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Uralte Hortensien können wieder frei atmen

Anette Mudra (l.) und Karsten Kunaschk beseitigen den lästigen Knöterich von den uralten Hortensien.
Anette Mudra (l.) und Karsten Kunaschk beseitigen den lästigen Knöterich von den uralten Hortensien. FOTO: amz1
Uhyst. Gut 20 Freiwillige haben sich am Sonnabend zum mittlerweile sechsten Uhyster Parkseminar getroffen. Während des Arbeitseinsatzes ist im schlossnahen Teil des insgesamt knapp 15 Hektar großen Ensembles ordentlich rangeklotzt worden. amz1

Beispielsweise an dem kleinen Abzweig der Spree in Sichtweite des Barockschlosses, das Friedrich Casper Graf von Gersdorff in den Jahren von 1738 bis 1742 erbauen ließ, packen die Freiwilligen kräftig zu. Dort leisten Karsten Kunaschk, der bei Parkfesten in das Kostüm des Grafen schlüpft, und Anette Mudra Schwerstarbeit. Schließlich droht der japanische Knöterich die dortigen beiden Hortensien zu überwuchern. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Hortensien, sondern um Sachsens älteste, wie Landschaftsarchitektin Kathrin Franz weiß. Sie hat für das Parkseminar fachlicherseits den Hut auf.

Vom Knöterich bedrängt

Die Expertin schätzt das Alter der beiden Gewächse auf rund 160 Jahre. Der Knöterich, eine invasive Pflanze, droht jedoch die beiden "Methusalems" regelrecht totzuwachsen. Behutsam agieren Karsten Kunaschk und Anette Mudra mit ihren Hacken und Spaten im Boden rund um die Hortensien, um dort die Wurzeln des unerwünschten Knöterichs zurückzudrängen. Allerdings reichen diese mehrere Meter in die Erde. Doch am Ende des Tages stehen die beiden Hortensien wieder frei und können ungestört atmen.

Hautnah an den Blüten
Einen Steinwurf entfernt ist Pflanzzeit. Reinhard Schatte, Reinhard Bandemer, Franz Schwoibe sowie Gemeindearbeiter Andreas Jando auf seinem Radlader wollen einen Rhododendron-Strauch unmittelbar hinter einer Parkbank einpflanzen. Das Gehölz war kurz vorher an anderer Stelle ausgegraben worden, da es dort nicht zur Geltung kam. Behutsam gehen die Männer mit dem Rhododendron um. Dank ihrer Arbeit können die Nutzer der Parkbank künftig die Blüten des Gewächses hautnah genießen.

Auch auf den Wegen wird tüchtig geackert. Oder besser gesagt, gerupft. Denn es gilt, das dort im Laufe des Jahres gewachsene Unkraut zu entfernen. Zudem werden wild aufgekommene Spitzahorne mittels Freischneider entfernt. Ebenso diverse Wiederaustriebe gefällter Bäume.

Indes plant der Uhyster Heimatverein, der Initiator der Parkseminare, bereits für die Zukunft. Denn im kommenden Jahr, so erklärt Mitglied Jörg Mudra, seien weitere Pflegearbeiten vorgesehen. Derzeit befänden sich die Uhyster in Verhandlungen mit den Peitzer Fischern, die die dortigen Teiche bewirtschaften. Dabei gehe es um Arbeiten im hinteren Parkteil, der sich derzeit eher als dichter Wald mit eingesprengelten Gewässern denn als Park präsentiert.

Puttensanierung

Darüber hinaus seien für das Jahr 2018 mittels Fördergeldern weiterreichende Restaurationen geplant. Und zwar sollen die insgesamt fünf historischen Putten fachmännisch aufgearbeitet werden. Wind und Wetter haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. Mehr noch: Auch der Brunnen vor dem Schloss werde seine Sanierung erfahren. Zum diesjährigen kleinen Parkfest hatten mehrere Protagonisten des Heimatvereins das Ensemble für mehrere Stunden wieder in Betrieb genommen.

"Klar wäre es das Ideale, würde der Park mittelfristig wieder so aussehen, wie bei seiner Anlage im 18. Jahrhundert ", merkt Jörg Mudra an. Doch das sei eine Illusion, da dafür die Kräfte bei Weitem nicht ausreichten. Zumindest der schlossnahe Teil solle wieder entsprechend hergerichtet werden. Allerdings ganz behutsam.

55 Brutvogelarten

Schließlich besitze das Ensemble eine nicht zu unterschätzende naturschutzfachliche Bedeutung. So leben an den rund 300 Jahre alten Eichen mehrere Hundert verschiedener Tiere. Nicht zuletzt sind im Gelände 55 Brutvogelarten nachgewiesen. "Der Uhyster Park ist ein wichtiges Geschichtszeugnis. Denn wo gibt es in der Region einen vergleichbaren, mehrere Hundert Jahre alten Park", bringt Kathrin Franz die Bedeutung des Ensembles für die Region auf den Punkt.