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| 10:15 Uhr

Jubiläum
Magdas Rouladen sprechen für sich

 Magdalena Hennig und ihr Sohn Milan geben zusammen in der Küche in Uhyst den Ton an. Das Gasthaus wird in fünfter Generation als Familienbetrieb geführt. Milan Hennig hat 2003 die Geschäfte übernommen. Im Gasthaus arbeitet ein neunköpfiges Team.
Magdalena Hennig und ihr Sohn Milan geben zusammen in der Küche in Uhyst den Ton an. Das Gasthaus wird in fünfter Generation als Familienbetrieb geführt. Milan Hennig hat 2003 die Geschäfte übernommen. Im Gasthaus arbeitet ein neunköpfiges Team. FOTO: Regina Weiß
Uhyst. Feiertage sind im Gasthaus „Drei Linden“ in Uhyst Arbeitstage. Dabei gibt es in diesem Jahr dort einen Feiertag mehr – einen runden noch dazu. Von Regina Weiß

„Eigentlich bin ich ja a. D.“, begrüßt Magdalena Hennig die RUNDSCHAU-Reporterin im Gasthaus „Drei Linden“ in Uhyst und muss dann selber über diesen Satz lachen. Denn ihre Dienstbekleidung sieht nicht so aus, als wäre sie außer Dienst und würde nur mal zu Besuch in ihrer jahrzehntelangen Wirkungsstätte vorbeischauen. Dabei könnte sie die Beine längst hochlegen, denn sie hat das Rentenalter bereits erreicht. Am 23. Dezember wird die Uhysterin 70 Jahre alt.

Die Feiertage um Weihnachten sind in der Gastronomie quasi Großkampftage. Da Geburtstag zu feiern, ist doppelt schwer. „Ja, das haben meine Eltern wirklich schlecht geplant“, nimmt es das „Geburtstagskind“ wieder mit Humor. So bleibe am 23. nur kurz Zeit für einen Stehempfang. Am 28. Dezember werde dann in Familie gefeiert. Im eigenen Gasthaus, ganz klar. Denn das ist Arbeitsstelle und Wohnzimmer zugleich, nicht nur für Magda – wie sie übrigens von allen genannt wird.

Das Gasthaus „Drei Linden“ wird mittlerweile in fünfter Generation geführt und die sechste steht bereits in den Startlöchern, wird gegenüber der Heimatzeitung angedeutet. Magdalena und Matthäus Haschke haben weiterhin im Auge, wie sich das Familienunternehmen seit seinem Start 1897 entwickelt. Sie, die man auf Schwarz-Weiß-Fotos in einem der Gasträume sehen kann, haben den Grundstein für das Haus im Dorfzentrum gelegt. „Es war damals eine Landwirtschaft mit Gast­wirtschaft“, klärt Magda Hennig auf.

Sie ist wie ihre beiden Geschwister – Bruder Christian und Schwester Johanna – sozusagen hinterm Tresen groß geworden. Schnell war ihr klar, dass sie ihr Berufsleben auch in die Gastronomie führen würde. Dass sie allerdings dahin gelenkt wurde, den Betrieb zu übernehmen, das habe sie ihrer Mutter Margot zu verdanken, ist sich die Seniorchefin sicher.

Margot und Kurt Rädisch waren die Dritten im Familienbunde. Sie hatten die Geschicke 1952 übernommen. Sie wurden wie in vielen Häusern zu DDR-Zeiten später Angestellte der Konsumgenossenschaft. Die Veränderungen um Uhyst – Kohle und Energie, Bergbau und Kraftwerk – erforderten Umbaupläne. Wie hatte es Schwester Johanna Gruner in einem Beitrag für das Oberlausitzer Hausbuch einst notiert: Das Gasthaus platzte zum damaligen Zeitpunkt aus allen Nähten. Aus einer Gaststube wurden drei Gasträume, der Saal wurde verlängert, Fremdenzimmer wurden eingebaut. Allein, wenn der Saal Geschichten erzählen könnte  ...

1965 begannen in Dresden die Lehrjahre für Magda Rädisch. Drei Jahre dauerte die Kochausbildung mit Abitur. Nach dem ersten Arbeitsjahr ging es für weitere drei Jahre zum Studium an die Gastronomiefachschule nach Leipzig. Der Abschluss erfolgte als Ökonom für Gastronomie und Hotelwesen. 1971 führte Magdas Weg zurück nach Uhyst – und wie praktisch: Sie brachte ihren Mann Christian gleich mit. „Ihn hatte ich auf der Fachschule kennengelernt.“ Er im Service, sie in der Küche – das Zusammenspiel der Eheleute klappte gut. „Die Arbeitsbereiche waren voneinander getrennt. Jeder hatte sozusagen sein Reich“, schiebt die Seniorchefin hinterher. Die Jungs Milan und Mirko machten zudem das Familienglück perfekt.

Dieses erlebte 1990 wahrlich einen Tiefschlag. Christian Hennig verstarb. Es war doppelt schwierig: Magada Hennig musste nicht nur mit dem Verlust in der Familie klarkommen, sondern auch das Haus samt Team um die Klippen der Wende manövrieren. Es waren die Söhne, die Familie, die in dieser Zeit den Halt gegeben haben. Diesen Rückenhalt musste sie später ihrem Sohn weitergeben, als er seine erst Frau verlor und mit zwei kleinen Kindern da stand. „Das war wirklich schwierig“, erinnert sie sich. Woher die Kraft kam? Vielleicht aus ihrer lebensbejahenden Art, ihrem Optimismus.

Ist die Familie die eine Seite, ist das Gasthaus die andere. Beides geht nicht ohne einander. „Es ist das Elternhaus“, unterstreicht Magda Hennig. Hier seien alle groß geworden. „Es stand nie zur Debatte, es aufzugeben“, so die Köchin mit Leib und Seele. Ihr macht die Arbeit weiterhin Spaß. Und sie lächelt, wenn Schwiegertochter Manuela sagt: „Sie wird hier noch gebraucht.“ Allein schon wegen ihrer Rouladen samt Rotkohl und Klößen. Für dieses Essen kommen die Gäste schon mal bis aus Görlitz, Bautzen oder Dresden. Gemacht werden sie, wie sie schon Mutter Margot gemacht hat. Sicherlich aber auch mit einer großen Portion Liebe.

Über all die Jahre war das Gasthaus „Drei Linden“ auch ein Platz für die Dorfgemeinschaft. Egal, ob der Carnevalsverein feierte, der Männcherchor probte oder die Einwohner über wichtige Bauprojekte informiert worden sind. Schließlich haben nicht mehr viele Gasthäuser so große Säle. Dabei sollte darin nach der Wende eine Kegelbahn entstehen. „Doch der Saal war zu kurz, glücklicherweise kann ich heute nur sagen“, so die Jubilarin. Schließlich bietet der Raum so Platz für eine Hochzeit mit rund 140 Personen, wie sie jüngst Sohn Milan und Schwiegertochter Manuela gefeiert haben.

Es geht aber noch größer: Am ersten Weihnachtsfeiertag werden rund 300 Gäste zum Mittagessen in zwei Durchgängen in Uhyst erwartet. Abends werden weitere 80 folgen. Da muss es in der Küche und im Service wie am Schnürchen klappen. „Ich brauche kein Fitnessprogramm“, findet Magda Hennig und muss schmunzeln.