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Umsiedler aus Schleife und Trebendorf starten Petition

Schleife/Trebendorf. Jens Blatt, Ralph Born, Hartmut Dainz, Göran Koall, Michael Weber wohnen in Trebendorf oder Schleife beziehungsweise sind dort Unternehmer. Eins eint die Männer – sie sind Umsiedler, wenn Vattenfall den Tagebau Nochten II betreibt. pm/ni

Doch das sieht der Konzern nach den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) infrage gestellt.

Das nehmen die sechs Männer nicht hin. Sie haben jetzt eine Unterschriftenaktion für eine Petition gestartet. Die soll der sächsischen Landesregierung übergeben werden. Die Unterzeichner fordern: "Sofortige Entscheidung der Landesregierung, wann und wie umgesiedelt wird. Gleichzeitig fordern wir den Energiekonzern Vattenfall auf, seine soziale Verantwortung für unsere Region wahrzunehmen."

In der Petition heißt es: "Wir, als betroffene Einwohner der Gemeinden Trebendorf und Schleife, müssen jetzt zur Kenntnis nehmen, dass wir trotz der seit 2008 laufenden Vorbereitung zur Inanspruchnahme des Abbaugebietes II des Tagebaus Nochten und dessen Genehmigung durch die Landesregierung Sachsen vor einem Scherbenhaufen unserer familiären und beruflichen Lebensplanung stehen."

Das bergbaubetreibende Unternehmen Vattenfall will sich trotz jahrelanger gegenteiliger Beteuerungen aus der Braunkohlenförderung in der Lausitz verabschieden, so die Unterzeichner. Die Gründe dafür seien nicht nur in den Entscheidungen der Regierung in Stockholm zu suchen, sondern vor allem in dem "Zick-Zack-Kurs" der gegenwärtigen Bundesregierung hinsichtlich Klimapolitik in Deutschland. "Wenn man noch im Herbst vergangenen Jahres beteuert, dass ein gleichzeitiger Ausstieg aus Atom- und Kohleenergie nicht vorstellbar sei, kann man im selben Atemzug nicht von Stilllegung und Klimaabgabe für Kohlekraftwerke sprechen", stellen Jens Blatt & Co. fest. Eine langfristige Planung der Kohleförderung und -verwertung in der Lausitz sei so schier unmöglich.

Die wirtschaftlichen Folgen einer sofortigen Abkehr von der Braunkohleförderung seien ihrer Meinung nach für die hiesige Region verheerend. In diesem Ränkespiel zwischen wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens und "Klima-Politik" der Bundesregierung seien die potenziellen Umsiedler zum Spielball geworden. Das sei so nicht hinnehmbar. "Denn der ‚Spieleinsatz' sind unsere Anwesen, unsere weitere berufliche, familiäre und persönliche Lebensplanung." Viele Umsiedler haben, im Vertrauen auf die zeitnahe Umsiedlung bereits neue Eigenheime gebaut. Sie haben Grundstücke gekauft oder Anwesen außerhalb des Abbaugebietes erworben beziehungsweise schon mit der Planung ihrer neuen Anwesen in den vorbereiteten Ansiedlungsstandorten begonnen, heißt es in dem Schreiben.

In den Dörfern sei ein gesellschaftlicher Stillstand eingetreten, der Betroffene nicht nur krank mache, sondern auch schon getroffene familiäre und berufliche Entscheidungen und Perspektiven infrage stelle.

Die Landesregierung Sachsen als genehmigende Institution müsse diesem "Spiel" ein Ende machen.