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Uhyster begegnen "Kein-Zeit-Klaus"

Autorin Eva Mutscher begeisterte in Uhyst mit ihren Märchen für Erwachsene.
Autorin Eva Mutscher begeisterte in Uhyst mit ihren Märchen für Erwachsene. FOTO: amz1
Uhyst. Märchen sind ausschließlich für Kinder gedacht. Mit diesem weitverbreiteten Vorurteil hat die Oberlausitzer Autorin Eva Mutscher während des Uhyster Lesewinters aufgeräumt. amz1

In ihren kleinen Büchern gibt die 52-jährige Diplom-Betriebswirtin Geschichten zum Besten, die märchenhaft anmuten, aber stets einen gewissen Bezug zum tatsächlichen Leben besitzen. Beispielsweise die Episode vom sogenannten "Kein-Zeit-Klaus". Der Jugendliche, der nie Zeit für irgendetwas hat und meist rastlos durchs Leben eilt, bildet die Hauptfigur in Mutschers neuestem Werk mit dem Titel "Der Tagesrucksack - ein Märchen vom Geheimnis der Zeit". Genau einen solchen bekommt der Klaus des nachts von der "Hüterin der Zeit" geschenkt.

Ein weiteres Büchlein erzählt die "Geschichte von der kleinen Traurigkeit". Das Mädchen, das nicht mehr traurig sein will, schlüpft kurzerhand in das Kleid der "kleinen Freude". Doch wahre Freude will nicht aufkommen. Darüber hinaus nimmt Eva Mutscher im Buch "Michel und das Geheimnis des Glücks" Stellung zu einem ganz aktuellen Thema. Nämlich zur weit verbreiteten Maßlosigkeit. In ihrem Phantasie-Königreich geht es drunter und drüber, weil die Bewohner nicht das rechte Maß finden wollen oder können, gleichzeitig aber nicht "mittelmäßig" sein wollen. Nicht zuletzt verfasst Eva Mutscher auch kurze Gedichte, die ebenfalls diverse Alltagssituationen näher beleuchten, manchmal auch auf die Schippe nehmen. In den Lyrik-Werken geht es unter anderem um Neuanfänge sowie ums Reden und Redenlassen.

Eigentlich, so erzählt die Autorin, habe sie bereits als Kind gern und oft geschrieben. Egal, ob lange Briefe oder seitenweise Aufsätze: Das sei die Welt der Eva Mutscher gewesen. Aufgewachsen ist die zweifache Mutter im Dörfchen Zodel im alleröstlichsten Zipfel von Deutschland, ein paar Kilometer nördlich von Görlitz. Doch die Arbeit habe kaum Zeit zum Schreiben und Dichten gelassen. Das sei erst anders geworden, als die erwachsenen Kinder das elterliche Haus verließen. "Zunächst traute ich mich gar nicht", erinnert sich Eva Mutscher an ihre ersten Schreibideen. Sie bildete sich via Selbststudium weiter, lernte, wie professionell Geschichten verfasst werden, wie man sein Publikum fesselt. Die Ideen für die Geschichten und Märchen lägen indes förmlich auf der Straße. "Man braucht sie nur aufzusammeln", weiß Mutscher.

Längst besäßen nicht nur Kinder die Sehnsucht, ein Held zu sein. Das gleiche Phänomen gebe es durchaus auch bei vielen Erwachsenen. Damit sei die Sehnsucht nach Auswegen aus komplizierten Lebenssituationen verbunden. "In diesem Zug begegne ich Wörtern, die heute selten geworden sind. Beispielsweise rechtschaffen, sorgsam oder demütig", erklärt die 52-Jährige. In den Märchen drehe sich zwar vieles um Wunder, doch diese existierten auch im realen Leben. Man müsse nur die Augen offenhalten. Die blühende Primel im Topf auf der Fensterbank, der Gesang der Nachtigall im Garten oder auch das dankbare Lächeln eines Menschen: dies alles sei keineswegs selbstverständlich, sondern etwas Wunderbares.

Die Veranstaltung im Rahmen des 16. Uhyster Lesewinters kommt beim mehr als 40-köpfigen Publikum hervorragend an. Die Protagonistin der Veranstaltungsreihe, Johanna Gruner, bringt es wie folgt auf den Punkt: "Mir kommen die Geschichten so weise vor. Und auch der Reichtum an Wörtern beeindruckt. Mir wäre wahrscheinlich nicht mal ein Zehntel davon eingefallen."

Am 5. März (16 Uhr, Rathaus) geht der 16. Uhyster Lesewinter in sein Finale. Dann sind Verleger Dr. Frank Stübner und Schauspieler Rainer Gruß zu Gast. Sie lesen, wie es sich für Uhyst gehört, aus den Werken des heimischen Dichterförsters Gottfried Unterdörfer. Dessen Todestag jährt sich anno 2017 bereits zum 25. Mal.