ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:24 Uhr

Kinder- und Jugendarbeit
Verein braucht für Neubau 1,4 Millionen Euro

Die Station Junger Techniker und Naturforscher in Weißwasser. Das Domizil ist in die Jahre gekommen und soll möglichst durch einen Neubau ersetzt werden.
Die Station Junger Techniker und Naturforscher in Weißwasser. Das Domizil ist in die Jahre gekommen und soll möglichst durch einen Neubau ersetzt werden. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Die Station Junger Naturforscher und Techniker feiert in diesem Jahr 65. Geburtstag. Ein neuer Vorstand wurde gewählt. Von Gabi Nitsche

Der Verein „Station für Technik, Naturwissenschaften, Kunst – Weißwasser e.V.“ will das Gelände an der Lutherstraße per Erbaupacht übernehmen. Dafür gab es bei der Mitgliederversammlung vor einigen Tagen ein eindeutiges Votum, berichtet Bernd Frommelt. Er leitet die Station Junger Naturforscher und Techniker, die in diesem Jahr ihren 65. Geburtstag feiert. „Der Antrag bei der Stadtverwaltung auf Übernahme läuft seit Herbst.“

In der Vergangenheit gab es viele Ideen, wohin der Verein mit der Station umsiedeln könnte, weil am jetzigen Domizil längst der Zahn der Zeit nagt. Doch geworden sei nichts. „Wir haben uns dann entschieden, wir bleiben hier, und der Stadtrat hat 2011 dazu die Grundsatzentscheidung beschlossen.“ Frommelt weiter: „Wir hofften, dass wir davon profitieren. Aber die Stadt hat ihre finanziellen Grenzen, und andere Vorhaben wurden mit einer höheren Priorität eingeschätzt.“ Sei es drum. Bernd Frommelt, der für KJiK im Stadtrat sitzt, betont: „Wir wollen uns selbst auf den Weg machen und uns um Mittel bemühen.“

Der Verein rechnet sich Chancen aus bei Stiftungen, die angesichts des akuten Fachkräftemangels die frühzeitige Berufsfindung unterstützen. Und die trifft auf den Verein zu. Gerade was den technischen Bereich angeht, ist die Station sozusagen einzigartig. „Es gibt kaum noch Einrichtungen, wo dieser Bereich eine solche Rolle spielt wie bei uns, wo sich so enthusiastische Leute engagieren. Meist geht es doch um Sport und Kunst“, weiß Sigmar Geier, der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Lohnt es, das jetzige Domizil noch zu sanieren? Bernd Frommelt verneint. „Realistisch sind der Abriss und ein Ersatz-Neubau. Laut Kostenschätzung braucht es etwa 1,4 Millionen Euro. Eine stolze Summe.“ Das bedeutet, dass der Verein bei Stiftungen und anderen Sponsoren viele Türklinken putzen muss. „Im Herbst waren wir dazu in Klausur und sind jetzt dabei die Raumkonzeption inhaltlich abzustimmen“, so Frommelt. Es gehe darum, dass der Neubau auch unterhalten werden muss, die Betreibungskosten nicht ausufern.

Der Verein zählt 80 Mitglieder, wobei etwa die Hälfte aktiv ist. „Aufgrund des Alters einiger Mitstreiter – unsere Gründung liegt ja nun schon einige Zeit  zurück – heißen wir interessierten Nachwuchs immer willkommen“, lädt Sigmar Geier zum Mitmachen herzlich ein. Jedes Jahr würden sich zwar neue Interessierte einfinden, aber auffallend sei, dass es selten von Dauer ist. Auch junggebliebene neue Ruheständler, die nun mehr Zeit für so etwas haben, können sich angesprochen fühlen.

