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| 18:30 Uhr

Angst um Rakotzbrücke
Nur mit Führung zum Rakotz?

Immer wieder klettern Unbelehrbare über die Absprerrung zum Rakotzsee.
Immer wieder klettern Unbelehrbare über die Absprerrung zum Rakotzsee. FOTO: LR / Christian Köhler
Kromlau. Trotz Absperrung wollen Besucher zur Kromlauer Brücke. Das führt zu weitreichenden Ideen. Von Christian Köhler

Zum gesamten Rakotz-Ensemble im Kromlauer Rhododendronpark gibt es derzeit – und sicher auch in den nächsten Jahren – keinen Zugang. Rings um den Rakotzsee sollen Bauzäune das einsturzgefährdete Denkmal und die künftigen Sanierungsarbeiten eigentlich vor unerlaubtem Zutritt schützen. Das allerdings stört die gerade im Sommer und Herbst in Strömen anreisenden Besucher wenig. Mehrere Zäune sind bereits dermaßen in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie zum Teil ersetzt werden mussten. Immer wieder beobachten nämlich der Bürgermeister, Gemeindebedienstete und Anwohner, wie sich Besucher aufschwingen, um über die Absprerrung zu klettern.

„Es müssten drakonische Strafen ausgesprochen werden“, sagt Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) während der Gemeinderatssitzung in Gablenz am Montag, „um endlich wirksam dagegen vorzugehen.“ Ihn ärgert die Unvernunft einiger Besucher. Schließlich unternimmt die Gemeinde einen Kraftakt, um das Landschaftsdenkmal mit Brücke, Grotte und Basaltstele samt Park zu erhalten. Noch am vergangenen Wochenende ist Noack gemeinsam mit seinem Sohn einmal komplett um den Rakotzsee in Kromlau gelaufen: „Wir haben dort die Bauzäune wieder gerichtet, haben endlos viele Drähte wieder gerade gebogen“, erzählt er.

Allein, es hilft alles nichts. „Unsere aufgestellten Schilder werden ignoriert, demontiert oder zerstört“, sagt Noack. Er ist sich sicher, man bräuchte eigentlich Aufsichtspersonal, das die Denkmäler vor dem unerlaubten Zutritt schützt. „Aber das können wir uns nicht leisten“, gesteht der Bürgermeister. Auch das Ordnungsgeld, das einige bereits zahlen mussten, als sie beim Überwinden der Absperrung und gar beim Betreten des Ensembles erwischt wurden, störe nur die wenigsten. „Man könnte vielleicht die Polizeiverordnung von Bad Muskau anpassen“, schlägt Neugemeinderätin Karin Krahl vor, „um die Ordnungsgelder deutlich zu erhöhen.“ Sie ist sich sicher, wenn nach der „eins“ mehrere Nullen stehen, überlegen es sich die „Unvernünftigen“ zweimal, ob sie auf die Rakotzbrücke wollen.

Dabei sind die anstehenden Sanierungsarbeiten noch das scheinbar geringste Problem. Denn, so wirft Dietmar Noack die Frage auf, „was wird passieren, wenn alles fertig saniert ist?“ Wie sollen dann Unvernünftige davon abgehalten werden, auf der Brücke herumzuklettern? In einer ersten Diskussionsrunde mit den Ingenieurbüros, die mit der Sanierung beauftragt sind, seien schnell Vergleiche mit dem in England liegenden Stonehenge gefallen. Auch dort war das Problem, dass Gäste auf der Tausende Jahre alten Steingruppe herumkletterten, nicht in den Griff zu bekommen. „Nun ist es weiträumig abgesperrt, und man kommt nur noch über Führungen dorthin“, berichtet der Bürgermeister. Das Problem des widerrechtlichen Betretens bestehe nun in Stonehenge nicht mehr.

Es sei zwar nicht gesagt, dass man in Kromlau auch so verfahren will, „aber wir brauchen eine Lösung für die Zukunft“, richtet sich Noack an die Gemeinderäte. Von ganz alleine, da sind sich auch die Gablenzer Abgeordneten einig, wird sich das Problem jedenfalls nicht lösen lassen.