| 02:45 Uhr

Verbotener Blickfang auf der Rakotzbrücke

Für dieses Foto erhielt der Münchner Lorenz Holder den "RedBull Illume Award 2016".
Für dieses Foto erhielt der Münchner Lorenz Holder den "RedBull Illume Award 2016". FOTO: Lorenz Holder
Gablenz. Der Münchner Fotograf Lorenz Holder hat den "Redbull Illume 2016" mit einem Foto von der Rakotzbrücke Kromlau gewonnen. Zu sehen ist, wie ein BMX-Fahrer auf dieser "herumturnt". Das sorgt für heftige Diskussionen, denn die Rakotzbrücke ist einsturzgefährdet und das Betreten streng verboten. Gabi Nitsche

In der Gemeinde Gablenz freut man sich über diese Art Werbung für den Kromlauer Park überhaupt nicht. Auch nicht, wenn das Foto superschön ist, und es dem Fotografen gelang, den Rhododendron-Park in schillernden Herbstfarben einzufangen. Aus Sicht von Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) sei es verwerflich, Gesetzesüberschreitungen auch noch zu belohnen. Denn es ist streng verboten, die denkmalgeschützte Rakotzbrücke zu betreten. Die alte "Dame", entstanden aus Basaltsteinen um 1860, ist einsturzgefährdet und muss dringend saniert werden.

Noack befürchtet, dass sich nun viele Nachahmer vom Siegerfoto des weltweit größten Wettbewerbs für Action- und Adventure-Sportfotografie motivieren lassen. Diese Befürchtungen teilen viele Einheimische mit dem Gablenzer, wie die heftige Diskussion zeigt, die zum Beispiel auf Facebook entfacht ist.

Lob und Kritik aus Weißwasser

Dort hatte Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) berichtet: Alle drei Jahre vergeben Experten den "RedBull Illume Award". In diesem Jahr haben sich 5645 Fotografen aus 120 Ländern beteiligt und insgesamt 34 624 Bilder eingereicht. Die Preisvergabe fand am 28. September in Chicago statt. Mit seinem Foto gewann der Münchner Lorenz Holder in der Gesamtkategorie "Masterpiece by Yodobashi" (eine Kombination aus Action und Abenteuer in der Sportfotografie). Sein stimmungsvolles Bild, das den Athleten Senad Grosic mit seinem BMX-Rad auf der Kromlauer Rakotzbrücke zeigt, hat die meisten Stimmen der 53-köpfigen internationalen Jury bekommen. Pötzsch betont, dass es sich um eine der wohl skurrilsten wie auch schönsten Brücken Europas handele. Diese weltweite Aufmerksamkeit sei für ihn beeindruckend.

Jedoch Pötzsch kritisiert im selben Atemzug, dass über die Schattenseiten nicht berichtet werde. Zum Beispiel, dass die Gemeinde Gablenz die Verkehrssicherungspflicht im Kromlauer Park nur schwer gewährleisten könne. Hinzu komme das Verbot, die Brücke zu betreten. Der Weißwasseraner OB appelliert, mitzuhelfen, den Kromlauer Park mit seinem Symbol - die Rakotzbrücke - zu erhalten, sodass sich noch viele Menschen an diesen mystischen Ort erfreuen können. "Vielleicht bringen dieser Preis und die verbundene Aufmerksamkeit doch Geld für den Erhalt des Parks. Das wäre vielleicht auch eine Geschichte für den Auslober dieses Fotopreises - den Getränkehersteller Red Bull", regt Pötzsch an.

Zu seinem Facebook-Eintrag gab es viel Zustimmung, viel Lob für das Foto an sich. Aber die Mehrheit scheint sich einig zu sein, dass es falsch ist, ein Verbot zu ignorieren. So schrieb Dirk Thorausch, Mitglied des Gablenzer Gemeinderates, unter anderen und reagierte auch auf ein gepostetes Foto eines Surfers im Raktozsee: "Die Frage ist: Wie jetzt damit umgehen? Anzeige gegen den Fotografen und den Biker bzw. Surfer oder hinnehmen? Wenn so was Schule macht und auch noch gelobt bzw. belohnt wird dann ‚Gute Nacht' Rakotzbrücke". Arian Leffs riet in seinem Kommentar: "Macht ein Schreiben fertig, wo ihr den Zustand des Parks und der Brücke darstellt, dazu eine Liste der notwendigsten Maßnahmen, um Park und Brücke zu erhalten. Dann zusammen mit dem Foto an den ‚Ausrichter' des Fotowettbewerbs senden ..."

Für das Natur- und Reiseportal Geo war der OB-Kommentar Anlass, darauf hinzuweisen, dass das Siegerfoto auch kritisch gesehen werde.

Noack: Schlechte Park-Werbung

"Wir werden etwas unternehmen", kündigt Bürgermeister Dietmar Noack an. Es könne nicht sein, dass jemand mit Geld belohnt werde, der sich nicht an Gesetze oder Verbote halte. So ein Foto sei nicht die Werbung, die der Kromlauer Park brauche. Er befürchtet, dass eine Brückensicherung unvermeidlich wird.

Dass der Gemeinderat intensiv an einer Parkordnung samt Gebührensatzung arbeitet, ist kein Geheimnis. Nur so würden sich Verstöße, zu denen es in der Vergangenheit gehäuft kommt, entsprechend ahnden lassen. Ob die Gemeinde dazu Parkranger einstellen müsste, die die Kontrolle wahrnehmen, darauf gibt es derzeit noch keine Antwort. Auch das ist eine Frage des Geldes.

Dirk Thorausch setzt auch auf anwaltlichen Rat, denn die Marke "Rakotzbrücke" hat sich Gablenz vor einiger Zeit schützen lassen.

Zum Thema:
Die Rakotzbrücke in Kromlau wurde in den Jahren um 1860 in zehnjähriger Bauzeit von Friedrich Hermann Rötschke errichtet, als dieser den Park schuf. Die Brücke besteht aus Basalt- und Feldsteinen und reicht über den etwa 35 Meter breiten Rakotzsee. Seit Jahrzehnten wird die Brücke als Fotomotiv auserkoren. Nicht nur von Brautpaaren, sondern verstärkt von Touristen aus aller Welt.