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Unternehmer fürchten in Weißwasser um ihre Sicherheit

Neben Einbrüchen in Büroräume treten Eigentumsdelikte bei Unternehmen vor allem in der Baubranche auf.
Neben Einbrüchen in Büroräume treten Eigentumsdelikte bei Unternehmen vor allem in der Baubranche auf. FOTO: Andrey Popov/Fotolia
Weißwasser. Beim ersten Sicherheitsstammtisch in Weißwasser hatten hiesige Unternehmer die Gelegenheit, mit der Polizei und der Dresdener Handwerkskammer ins Gespräch zu kommen. Die Polizei hofft, auf diesem Weg eine stärkere Zusammenarbeit mit den Firmeninhabern anzuschieben. Christian Köhler

Eine Studie der Handwerkskammer Dresden (HWK) im vergangenen Jahr hatte gezeigt, dass knapp die Hälfte aller befragten Unternehmer des Landkreises Görlitz die Sicherheitslage als schlecht einstuft. Dabei, so Polizeipräsident Conny Stiehl, seien die objektiv registrierten Firmeneinbrüche 2015 und "der Tendenz nach auch 2016" im Landkreis und im Raum Weißwasser zurückgegangen. Allerdings seien die Schadenssummen durch Einbrüche gestiegen (2015: 995 000 Euro). Mit konkreten Zahlen für 2016 sei Ende Februar zu rechnen.

"Wir möchten von Ihnen wissen, was wir an unserer Arbeit verbessern können", richtete sich die Bürgerreferentin der Polizei Monika Küttner an die gut 30 Firmeninhaber, die am Donnerstagabend zum ersten Sicherheitsstammtisch nach Weißwasser gekommen waren. "Ich bin mit der Polizeipräsenz zufrieden", entgegnete Sören Flint, der in Weißwasser einen Reifenservice betreibt. Er wünsche sich dagegen, dass die Stadt und der Kreis die Hürden, aus ehemaligen Betrieben Wohngebäude zu machen, herabsetzt. "Die beste Bewachung ist das Bewohnen", so der Weißwasseraner.

Ein gänzlich anderes Bild der Sicherheitslage zeichnete Ulrich Gojowczyk aus Bad Muskau: "Wir werden ständig Opfer von Einbrüchen und Diebstählen", sagte er. Dem Heizungsbauunternehmen hätten Unbekannte einen Transporter samt Werkzeug gestohlen. Allein das Werkzeug zu ersetzen habe 8000 Euro gekostet. "Und mehrere Tage konnte ich nicht zu den Kunden fahren", ärgerte sich Gojowczyk. Die Sicherheitslage im Grenzgebiet sei eine "Zumutung". Ein kleiner Betrieb könne solche Kosten kaum ausgleichen. Zumal, so der Bad Muskauer weiter, nicht jeder Einbruch in den Medien zu finden sei, "um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen", mutmaßte er.

Der Weißwasseraner Buchbinder Hubert Gotzmann sieht vor allem bestehende Gesetze kaum angewandt. "Diebe sind doch bei uns kaum Risiken ausgesetzt. Man muss viel härter durchgreifen." Das sieht auch Dr. Knut Scheibe aus Markersdorf so: "Die Justiz ist schlecht. Wenn mir Polizisten erzählen, wenn sie abends nach Hause kommen, ist der, den sie tagsüber verhaftet haben, schon wieder auf freiem Fuß, frage ich mich, wo wir leben." Die Politik, da waren sich die Selbstständigen einig, müsse endlich handeln.

Polizeipräsident Conny Stiehl könne den Ärger der Unternehmer gut verstehen. Er erklärte jedoch, "dass wir als Polizei an Gesetze gebunden sind". Er halte auch keine Informationen zurück. Die Polizei tue alles Menschenmögliche, Informationen zu verbreiten. Allerdings könnten Beamte auch nur dann handeln, wenn sie auch wissen, dass es Einbrüche gab. Obwohl 70 Prozent der Eigentumsdelikte laut Stiehl im Kreis nicht aufgeklärt werden, sei es wichtig, sich an die Polizei zu wenden. "Auch wenn es Sie Zeit kostet, aber vielleicht finden wir an einem Tatort genau das Mosaiksteinchen, was uns an einem anderen gefehlt hat", bekräftigt Monika Küttner. Conny Stiehl fordert deshalb: "Bringen Sie jeden Einbruch und Diebstahl zur Anzeige."

Die Polizei und auch die HWK bekräftigten in diesem Zusammenhang, verstärkt auf Präventionsarbeit zu setzen. "Ich möchte, dass künftig ein Beamter jedes Unternehmen vor Ort in Sicherheitsfragen berät", versprach der Polizeipräsident. Er wisse, dass es Kriminalität immer geben wird. Deshalb sei es wichtig, vorzusorgen und sich entsprechend zu sichern. Werner Genau, Dezernent des Landkreises, forderte dabei vom Freistaat, mittelständische Unternehmen zu fördern, die in ihre Sicherheit investieren. "Hier müsste Sachsen einen eigenen Weg gehen", so Genau, "immerhin gibt es ein ähnliches Programm für Privatleute." Es sei schlicht eine Frage des politischen Willens.

Zum Thema:
Die Handwerkskammer Dresden (HWK) hat gemeinsam mit der Polizei eine Allianz für Kriminalitätsprävention gegründet. Die HWK hat auf ihrer Internetseite www.hwk-dresden.de dazu mehrere Checklisten zusammengestellt, Firmen(grundstücke) gegen Einrüche zu sichern. Für gewünschte Vor-Ort-Beratungen oder sonstige Fragen können sich Bürger und Unternehmer an die Polizei unter Telefon 03581 4682041 wenden.