"Der Umgangston hier ist zum Kotzen", stellte Maria Ruttmar während der Einwohnerfragestunde im Weißwasseraner Stadtrat fest. Schon vor ihrer Äußerung hatte sich die 76-Jährige für ihre Ausdrucksweise entschuldigt. Sie ist seit Jahren Gast bei den Sitzungen und äußert sich dort als Bürgerin kritisch, aber oft auch lobend. Einige Räte wehrten sich, allerdings hinter vorgehaltener Hand: "So eine Frechheit, hier alle über einen Kamm zu scheren", hieß es. Stadtrat Bernd Frommelt (KJiK) sagte im Nachhinein der RUNDSCHAU, er wünsche sich ebenfalls, dass Persönliches dem Stadtinteresse untergeordnet werden solle, "jedoch auch Frau Ruttmar sollte bei ihrer Kritik nicht pauschal urteilen".

Und Kritik hagelte es in den vergangenen Sitzungen zu Hauf. Davon nicht ausgenommen war auch Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Beispielsweise als Silko Hoffmann (Wir für Hier) den Antrag über freie Vergaben zurücknahm und erklärte, er ahnte nicht, welchen Gegenwind von der Verwaltung er deswegen ernten würde.

Krause gegen Schwarzkopf

Es sei wohl nur "ein frommer Wunsch" Anfang des Jahres von Torsten Pötzsch gewesen, dass sich die "Akteure der Stadt miteinander ins Benehmen setzen" würden. Das stellte Pötzsch fest, als sich Stadtrat Thomas Krause (CDU) zu Wort gemeldet hatte und dabei auf die Äußerungen des Stadtvereinschefs Frank Schwarzkopf reagierte. Dieser hatte im November - ebenfalls im Rahmen der Einwohnerfragestunde - das Wort ergriffen und den CDU-Stadtrat für die Offenlegung von Zuschüssen an den Verein kritisiert. "Was Herrn Schwarzkopf geritten hat, mich persönlich anzugreifen, bleibt mir schleierhaft", sagte Thomas Krause im Stadtrat. Ihm gehe es um eine sachliche Diskussion in puncto freiwilliger Aufgaben der Stadt. Gerade vor der anstehenden Haushaltsdebatte sollten alle freiwilligen Ausgaben von Weißwasser auf den Prüfstein gestellt werden.

Pötzsch gegen Ischebeck

Unterdessen bahnt sich ein neuer Konflikt an: Den "frommen Wunsch" des Oberbürgermeisters nahm Robert Ischebeck, Betreiber des Schlittschuhverleihs in der Eisarena in Weißwasser, wörtlich. Ihm wurde noch im vergangenen Jahr der Mietvertrag in der Eisarena Weißwasser vonseiten der Stadtverwaltung gekündigt (RUNDSCHAU berichtete). Oberbürgermeister Torsten Pötzsch erklärte dazu, das Rathaus habe ihm gleichzeitig ein neues Mietangebot unterbreitet. "Wieso wurde mir vorsorglich gekündigt und nicht mein Mietvertrag einfach angepasst", wollte Robert Ischebeck wissen. Ferner verstehe er nicht, warum er keine Sportartikel verkaufen dürfe. "Es geht um meine Existenz", begründet er. Er habe das Gefühl, dass der Eissportverein gegen ihn schießen würde. "Warum haben Sie, Herr Pötzsch, dem ESW erlaubt, die Schlittschuhe an die Kitas zu verleihen", fragte Ischebeck.

Noch während der Fragen schritt der Oberbürgermeister unvermittelt ein: Ischebeck selbst soll gekündigt haben, gab Pötzsch an und begründete so ein Angebot vom ESW, den Verleih betreiben zu wollen.

Bernhard Waldau (CDU) unterbrach das Zwiegespräch: "Hier sollten nur Fragen debattiert werden, die auch die Gemeinde betreffen", sagte Waldau mit Blick auf den Oberbürgermeister, der nicht mehr nur die Fragen aufnahm, sondern zusehends in Rage geriet. Eine Antwort erhielt der Verleiher, der um Fairness bat, nicht. "Sie bekommen Morgen ein Schreiben von uns", sagte Pötzsch energisch und schloss die Debatte.

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