den umliegenden Orten und Weißwasser an. Drei Stunden dauerten die Löscharbeiten. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Kringelsdorf. Ein 44-Jähriger aus dem Boxberger Ortsteil Kringelsdorf muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Görlitz verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm eine versuchte Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit vorsätzlichem Bankrott vor, so Gerichtssprecher Jörg Küsgen. Er soll gestern seine Tat zugegeben haben. Gabi Nitsche

Es war am 11. Dezember vor zwei Jahren. Kurz nach 7 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden. Etwas Qualm am Dachfirst sahen die Kameraden, als sie am Grundstück an der Schadendorfer Straße eintrafen. "Erst sah es gar nicht so schlimm aus", hatte der Kringelsdorfer Wehrleiter Stephan Hoffmann den ersten Eindruck beschrieben. Doch der sollte täuschen, wie in der RUNDSCHAU am Tag darauf zu lesen war. 57 Einsatzkräfte der Feuerwehren Kringelsdorf, Boxberg, Nochten, Reichwalde, Klitten, die Leag-Werksfeuerwehr und Weißwasser brauchten mehr als drei Stunden, um den Brand zu löschen. Denn der Qualm hatte sich als kompletter Hausbrand herausgestellt. Vom damals 42-jährigen Hausbesitzer fehlte jede Spur.

Die Floriansjünger mussten auch Teile vom Dach abdecken, um in diesem Geschoss die Flammen bekämpfen zu können. Bei den ersten Untersuchungen wurden Spuren gefunden, die auf eine mögliche Brandstiftung hindeuteten, äußerte sich damals die Polizei. Denn im Haus und im Nebengebäude war Diesel verkippt worden, im Haus Holz gestapelt. Auch das Auto in der Garage war mit Diesel überschüttet worden. "Wir können eine Verzweiflungstat nicht ausschließen", erklärte Uwe Horbaschk, der Leiter des Polizeireviers Weißwasser. Am Tag darauf wurde der vermeintliche Brandstifter festgenommen.

Seit gestern steht dieser, inzwischen 44 Jahre alt, nun als Angeklagter vor dem Landgericht Görlitz und muss sich für die Taten von vor zwei Jahren verantworten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bestätigten die damaligen Vermutungen. Unter anderen mittels Heizöl und Dieselkraftstoff habe er sein Wohngebäude in Brand gesetzt, ebenso das Nebengebäude. Zudem habe er eine Elf-Kilogramm-Propangasflasche aufgedreht, um eine Explosion herbeizuführen, zu der es jedoch nicht gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit vorsätzlichem Bankrott vor. Er soll gestern seine Tat zugegeben haben.

Der Mann habe zur Tatzeit über keine Einkünfte mehr verfügt und sei nicht mehr in der Lage gewesen, seine laufenden Verbindlichkeiten zu bezahlen. Es waren mehrere Zwangsvollstreckungsverfahren gegen ihn anhängig, informiert das Landgericht. Darüber hinaus war sein Wohngrundstück mit mehreren Zwangssicherungshypotheken in Höhe von mehr als 30 000 Euro belastet gewesen. Auch seine geschiedene Ehefrau war laut Gerichtssprecher Jörg Küsgen Gläubigerin mehrerer Zwangssicherungshypotheken. Nachdem diese im Oktober 2014 die Zwangsversteigerung einleiten ließ, habe sich der Angeklagte entschlossen, die Gebäude auf seinem Grundstück zu zerstören.

Ein Fortsetzungstermin ist bereits für den 11. Januar anberaumt worden.