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Lausitzer Seenland
Verordnete Flaute für Kitesurfer auf dem Bärwalder See beendet

Der erste See im Lausitzer Seenland soll für Kitesurfer nutzbar sein. Die Gemeinde Boxberg und die Landesdirektion Dresden haben den Dauerstreit um die Genehmigung des Trendsportes auf dem Bärwalder See am Freitag vor dem Verwaltungsgericht beigelegt.
Der erste See im Lausitzer Seenland soll für Kitesurfer nutzbar sein. Die Gemeinde Boxberg und die Landesdirektion Dresden haben den Dauerstreit um die Genehmigung des Trendsportes auf dem Bärwalder See am Freitag vor dem Verwaltungsgericht beigelegt. FOTO: Mohssen Assanimoghaddam / dpa
Boxberg/Dresden. Der lange Streit um die Genehmigung des in Sachsen als gefahrgeneigt eingestuften Wassersportes im Lausitzer Seenland ist vor dem Verwaltungsgericht Dresden beigelegt worden. Von Kathleen Weser

Die bürokratisch verordnete Flaute für die Kitesurfer im Lausitzer Seenland ist vorbei. Auf dem Bärwalder See (Landkreis Görlitz), dem größten Gewässer des Freistaates Sachsen, soll dieser Wassersport im nächsten Jahr nun endlich legal Aufwind bekommen. Das macht der taufrische Vergleich der Gemeinde Boxberg mit der Landesdirektion Sachsen und der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) möglich, der am Freitag nach mehrstündiger Verhandlung vor der 12. Kammer des Verwaltungsgerichtes Dresgeschlossen worden ist. Das bestätigt Justiz-Sprecher Robert Bendner.

Das Kitesurfen ist in Sachsen als einzige muskelbetriebene Wassersportart als „gefahrgeneigt“ eingestuft. Nur deshalb ist die Trendsportart auf Binnenseen zwingend durch die Landesdirektion Dresden zu genehmigen. Sascha Bärwick, der Vorsitzende des Vereins Kitesurf Lausitz aus Gnaschwitz (Landkreis Bautzen), hält den bürokratischen Aufwand für völlig unnötig. „Beim Kitesurfen spielt nur die Windstärke eine entscheidende Rolle“, erklärt er. In Sachsen aber wehe der Wind nur reichlich halb so stark wie beispielsweise an der Nordseeküste. Sturmtage, die hohe Sprünge und ungewolltes Abheben beim Kitesurfen ermöglichen, seien in der Lausitz extrem selten und damit als Unfallursachen unrelevant.

In den Amtsstuben wird das jedoch anders gesehen. Für den riesigen Verwaltungsakt lieferte auch das Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Dresden zwei Jahre lang keine plausible Erklärung. Die Gemeinde Boxberg, die auf dem Bärwalder See auch im Widerspruchsverfahren gegen die verwehrte Erlaubnis ausgebremst wurde, zog deshalb vor Gericht. Denn die Kommune verfügt über einen Vertrag mit der Bergbausaniererin als derzeitige Eigentümerin. Und die LMBV erlaubt die wassersportliche Nutzung des Sees. Befristete wasserrechtliche Genehmigungen der zuständigen Behörden für das Baden und andere wassersportliche Aktivitäten liegen vor. Nur das Kitesurfen ist nach der Sächsischen Schifffahrtsverordnung auf allen Gewässern im Freistaat nicht erlaubt. Und die befristete Genehmigung dieses Wasserspaßes hatte die Landesdirektion Sachsen im Jahr 2016 nicht verlängert.

Mit der Klage hat Boxberg die unbefristete Genehmigung für das Kiten angestrebt, um den Bärwalder See touristisch attraktiver zu machen. Die Salami-Taktik der Landesbehörde mit ständigen Befristungen hatte immer wieder hohe Kosten für das geforderte Kennzeichnen des freigegebenen Surfbereiches durch Bojen und die Informationstafeln an den Zugängen zum See verursacht. Der Standpunkt der Gemeinde Boxberg: Das Steuergeld sei nur sinnvoll eingesetzt, wenn die angestrebte Nutzung über einen längeren Zeitraum gewährt werde. Die Landesdirektion indes entgegnete, dass eine unbefristete Genehmigung schon deshalb nicht erteilt werden könne, weil auch der Nutzungsvertrag zwischen der Gemeinde Boxberg und der Bergbausaniererin nur befristet sei. Zudem sei der See, das Restloch des ehemaligen Braunkohletagebaus Bärwalde, noch nicht für Wasserfahrzeuge zugelassen. Die dafür erforderliche Feststellungsentscheidung nach dem Sächsischen Wassergesetz werde derzeit erst vorbereitet. Für diese seien auch natur- und artenschutzrechtliche Belange und sich daraus ergebende Nutzungsbeschränkungen zu berücksichtigen. Zudem gehe der See nach abgeschlossener Bergbausanierung aus dem Eigentum der LMBV an den Freistaat über.

Die Streithähne auf bürokratischem Terrain haben sich, vermittelt durch den Richter, nunmehr rechtskräftig darauf geeinigt: Das Kitesurfen auf dem Bärwalder See wird vorerst gestattet, bis die Wasserbehörde abschließend zur Freigabe des sanierten Gewässers entscheidet. Die Gemeinde Boxberg muss den Bereich für die Kitesurfer allerdings mit Markierungsbojen kennzeichnen. An den drei Badestränden und an der Pflicht-Zugangsstelle zum Wasser für Kitesurfer sind Informationstafeln aufzustellen.