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Verfahren wegen Untreue gegen ehemaligen Jugendamtsleiter ist eingestellt

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Weißwasser. Das mit Spannung erwartete Verfahren wegen Untreue gegen den ehemaligen Leiter des kreislichen Jugendamtes in Niesky ist am Dienstag vom Amtsgericht Weißwasser gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 1000 Euro eingestellt worden. Das Gericht begründete die außergerichtliche Einigung damit, dass die Staatsanwaltschaft Görlitz von der Vielzahl der dem Angeklagten vorgeworfenen Taten letztlich nur zwei Untreuevorwürfe ermittelt hat, die noch nicht verjährt waren. Christian Köhler

Nur diese wurden am Dienstag verhandelt.

Die Taten soll er 2013 im Rahmen seiner privaten Tätigkeit als Schatzmeister des Schleifer Schützenvereins verübt haben. Wie Staatsanwalt Daniel Lakomy bei der Verlesung der Anklage ausführte, soll der Beschuldigte 200 Brötchen und 100 Softdrinks ins Görlitzer Landratsamt liefern lassen haben. Die Rechnung von etwa 320 Euro wiederum soll mit Geld des Schützenvereins bezahlt worden sein. Ebenfalls im Oktober 2013 soll sich der Angeklagte auf Vereinsrechnung 60 Flaschen Wein im Wert von 290 Euro an seine Privatadresse liefern lassen haben.

Verteidiger Carsten Brunzel regte an, das Verfahren gegen seinen Mandanten einzustellen, weil der entstandene Schaden dem Verein bereits ersetzt worden sei. Ferner sei eine zivilrechtliche Klage gegen den Angeklagten anhängig. Staatsanwalt Lakomy stimmte zu, das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldauflage einzustellen. Amtsrichter Ralph Rehm führte im Gericht aus, dass es im Prozess lediglich um diese beiden Tatvorwürfe ging.

Mit der Entscheidung nämlich überhaupt nicht einverstanden waren zahlreiche Zuschauer im Gerichtssaal. "Das ist Deutschland: Wenn einer über die rote Ampel fährt, wird er verknackt. Aber wenn ein Amtsleiter betrügt, wird alles unter dem Teppich gekehrt." Demgegenüber erklärte der Richter: "Der Angeklagte wird behandelt wie jeder andere auch." Der Beschuldigte selber wollte sich gegenüber der RUNDSCHAU nicht äußern. Sein Anwalt begrüßte die Entscheidung des Gerichtes: "Es ist zu keiner Verurteilung gekommen."

Der Schleifer Geschäftsmann Christof Hähnchen meinte: "Dass so ein Mann noch im Landratsamt als Ordnungsamtsleiter eingesetzt ist, ist eine Zumutung." Der Landkreis bestätigte auf Nachfrage, dass der ehemalige Jugendamtsleiter nun kommissarisch das Ordnungsamt leite. Die Leiterstelle ist derzeit ausgeschrieben und nach RUNDSCHAU-Informationen soll sich der Angeklagte darauf beworben haben. "Im Zusammenhang mit einer privatrechtlichen Verhandlung geben wir grundsätzlich keine Auskünfte", teilte der Landkreis mit.

Deutlich mehr dagegen erzählte Burkhard Nousch, ehemaliger Bauamtsleiter und einstiger Geschäftsführer des Schützenvereins in Schleife zwischen 2011 und 2014. Er wartete am Dienstag vor dem Gerichtssaal, um als Zeuge auszusagen. Weil das Verfahren eingestellt wurde, wurde er im Gericht nicht angehört. Dafür erklärte er der RUNDSCHAU seine Sicht der Dinge.

"Uns erklärte der Schatzmeister bei Vereinsversammlungen stets, wir seien nicht reich, aber dafür liquide." Der Verein habe im November 2013 mehr als 7000 Euro auf dem Konto gehabt. "Weil unser Platzwart jedoch keinen Lohn erhielt, überprüften wir das Konto. Dort fanden wir nur 2300 Euro vor", berichtete Nousch. Weitere Überprüfungen des Vereins führten zutage, dass die Schützen eine Rechnung für eben jene Brötchenlieferung ans Landratsamt beglichen. "Erklären konnte uns das der Schatzmeister nicht", so Burkhard Nousch.

Während des Ausschlussverfahrens des Kassenwartes fielen dem damaligen Vereinsgeschäftsführer zudem die Kassenbücher von 2006 bis 2013 in die Hände. Daraus habe sich ergeben, dass alle Originalbelege der Schießplatzbenutzung - und damit Vereinseinnahmen - vernichtet worden waren. "Ich vermute, dass dies zur Vertuschung geschehen ist", ist sich Nousch sicher. Er habe herausgefunden, dass zudem zwischen Oktober 2010 und Juli 2013 insgesamt 35 Abhebungen mit einer Vereins-EC-Karte getätigt worden waren, von denen der Vorstand nichts gewusst habe.

"Dabei geht es um insgesamt 9000 Euro", erklärte Nousch und ergänzte: "Auch von den Überweisungen in Höhe von 8800 Euro auf sein Privatkonto haben wir nichts gewusst." Zwar habe es jährliche Prüfungen der Kassenbücher durch Vereinsmitglieder gegeben, "aber wir können nur das prüfen, was uns der Schatzmeister vorlegt. Und einem Amtsleiter haben wir nicht misstraut." Ferner soll es Einkäufe in Baumärkte, einen fingierten Waffenverkauf und Essenslieferungen gegeben haben. Die Vereinsanwälte haben laut Nousch einen Schaden von insgesamt 25 000 Euro errechnet. Weil dies strafrechtlich verjährt sei, soll nun ein Zivilverfahren Klarheit bringen.