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| 14:29 Uhr

Görlitzer Sammlungen
Ullersdorfer Leuchtermännchen zurück in Görlitz

Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen zeigt das originale Ullersdorfer  Leuchtermännchens vor der Vitrine mit der Kopie.
Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen zeigt das originale Ullersdorfer Leuchtermännchens vor der Vitrine mit der Kopie. FOTO: Görlitzer Sammlungen / Wu Mengru, Görlitzer Sammlungen
Görlitz. Die Messingfigur ist Teil eines spätgotischen Leuchters. Sieben dieser Männchen in Narrengestalt sind in Mitteleuropa bekannt.

Nach über 270 Jahren ist das originale Ullersdorfer Leuchtermännchen als Dauerleihgabe ins Kulturhistorische Museum Görlitz zurückgekehrt. Bei der Messingfigur handelt es sich um den Mittelteil eines spätgotischen Leuchters aus der Zeit um 1400. Dargestellt ist ein Narr mit Narrenkappe, der ehemals auf einem dreifüßigen Sockel verlötet gewesen ist. „An den Händen der ausgebreiteten Arme, die fast wie im Anbetungsgestus (Orantenstellung) gehalten werden, waren vermutlich Kerzentüllen mit Traufschalen befestigt, die ebenso wenig wie der Sockel erhalten sind“, erklärt Kerstin Gosewisch von dem Görlitzer Museum.

Die Figur wurde 1744 bei der Erbauung der Menagerie am Lustgarten beim Schloss Ullersdorf gefunden. 1746 wurde sie unter anderem mit einer Feile stark überarbeitet, sodass die Art der einstigen Befestigung der Kerzentüllen nicht mehr erkennbar ist und auch die Oberfläche intensive Feilspuren aufweist. Bei dieser Gelegenheit brachte man auch eine neue, runde Bodenplatte aus Messing an, auf der die Figur neu verlötet wurde. Die Platte erhielt von unten eine Beschriftung „Dieser Abgott ist 1744 beyn Menagegebäude ausgegraben reno. (?) Nov 1746“. Eine Reparaturstelle am Hals zeigt, dass der Kopf offenbar abgebrochen gewesen sein muss und neu befestigt wurde.

Archäometallurgische Untersuchungen durch das Reiß-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie sollen im Herbst 2018 Aufschluss über die Metalllegierung geben, um die Herstellungstechnik zu ermitteln sowie Reparaturen und Ergänzungen von 1746 unterscheiden zu können, so Kerstin Gosewisch weiter.

Aufgrund der vermeintlichen Darstellung des Anbetungsgestus wurde die Figur seit ihrer Auffindung als heidnische slawische Gottheit „Flintz“ gedeutet. Erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erkennt man in solchen Figuren Leuchtermännchen. Insgesamt sind sieben in der Gestalt von Narren in Mitteleuropa bekannt.

Die Kästchenbeschriftung zeigt, dass das originale Männchen 1764 in das Geschlechterarchiv der Familie von Nostitz gelangte. Offenbar kam nur der wohl anlässlich der Überarbeitung 1746 angefertigte Zinnabguss in die Altertumssammlung der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Die Spur des Originals verlor sich seither, so dass der Verlust der Figur vermutet wurde.

Dank eines Hinweises von Dr. Stefan Krabath, ehemals Landesamt für Archäologie, wurde 2015 zufällig bekannt, dass die Figur mit Holzkästchen und Rosshaarpolsterung bei der Familie von Nostitz noch existiert. Nach Verhandlungen konnte 2018 ein Dauerleihvertrag mit der Familie geschlossen und das Stück wieder in die Oberlausitz gebracht werden. Hier soll es neben der historischen Kopie im Barockhaus Neißstraße 30 aufgestellt werden.