Ein wichtiges Mitglied und Partner seit etwa sechs Jahren, so Bernd Frommelt, sei der Kultursofa-Verein aus Weißwasser. „Der macht sehr viel bei uns. Zum Beispiel das Kinderkino und Rock das Sofa gehören dazu und tun dem Vereinsleben gut.“ Das ist auch im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten anlässlich des 65-jährigen Bestehens der Station der Fall, kündigt Frommelt an. Alle fünf Jahre werde ja Geburtstag gefeiert, und oft richtete sich der Blick dabei zurück, was so alles gemacht und geschaffen wurde. „2018 zum Jubiläum machen wir das ganz anders. Wir wollen mehr nach vorn schauen, Visionen entwickeln, wohin die Reise künftig gehen soll.“ Neben der Festveranstaltung am 7. März gibt es am 23. Juni den Tag der Technik für interessierte Familien, Jung und Alt. Am 28. September folgt eine Tagung des Fachverbandes, bei der es überwiegend um die inhaltliche Ausrichtung geht.

Sicherlich seien die Arbeitsgemeinschaften die fachliche Grundlage für das Vereins-Engagement. „Aber sie spielen längst nicht mehr die Rolle wie es ja früher hier der Fall war.“ 1953 als außerschulischer Bereich gegründet, der aber eng mit der Schule verknüpft war, hat sich das Freizeitverhalten der Kinder vollkommen verändert im Laufe der Jahre. „Ja, wir haben noch neun Arbeitsgemeinschaften, zwei davon gehören zur Lernwerkstatt Natur im Tierpark, wie Modellbau, Digitaltechnik, Kfz-Technik und Kunst zum Beispiel. Aber wir gehen auch in die Schulen und Kitas.“ So sorgt der Verein für insgesamt acht Ganztagsangebote an Schulen in Weißwasser und an der Freien Schule Boxberg. In Kitas sind die „Umweltexperten“ Andrea Platzk, Manuela Marsch­ner und Margrit Müller unterwegs. „Die Hauptarbeit konzentriert sich jedoch auf deutsch-polnische Begegnungen und Feriencamps“, berichtet Bernd Frommelt und nennt die Namen Claudia Müller und Andrea Platzk, die hier vor allem Regie führen. Allein für das vergangene Jahr stehen laut Stationsleiter acht Feriencamps zu Buche plus verschiedene Wochenendangebote. International werde viel gemacht, dazu zählt auch ein deutsch-tunesisches Camp.

Wichtig ist dem Verein die langjährige Kooperation mit dem Zuseum Bautzen, eine Jugendeinrichtung im technischen Bereich, und der Hochschule Zittau-Görlitz. Gleichwohl gehören hier die finanziellen Unterstützer erwähnt. SPD-Bundestagesabgeordneter Thomas Jurk gehört dazu, der seit etwa 20 Jahren Monat für Monat einen Teil seiner Diäten dem Verein spendet. Oder Apotheker Martin Schüßler. 435 Euro brachte er Dienstag zur Station. „Das ist Geld vom Kalenderverkauf. Jeder Kunde bezahlt dafür 50 Cent, und wir reichen es für soziale Zwecke zu 100 Prozent weiter“, so Schüßler. „Gerade für solche Vorhaben wie unsere Feriencamps, wo wir die Kosten nicht mit Fördermitteln abdecken können, helfen uns solche Spenden sehr“, betont Frommelt. Er nennt als Beispiele die Kindermalwerkstatt in der ersten Winterferienwoche, die bereits ausgebucht ist, und die Technik-Themenwoche „Mission Weltall“ in der zweiten Ferienwoche. Hierfür sind Anmeldungen von Kindern ab zwölf Jahre bis zum Studentenalter noch möglich (Telefon 03576 290390).

Apotheker Martin Schüßler hat bei Stationsleiter Bernd Frommelt und Sigmar Geier, dem Vize-Vorsitzenden, Freude ausgelöst (v.l.n.r.).
Apotheker Martin Schüßler hat bei Stationsleiter Bernd Frommelt und Sigmar Geier, dem Vize-Vorsitzenden, Freude ausgelöst (v.l.n.r.). FOTO: Gabi Nitsche / LR
Auch die Bungalowsiedlung gehört zum Areal der Station an der Lutherstraße. Der Verein will mit der Stadt einen Erbbaupachtvertrag abschließen.
Auch die Bungalowsiedlung gehört zum Areal der Station an der Lutherstraße. Der Verein will mit der Stadt einen Erbbaupachtvertrag abschließen. FOTO: Gabi Nitsche / LR