Von Regina Weiß

Es ist sieben Monate her, dass es zwischen Boxberg und Weißwasser auf der B 156 den schlimmsten Unfall des Jahres 2018 im Kreis Görlitz gegeben hat. Drei Menschen kommen bei dem Frontalcrash zweier Pkw auf gerader Strecke ums Leben. Den Helfern von Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehren bietet sich an diesem 18. September ein Bild des Grauens. Die Autos sind nur noch Metallklumpen... Sechs Insassen müssen geborgen werden. Zwei Männer, 75 und 66 Jahre alt, sterben noch vor Ort. Eine 74 Jahre alte Frau erliegt nur wenige Stunden später ihren Verletzungen.

Noch heute sind die Unfallspuren auf dem Asphalt sichtbar. Doch die meistern nehmen sie wahrscheinlich gar nicht mehr wahr, wenn sie über die „Rennstrecke“ B 156 „fliegen“.

Der Unfalldienst der Polizeidirektion Görlitz hatte auch in dem Fall die Ermittlungen sofort aufgenommen. „Warum einer der beiden Autofahrer in den Gegenverkehr geriet und dadurch den tragischen Unfall heraufbeschwor, konnte leider nicht mit letzter Gewissheit geklärt werden“, so Thomas Knaup, damals Pressesprecher der Polizeidirektion Görlitz, auf RUNDSCHAU-Frage.

Die drei Todesopfer vom Unfall auf der B 156 gehören zu den 37 Verkehrstoten, die im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Görlitz zu beklagen sind. In den Landkreisen Görlitz und Bautzen kommen damit 15 Menschen mehr ums Leben als im Vorvorjahr 2017.

Dabei ist die Gesamtzahl der Unfälle rückläufig. Waren es 2009 noch 17 758 Unfälle, so verzeichneten die Beamten für 2018 nur noch 15 642 Verkehrsunfälle. Das sind 927 weniger als 2017, vermeldet die Polizeidirektion Görlitz in diesen Tagen. Allerdings ist die Anzahl der Unfälle mit Verletzten leicht angestiegen, um 37 auf 1911. Sie bewegt sich aber noch unter dem Niveau von 2009 mit 2115. 576 Personen erlitten schwere und 1875 Verkehrsteilnehmer leichte Verletzungen. Im Durchschnitt haben die Polizisten in der Polizeidirektion Görlitz 43 Verkehrsunfälle am Tag aufgenommen. Die meisten Crashs gab es im Dezember und Mai.

Der Leitende Kriminaldirektor Klaus Hecht, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Görlitz und in dieser Funktion gleichzeitig Vertreter des Leiters der Polizeidirektion, fasste die wichtigsten Kernaussagen zusammen: „Es ist erfreulich, dass die Unfallzahlen auch 2018 wieder gegenüber dem Vorjahr sinken. Jedoch bereiten uns als Polizei die annähernd gleichbleibenden Zahlen von Unfällen mit Verletzten und der traurige Wert von 37 Verkehrstoten Sorgen. Jeder Verletzte und jeder durch einen Verkehrsunfall Verstorbene ist einer zu viel.“ Deshalb setze die Polizei weiterhin auf Verkehrsüberwachung.

Als Hauptunfallursache bei Unfällen mit Personenschaden ermittelten die Beamten im Jahr 2018 Vorfahrtsfehler mit einem Anteil von etwa 20 Prozent. Danach folgten der zu geringe Abstand (13 Prozent) und die nicht angepasste Geschwindigkeit (elf Prozent) sowie Fehler beim Abbiegen (neun), Fahren unter Einfluss von Alkohol (sechs) und falsches Überholen (3 Prozent).

Bei den jungen Fahrern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren sind der ungenügende Sicherheitsabstand und die nicht angepasste Geschwindigkeit als wesentliche Ursache für die 327 Verkehrsunfälle mit Personenschaden zu nennen, teilt die Polizeidirektion mit. Darunter waren bei den jungen Fahrern drei Tote, 55 Schwerverletzte und 219 Leichtverletzte. Junge Fahrer waren an insgesamt 1961 Unfällen beteiligt.

Die Generation 65+ hatte im vergangenen Jahr hauptsächlich durch Vorfahrtsfehler, falsches Abbiegen und unzureichendem Abstand die Hauptunfallursachen gesetzt. Die älteren Verkehrsteilnehmer waren an 560 Unfällen mit Verletzten und an insgesamt 3811 Karambolagen beteiligt. Bei den 560 Unfällen mit Verletzten/Getöteten waren 19 verstorbene Senioren, 151 Schwerverletzte und 281 Leichtverletzte der Generation 65+ zu beklagen.

In den Landkreisen Bautzen und Görlitz gab es 2018 insgesamt 131 Verkehrsunfälle mit Kindern im Alter bis 14 Jahre. Bei 112 Unfällen zogen sich Kinder Verletzungen zu.

187Motorradfahrer waren im vergangenen Jahr an Unfällen beteiligt. Bei 138 Unfällen verletzten sich hierbei 75 Biker. Ein Kradfahrer verstarb an den Unfallfolgen. 2017 waren es fünf Motorradfahrer.

Im Jahr 2018 verloren neun Radfahrer ihr Leben. Insgesamt kam es im vergangenen Jahr zu 668 Unfällen mit den Fahrradfahrern. In 528 Fällen verletzten sich die Nutzer der Drahtesel hierbei. Sie waren 283 Mal die Verursacher des Unfalls.

Die Polizeibeamten nahmen im vergangenen Jahr 3215 Verkehrsunfälle mit Unfallflucht auf. Davon klärten die Ermittler rund 43 Prozent auf. Das entspricht etwa jeder zweiten von fünf Unfallfluchten.