Die Lausitzer leben gern in ihrer Heimat und wollen Strukturwandel mitgestalten. Das ist  nach Angaben des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung das Ergebnis einer Umfrage, bei der im Dezember etwa 1000 Personen ab 18 Jahren in den Landkreisen Bautzen und Görlitz befragt worden waren.
 Demnach sieht sich die Mehrheit der Menschen im sächsischen Teil der Lausitz als Oberlausitzer, lebt gern in ihrer Heimatgemeinde und ist stolz auf diese.
„Sie möchten, dass die Lausitz Energieregion bleibt und halten es für wichtig, dass sich die Menschen aktiv in die Gestaltung des Strukturwandels einbringen“, fasst das Ministerium die Ergebnisse zusammen, räumt aber ein, dass die „wirtschaftliche Lage sowie die Perspektiven für die junge Generation werden dabei regional sehr unterschiedlich bewertet“ werden.
Die Umfrage geschah im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung und sollte Einstellungen und Identifikation der Menschen zu und mit ihrer Heimatregion untersuchen.
„Die Ergebnisse zeigen die tiefe Verbundenheit der Menschen in der Lausitz mit ihrer Region. Sie verdeutlichen aber ebenso, dass die jungen Menschen gute Zukunftsaussichten in der Lausitz brauchen“, sagte Staatsminister Thomas Schmidt (CDU). Gleichzeitig habe die Umfrage deutlich gemacht, dass es den Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist, sich aktiv in die Gestaltung des Strukturwandels einzubringen.
„Hier sehen wir unseren Auftrag: Eine Voraussetzung für den Erfolg des Strukturwandels ist, die Menschen in den Revieren in die Veränderungsprozesse einzubinden.“ Deshalb wolle man einen Beteiligungsprozess ermöglichen, der die Kommunen dabei unterstützt, Ideen und Empfehlungen aus Wirtschaft und Gesellschaft bei der Entwicklung und Auswahl der Strukturwandel-Projekte zu berücksichtigen.

Region gilt als attraktiv und lebenswert

Die absolute Mehrheit der Befragten empfindet die Region Lausitz als sehr attraktiv (89 Prozent) und ist stolz (81 Prozent) auf die Gemeinde oder Stadt, in der sie leben. Diese hohe Identifikation mit ihrer Region zeige  sich sowohl bei den Menschen, die ihr gesamtes Leben in der Lausitz verbracht haben (82 Prozent), als auch bei den Rückkehrern (79 Prozent) und den Zugezogenen (76 Prozent).
Die meisten Befragten (65 Prozent) identifizieren sich demnach in ihrem regionalen Zugehörigkeitsgefühl als „Oberlausitzer“ (48 Prozent voll und ganz, 17 Prozent eher). Die Selbstbezeichnung als  „Lausitzer“ fällt mit 62 Prozent nicht ganz so deutlich aus (38 Prozent voll und ganz, 24 Prozent eher). Während die Menschen im Landkreis Görlitz sich zu 78 Prozent als „Oberlausitzer“ bezeichnen, trifft dies nur auf 54 Prozent der Bewohner des Landkreises Bautzen zu. „Ich bin Lausitzer“ sagen von sich 65 Prozent der Bautzener, während diese Selbsteinschätzung mit 58 Prozent bei den Görlitzern schwächer ausgeprägt ist.

Mehrheit sieht Zukunft für eine Energieregion Lausitz

Eine absolute Mehrheit von 66 Prozent der Menschen in den beiden Landkreisen meint, dass die Lausitz auch in Zukunft „Energieregion“ bleiben sollte. Nur 18 Prozent lehnen diese Entwicklungsperspektive ab. Während bei der mittleren und älteren Generation die Zustimmung deutlich ausfällt (80 Prozent bei den 40 bis 49-Jährigen) ist die jüngere Generation in diesem Punkt deutlich skeptischer (rund 50 Prozent bei den 18 bis 39-Jährigen).
Viele Menschen zeigen sich besorgt, ob die junge Generation im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wohnen eine gute Zukunft in der Lausitz hat. Der Anteil der Befragten mit eher pessimistischen Zukunftsaussichten für die jüngere Generation überwiegt leicht (47 zu 45 Prozent). Hier zeigen sich regionale Unterschiede. Die Mehrheit der Bautzener Befragten glaubt an eine gute Zukunft der jungen Generation in der Lausitz (51 zu 39 Prozent), während die befragten Görlitzer mehrheitlich nicht an eine gute Zukunft der jungen Generation in der Lausitz glauben (56 zu 39 Prozent).
Am häufigsten nennen die Befragten die Ansiedlung von Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen als besonders wichtig für eine gute Entwicklung der Lausitz (87 Prozent), gefolgt von einer guten Verkehrsanbindung (77 Prozent), Investitionen in Tourismus, Kultur und Landschaftsschutz (76 Prozent) und der Ansiedlung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen (68 Prozent). Deutlich seltener wird die Schaffung von Arbeitsplätzen in Behörden (36 Prozent) genannt.

Wirtschaftslage wird als eher schlecht eingeschätzt

Die Mehrheit der Befragten gibt an, dass sie die aktuelle wirtschaftliche Lage der Lausitz als eher schlecht einstufen (42 Prozent). Für weitere sechs Prozent ist diese sogar sehr schlecht. Dagegen bewerten 40 Prozent die wirtschaftliche Lage der Lausitz als eher gut und drei Prozent als sehr gut.
Bei der Bewertung gibt es regionale Unterschiede: Die Mehrheit der Befragten im Landkreis Bautzen bewertet die wirtschaftliche Lage der Lausitz als gut (50 zu 38 Prozent). Dagegen sind die Görlitzer deutlich negativer eingestellt bezüglich der wirtschaftlichen Lage der Lausitz und bewerten diese mehrheitlich als schlecht (60 zu 34 Prozent).
Eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Gestaltung des Strukturwandels findet in der Lausitz eine breite Unterstützung. 90 Prozent halten eine aktive Bürgerbeteiligung für sehr oder eher wichtig, lediglich eine Minderheit von sechs Prozent empfindet dies als eher unwichtig.
Die Bereitschaft, sich persönlich in den Beteiligungsprozess einzubringen, ist allerdings noch nicht sehr ausgeprägt. Über die Hälfte sind eher zurückhaltend (58 Prozent) während über ein Drittel (37 Prozent) bereit ist, sich selbst aktiv in die Gestaltung des Strukturwandels einzubringen.