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| 08:55 Uhr

Update: Windhose fegt über Halbendorfer FKK-Strand

FOTO: Nitsche
Halbendorf. Sonntag ist nach 17 Uhr eine Windhose über einen Teil des Halbendorfer Sees gefegt und wütete vor allem am FKK-Strand und FKK-Campingplatz. Dass dabei kein Mensch verletzt wurde, grenze schon an ein Wunder, ist Dauercamper Michael Piéc überzeugt. Gabi Nitsche

Gudrun und Ralf Thomas wohnen nur wenige hundert Meter vom Halbendorfer See entfernt. Sonntagnachmittag saßen sie in ihrem Wintergarten, tranken gemütlich mit Tochter und Enkelkindern Kaffee. "Plötzlich braute sich über dem See etwas zusammen, wirbelte höher und riss Wasser mit sich hoch", beschreibt Gudrun Thomas ihre Beobachtungen. Da sie so etwas schon in Ungarn erlebten, ahnten beide Schreckliches. "Der Wind drehte sich in Sekundenschnelle, und wir bekamen mächtig Angst um unser Haus, haben schnell sämtliche Rollos runtergelassen." Bäume auf dem Grundstück knickten um. "Von einer großen Tanne brach die Spitze ab und krachte haarscharf an den Autos bei uns vorbei. Das war genau die Tanne, in die am 11. Juni schon der Blitz gewaltig eingeschlagen hatte. Der hatte so viel Gewalt, dass Laptop und Telefonanlage zerschmorten", erinnert sich Gudrun Thomas. Auch bei den Nachbarn richtete der Sturm Schäden an Grundstücken an.

Es sei nur eine Minutensache gewesen. "Erst hörte ich nur ein Rauschen, und dann polterte und krachte es ringsherum", schildert Dauercamper Michael Piéc. In einem Bereich von knapp 100 Meter Breite wütete der Sturm und brach starke Bäume wie Streichhölzer um. Vordächer wurden aus den Verankerungen gerissen und wie ein Stück Papier zerfetzt oder flogen durch die Gegend.

"Als wenn ein Zug über unseren Hänger fährt, so krachte das plötzlich", berichtet Familie Behne. Noch zwei Stunden später sitzt der Schreck dem Ehepaar in den Knochen. "Das Vorzelt hat sich einmal über unseren Wohnwagen überschlagen samt Gestänge. Jetzt ist alles kaputt", so die Bad Dübener.

Familie Coppi aus Apolda ist Sonntag erst angekommen und freute sich auf anderthalb Wochen an diesem schönen See und den vielen Ausflugsmöglichkeiten. "Wir sind gerade vom Countryfest in Daubitz-Walddorf zurück und fanden die böse Überraschung vor. Das Vorzelt hat es total zerlegt, das Inventar ist dahin. Die Fahrräder lagen vorn im Gebüsch. Nur gut, dass wir mit dem Auto unterwegs waren. Wer weiß, was sonst noch passiert wäre", sagt Heiderose Coppi. Doch ihren Urlaub wollen sie sich davon nicht vermiesen lassen. "Das kriegen wir hin", ist ihr Mann Reiner überzeugt. Dann räumen sie ihre Habseligkeiten weiter auf, sortieren die beschädigten Sachen aus, auch die Kaffeemaschine. "Wenn die Schmidts und die anderen netten Camper nicht gewesen wären, hätten wir das nicht bewältigt", räumt Heiderose Coppi ein und ist von Herzen dankbar. Uwe Schmidt winkt ab. Sich gegenseitig zu helfen, das sei hier normal. Es werde niemand alleingelassen. "Ja, da sind schon viele Tränen heute hier auf dem Platz geflossen", schiebt er nach. Auch er gehörte zu den Campern, die kurz zuvor noch in Daubitz weilten, dort viel Spaß erlebten und sich amüsierten. Und dann das.

Erst hätte es nur leicht geregnet, und dann schlagartig nur so gekracht. Michael Piéc meint, es sei wie ein Mini-Tornado gewesen, wie man ihn aus dem Fernsehen kenne. Heidi Pohling zeigt auf den Strandbereich, wo die Böe durchmarschiert sei. "Die Boote da unten hat es über den Steg auf die andere Seite geschleudert." Die Dauercamperin war schon auf dem Nachhauseweg nach Cottbus, als sie von anderen Campern zurückbeordert wurde. Mit Bleifuß kamen auch Beckers aus Dresden nach Halbendorf angesaust. "Wir waren an diesem Wochenende nicht hier, da wir im Hausbau stecken", berichtet Klaus Zimmer. Er ist entsetzt, was die Windhose angerichtet hat. Sein Vorzelt hat es samt Spannfeder und Sturmgurt aus dem Boden gerissen.

Auch Familie Zimmer hat es erwischt. "Gegen 15.30 Uhr hat unser Urlaub heute begonnen, da haben wir zuhause angerufen, dass alles super ist, und dann das." Die Familie aus Roßwein zeigt auf die Markise, die völlig hinüber sei. Sie flog im hohen Bogen über andere Campingwagen. Nun liegen die Reste zusammengerollt unter dem Wohnwagen - für die Versicherung. Tapfer blickt Sigrid Grosa auf die kaputten Tische, Stühle und Schirmständer von ihrem Imbiss. Alles kaputt. "Und das kurz vor meinem 70. Geburtstag, den wir hier doch zusammen feiern wollen." Die zupackende Weißwasseranerin verzagt trotz der Schäden nicht. Für sie steht fest: " Gefeiert wird trotzdem."

Sie und die Camper sind trotz der Schäden, der bangen Minuten, der Angst um Hab und Gut dankbar, dass kein Mensch zu schaden kam. Das betont auch See-Chef Lothar Ahr. "Gegen solche Wetterunbilden ist eben niemand gewappnet." Er und sein Team unternehmen alles, damit sich die Urlauber wohlfühlen. Und so sind Motorsägen derzeit die wichtigsten Arbeitsgeräte. So schnell wie möglich soll das Holz der umgestürzten Bäume geborgen und alles wieder hergerichtet werden.